Schwarzmeerhandel disponiert kurzfristig


Der Drusch in Sibirien bringt niedrige Erträge. Analogien zum Dürrejahr 2010 drängen sich auf. Die Moskauer Einfluss könnte aber überschätzt sein.

Der Internationale Getreiderat IGC rechnet in seinem am Donnerstag veröffentlichten Bericht damit, dass die russische Weizenernte in diesem Jahr ähnlich gering ist wie vor zwei Jahren. Im August 2010 hatte die Regierung in Moskau nach Ernteverlusten einen Exportstopp verhängt.
 
Wesentlich günstiger schneiden in Russland in diesem Jahr jedoch andere Getreidearten ab, vor allem Gerste. Deswegen geht der IGC davon aus, dass die gesamte russische Getreideernte 2012 mehr als 71 Mio. t erreicht. Sie würde 13 Mio. t höher ausfallen würde als 2010.

Im Vergleich zu den Zahlen des US-Landwirtschaftsministeriums USDA von vor zehn Tagen liegt der IGC mit seiner neuen Prognose aber um einiges niedriger. Auch Analysten in Russland stufen die Ernte kontinuierlich herab, seitdem die Mähdrescher in Richtung der östlichen Landesteile unterwegs sind. Besonders niedrige Weizenerträge von weniger als 1 t/ha werden aus Sibirien gemeldet.

Der russische Agrarminister Nikolai Fjodorow hat ebenfalls seine bisherige Ernteschätzung von bis zu 80 Mio. t Getreide revidiert. Maximal 75 Mio. t können es werden, lautete am Donnerstag die Ansage aus Moskau. Einen Exportstopp schließt die Regierung nach wie vor aus. Fjodorow hat allerdings vor wenigen Tagen auch gesagt, dass bei Versorgungsengpässen in Russland „alle Instrumente außer einem Embargo" diskutiert würden. Möglich wären zum Beispiel Exportzölle. Vorerst sollen Freigaben aus russischen Interventionsbeständen die Märkte etwas abkühlen.

Die Analysten des IGC geben zu bedenken, dass der Einfluss der Politik möglicherweise überschätzt wird. So oder so seien die Weizenexporte vom Schwarzen Meer begrenzt, heißt es im Monatsbericht am Donnerstag. Das gilt für Russland gleichermaßen wie für die Ukraine und Kasachstan, wo überall weniger geerntet worden ist. Der IGC erwähnt, dass sich internationale Händler bereits auf nachlassende Exporte einstellen. Er nennt als Indiz, dass in den Schwarzmeerhäfen Notierungen für spätere Liefermonate nicht aufgerufen seien. (db)
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