Spekulanten erwarten weiter fallende Preise


Finanzanleger an der Chicago Board of Trade positionieren sich zunehmend bärisch. Analysten teilen ihre Erwartung an nachgebende Kurse nur bedingt.

Weniger fest gestimmt sind institutionelle Anleger wie Fonds-Manager für die weitere Preisentwicklung bei Mais, Weizen und Soja. In der Woche zum 1. Januar haben sie ihre Long-Positionen in allen drei Futures weiter zurückgefahren. Damit reagieren die sogenannten Spekulanten auf die Erwartungen an Rekord-Mais- und Sojaernten in Südamerika sowie auf möglicherweise steigende Mais- und Winterweizenflächen in den USA. Zu der Positionierung der Fonds passt, dass die Kurse an den Börsen in Paris und Chicago zuletzt geschwächelt haben.

Besonders deutlich zeigt sich die bärische Erwartungshaltung bei Mais: In den Mais-Futures an der Chicago Board of Trade (CBoT) haben „Spekulanten“ ihre Long-Position im Vergleich zur Vorwoche um knapp 12.600 auf rund 230.000 Kontrakte abgebaut. Das geht aus dem jüngsten Positionsbericht der US-Börsenaufsicht Commodity Futures Trading Commission (CFTC) von Freitag hervor. Zieht man von den Long-Positionen 65.800 Short-Kontrakte ab, ergibt sich eine Netto-Long-Position von knapp 164.000 Kontrakten. Nach Berechnungen der Analysten der Commerzbank ist die Netto-Long-Position der institutionellen Anleger in CBoT-Mais damit auf den niedrigsten Stand seit Anfang Juli 2012 gefallen.

Eine Long-Position drückt eine Erwartung an steigende, eine Short-Position die Erwartung an fallende Preise aus. Die Netto-Position ergibt sich aus der Differenz der Summe an Long- und Short-Positionen. Überwiegt die Anzahl der Short-Positionen, ist eine Anlegergruppe netto-short, überwiegt die Anzahl der Long-Positionen, ist sie entsprechend netto-long.

Da Fonds bei CBoT-Mais weiterhin netto-long sind, zeigen sie sich zwar weiterhin tendenziell fest gestimmt für die Preisentwicklung. Dass sie ihre Long-Positionen zurückfahren, kann jedoch als Erwartung an künftig fallende Preise gewertet werden.

In CBoT-Weizen sind Finanzanleger eindeutig auf fallende Preise positioniert. Die Netto-Short-Position haben sie in der Woche zum 1. Januar auf rund 23.150 Kontrakte ausgeweitet. Bei den Sojabohnen-Futures haben institutionelle Anleger ihre Long-Positionen weiter abgebaut. Die Netto-Long-Position ist damit geschrumpft auf 110.600 Kontrakte, laut Commerzbank der niedrigste Stand seit dem 10-Monats-Tief Anfang Dezember.

Die Analysten der Commerzbank halten den jüngsten Preisrückgang an den Agrarbörsen für „überzogen“, wie sie in einem Rohstoffbericht von heute mitteilen: So könne die ungünstige Witterung in den USA einen Teil der Flächenausdehnung bei Winterweizen aufzehren. (pio)
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