Ernte 2016

Polens Bauern „stehlen“ ihr Korn


Der anhaltende Regen verzögert nicht nur den Drusch, sondern lässt auch die Qualitäten rapide absinken. Der polnische Verband der Getreideanbauer (KFPZ) spricht bereits von einem Notstand, denn es wird kaum noch Brotweizen geerntet. Bis Anfang August waren allerdings schätzungsweise erst 30 Prozent der Getreideflächen gedroschen, sodass noch keine repräsentativen Aussagen vorliegen.

Starkregen nimmt zu

Appell für Glyphosat
Das widrige Erntejahr 2016 nimmt der KFPZ-Präsident Rafał Mładanowicz zum Anlass, eindringlich vor einem Verbot von Glyphosat zu warnen. In diesem Jahr wäre ein solches Verbot als Notmaßnahme zur Sikkation eine „Katastrophe für Landwirte“ gewesen, so Mładanowicz. (db)
Die regionalen Unterschiede sind bislang groß. Recht gute Qualitäten hat es nach den Beobachtungen des Verbandes bisher in den trockeneren Regionen gegeben, wo große Teile des Wintergetreides eingebracht worden sind. Der KFPZ nennt Pommern sowie Gegenden östlich von Posen, nördlich von Lodz und südwestlich von Warschau. In allen anderen Regionen des Landes verhindern wiederholte Starkregenfälle einen zügigen Drusch. Der KFPZ-Präsident Rafał Mładanowicz berichtet von seinem eigenen Betrieb, dass er allein im Juli 217 mm Niederschlag gemessen hat, denen in den ersten beiden Augusttagen bereits 43 mm folgten.

Triticale liegt flach

Landwirte berichten auf Twitter, dass sie das Korn regelrecht vom Acker „stehlen“ müssen. Und was dann im Korntank landet, erfreut selten den Besitzer. Bei Triticale macht den Landwirten zudem Auswuchs zu schaffen. Denn zahlreiche Bestände sind ins Lager gegangen. Außerdem berichtet Mładanowicz  von stark verunkrauteten Beständen. Darüber hinaus lässt die Kornausbildung vielfach zu wünschen übrig. In einigen Fällen bringt der Drusch buchstäblich mehr Spreu als Weizen. Dem Weizen wiederum fehlen ausreichende Hektolitergewichte und Fallzahlen.

Erste Ernteschätzung aus Warschau

Unterdessen liegt auch die erste offizielle Ernteschätzung des Warschauer Statistikamtes zur Getreide- und Rapsernte 2016 vor. Die Getreideerträge taxiert das Amt bislang auf Vorjahreshöhe. Wegen ausgedehnter Anbauflächen soll jedoch die Erntemenge von Getreide (ohne Mais) um 5 Prozent auf 26,1 Mio. t steigen. Um 19 Prozent niedriger als im Vorjahr wird dagegen nach der ersten offiziellen Schätzung die Rapsernte mit nur 2,2 Mio. t ausfallen. Zur Höhe der Getreideernte kommentieren die Agrarexperten im Statistikamt allerdings, dass angesichts der andauernden Regenfälle noch entscheidende Abstriche an der Mengenschätzung erfolgen können.

Einlagern und auf bessere Preise warten

Mładanowicz vom Getreideanbauerverband rät den Landwirten angesichts dieser Unsicherheiten, alle Brotqualitäten einzulagern und auf bessere Preise zu warten. Etwa zwei Monate Geduld sollten sich auszahlen, meint der Verbandspräsident. (db)
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