Ernte 2016

Polnische Landwirte quälen sich weiter


Nass statt trocken
In normalen Jahren kämpfen polnische Ackerbauern mit den Folgen von Trockenheit. So war es auch bis Anfang Juni, worunter vor allem die Sommerkulturen gelitten haben. In dieser Woche hat das Institut in Pulawy, das für das Monitoring von Trockenheit zuständig ist, jedoch vom Gegenteil berichtet. Im Berichtszeitraum 11. Juni bis 10. August gab es in vielen Regionen mehr als reichlich Regen. Vielerorts sind die Böden wassergesättigt wie selten sonst in Polen. (db)
Die erheblichen Starkregenfälle der vergangenen Wochen erschweren in Polen den Mähdrusch. Viele Felder sind so durchweicht, dass die Mähdrescher gar nicht in die Bestände fahren können, stellt das Nationale Institut für Bodenkunde und Pflanzenbau (IUNG) in Pulawy fest. Betroffen sind nach Beobachtung des IUNG vor allem Felder mit Triticale und Roggen.

Sommerraps bringt wenig

Gedroschen wird zurzeit außerdem in großem Umfang Sommerraps, der als Ersatz für den zu Jahresbeginn erfrorenen Winterraps gesät worden ist. Die Erträge sind nach Berichten im Internet enttäuschend bis mäßig. Ohnehin bringen die Sommersorten 30 Prozent weniger als Winterraps, aber jetzt berichten Landwirte, dass sie froh sind, wenn sie 2 t/ha ernten. Gerade Sommerkulturen haben in Polen noch unter der Trockenheit bis Anfang Juni gelitten. Außerdem gab es im Raps heftigen Insektenbefall. Als dann noch Richtung Abreife die Bestände durch die Starkregenfälle wiederholt regelrecht geduscht wurden, gestaltet sich jetzt auch der Mähdrusch äußerst diffizil. Auch Sommergetreide, das als Lückenbüßer für ausgewinterte Kulturen angebaut worden ist, könnte schwache Erträge bringen, berichtet ein Berater in Posen. Das gilt vor allem für Sommerweizen. Hafer wiederum hat ebenfalls unter der Trockenheit gelitten.

Weniger Qualitätsweizen zu erwarten

Noch keine repräsentativen Aussagen gibt es zur Qualität der diesjährigen Ernte. Es gibt sehr große regionale Unterschiede, stellt die Wirtschaftskammer für Getreide und Futtermittel in Warschau fest. Die Qualität von Weizen und anderen Getreidearten, die bis zum Monatsanfang vor den umfangreichen Regenfällen eingebracht werden könnten, war gut, stellt die Kammer fest. Doch seither gibt es kaum noch neue Informationen, zumal wenig Getreideangebot an den Markt kommt. Landwirte mit eigenen Silos lagern ein. Die Kammer geht aber davon aus, dass der der Anteil an Qualitätsweizen an der gesamten polnischen Getreideernte 2016 deutlich niedriger als im Vorjahr sein wird.

Exporte fließen ab

Das Exportgeschäft an den polnischen Ostseehäfen läuft zurzeit nach Beobachtung der Kammer noch stetig, zumal dort bessere Preise gezahlt werden als am Binnenmarkt. Die Kammer rechnet jedoch damit, dass sich das Tempo in den kommenden Wochen verlangsamen kann. Grund ist der hohe Angebotsdruck vom Schwarzen Meer. (db)
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