Ernte 2016

Sorgen wachsen in Frankreich


Die Analysten von Offre et Demande Agricole (ODA) haben zum Wochenende gemeldet, dass die französische Weichweizenernte unter 30 Mio. t sinken könnte. In der ersten offiziellen Ernteschätzung des Statistikamtes Agreste in Paris, die vor zwei Wochen veröffentlicht worden ist, war für 2016 noch eine Menge von knapp 37 Mio. t Weichweizen ausgewiesen. Vor einem Jahr war mit fast 41 Mio. t eine Rekordernte gedroschen worden.

Ein Landwirt zeigt seine Ausbeute: „Maximal 30 dt/ha“
-- , Foto: Nicolas Pinchon
Ein Landwirt zeigt seine Ausbeute: „Maximal 30 dt/ha“
Zur Ernte 2016 schlägt das Pendel offenbar in die andere Richtung aus. Landwirte berichten in den großen Weizenregionen von einer geringeren Kornzahl pro Ähre, schwach ausgebildeten Körnern bis hin zu regelrechtem Schmachtkorn. Ein Mitarbeiter des Saatgutanbieters Semences de France hat auf Twitter eine Landkarte Frankreichs erstellt, in denen er die Ertragsmeldungen der Landwirte sammelt und regelmäßig aktualisiert. Im Nordosten ballen sich Departments mit Weizenerträgen zwischen 3 und 6 t/ha. Üblich sind 7 bis 8 t/ha, vor einem Jahr waren es sogar noch höhere Erträge. Aussagekräftige Analysen zu Eiweißgehalten, Fallzahlen oder DON-Werten liegen 2016 allerdings noch nicht vor. Lediglich im Südwesten Frankreichs haben die Landwirte offenbar die üblichen Erträge und Qualitäten gedroschen. Von dort kommt aber nicht das Gros der Ernte.

Schnecken haben Ertrag gefressen

Manche reagieren mit Sarkasmus. Einer zeigt das Bier in seinem Kühlschrank, in dem er am liebsten die Schnecken ertränken würde, die seinen Weizenertrag gefressen haben. Übrig geblieben sind ihm 4,1 t/ha, meldet er am Sonntag aus dem Department Marne im Nordosten des Landes. Hinzu kommt die schwache Qualität, die ein anderer sinngemäß so beschreibt: „Das ist ein Weizen, den unsere Hühner ausspucken würden.“

Die Erträge sind so niedrig, dass die Anhänger in Windeseile geleert sind. „Es ist die Hälfte der üblichen Leistung", schildert ein Erfassungshändler seine Eindrücke.  Ein Leiter einer großen Kooperative ahnt bereits die Folgen: „Während Frankreich weint, lachen die Amerikaner“ twittert er. Damit spielt er auf die Exportchancen an, die für Frankreich dahin schmelzen, während andere Anbieter gerne die Lücke füllen werden.

Landwirte geraten in Existenznöte

Christophe Hillairet, Präsident der Landwirtschaftskammer des Departments Ile de France, fordert Unterstützung. Gerade für junge Landwirte, die noch keine ausreichenden Rücklagen bilden konnten, sei die Situation existenzbedrohend. Hillairet verhandelt nach eigener Aussage mit der Präfektur der Region sowie mit Banken, um Hilfen für „ein verlorenes Jahr" zu beantragen. „Wo bleibt Le Foll“, fragt ein Landwirt und hofft auf baldige Aktivitäten im Agrarministerium in Paris. Dort ist die Erntesituation allerdings noch kein Thema. (db)
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