Russlands Ernte nährt Gerüchteküche


Die Regierung in Moskau dementiert Absichten, die Getreideexporte zu stoppen. Spekulationen zu Obergrenzen gedeihen jedoch.

Am Freitag hat Agrarminister Nikolai Fjodorow bei Gesprächen in Südrussland bekräftigt, dass kein Embargo für Getreide geplant sei. Stattdessen sollen bei Bedarf Interventionsfreigaben den russischen Markt abkühlen.

Nahrung für Spekulationen bietet allerdings Fjodorows Aussage zu den Alternativen. Laut Moskau Times hat er gesagt, dass „alle Instrumente außer einem Embargo" diskutiert würden. Fjodorow stellt zurzeit Getreideexporte 2012/13 von 10 bis 12 Mio. t in Aussicht. Marktbeteiligte interpretieren diese Menge wie eine Obergrenze, bei der Maßnahmen zur Exportbegrenzung eingeleitet werden könnten.

Außerdem hat Russland seit Juli schon große Weizenmengen am Weltmarkt verkauft und punktet beim wichtigsten Importland Ägypten bisher mit Discountpreisen. Damit könnten die russischen Exportmöglichkeiten schneller ausgeschöpft sein.

Aus russischen  Interventionsbeständen sind bereits von April bis Juni etwa 2 Mio. t freigegeben worden. Noch 5 Mio. t Getreide sollen nach Regierungsangaben in den staatlichen Silos liegen.

Eine neue Ernteschätzung aus Russland gibt es unterdessen nicht. Nach wie vor beziffert das Ministerium die Erwartung auf 75 bis 80 Mio. t Getreide. Bislang gehen zahlreiche internationale Beobachter von einer geringeren Menge aus. Fjodorow hingegen zeigt sich optimistisch und sagt, dass die Ernte sogar größer ausfallen könnte. (db)
stats