In den Anbaugebieten für Bio-Kartoffeln in Rheinland-Pfalz kommt es dieses Jahr durch den Befall mit Phytophthora infestans, dem Erreger der Kraut- und Kartoffelfäule, zu erheblichen Ernteausfällen. Monika Tietke vom Verein "Bio Kartoffel Erzeuger" spricht von etwa 50 Prozent. "Auffällig ist dieses Jahr vor allem, dass es bundesweit keine homogenen Bestände oder Ausfälle mehr gibt", so Tietke. Direkt neben nicht betroffenen Äckern seien welche mit Komplettausfällen zu finden, ausgelöst durch sehr unregelmäßige und platzregenartige Niederschläge.

Besonders die Bauern in der Pfalz und am Niederrhein leiden dieses Jahr unter der Kraut- und Kartoffelfäule. Eberhard Hartelt, Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Pfalz Süd, berichtete nach Angaben von "Foodculture.net" von "hunderten Hektar", auf denen der Pilz bis zu 100 Prozent des Ertrages vernichte.

Phytophtora infestans gedeiht in feucht-warmem Klima. In Rheinland-Pfalz ist 2016 in der ersten Jahreshälfte bereits so viel Regen gefallen wie normalerweise in einem ganzen Jahr. Für die Bekämpfung des Pilzes steht Öko-Anbauern im Moment nur Kupfer zur Verfügung. Bis zu 3 kg dürfen pro Hektar ausgebracht werden. Aber die heftigen Niederschläge waschen das Pflanzenschutzmittel sofort wieder von den Blättern und verteilen den Erreger im Boden und auf die Knollen.

Für Tietke sind vor allem resistentere Sorten ein Weg, Phtyophtora zu bekämpfen. Manche Landwirte fordern auch die Zulassung weiterer Pflanzenschutzmittel für den Ökolandbau, wie zum Beispiel das komplett abbaubare Kaliumphosphonat; diesem Vorschlag steht Tietke kritisch gegenüber. Auch der deutschlandweit größte Bioverband Bioland unterstützt die Entwicklung von multifaktoriell resistenten Kartoffelsorten. "Sie sind die beste Waffe gegen die Kartoffelfäule", betonte Pressesprecher Gerald Wehde. Außerdem seien Vorsorgemaßnahmen wichtig: Vorkeimen, die strikte Trennung von frühen und späten Sorten und eine vernünftige Fruchtfolge könnten dem Befall vorbeugen. "Frühinfektionen können gut mit Kupfer behandelt werden. Wenn man es schafft, die Bestände bis zu einem gewissen Zeitpunkt durchzubringen, ist auch im Juli und August mit guten Wachstumszuwächsen zu rechnen."

Die größten Anbaugebiete für Öko-Kartoffeln liegen in Niedersachsen und Bayern. Da dort die Erträge dieses Jahr voraussichtlich zwar niedriger als 2015, aber durchschnittlich ausfallen werden, ist nicht mit einer Knappheit an Öko-Kartoffeln deutschlandweit zu rechnen. (lm)
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