Im physischen Getreidegeschäft haben Käufer und Verkäufer sehr unterschiedliche Preisideen. Der morgige USDA-Bericht sorgt zusätzlich für Zurückhaltung.

Freundlich tendiert der Weizenmarkt an der Pariser Matif an diesem Donnerstag. Der kommende neue Frontmonat März 2013 notiert 1,25 €/t fester als am Vortag bei 248 €/t. Auch in Chicago zeigt sich der Weizenmarkt von seiner freundlichen Seite. Ägypten ist mit einem Tender im Markt. Im Verlauf des Nachmittags wird entschieden, welche Parität in dem Bieterverfahren das Rennen machen wird. Hiesige Marktteilnehmer und internationale Händler schreiben den USA gute Chancen zu. Unterstützung erfährt der Weizen auch durch Trockenheit in den USA. Knapp 600 Landkreise in 14 Bundesstaaten hat das US-Agrarministerium USDA zur "disaster area" erklärt. Kansas als wichtiger Anbaustaat für Qualitätsweizen ist ebenfalls betroffen.

Die Erwartungen an den USDA-Bericht sind für die Maispreise leicht bullisch. Die Anfangsbestände in den USA könnten nach unten korrigiert werden. Für Ölsaaten ist die Stimmung eher schwächer wegen Aufwärtskorrekturen für die Sojaernte in Brasilien. Für Weizen rechnen Marktteilnehmer mit neutralen Zahlen.

Im deutschen Weizenmarkt ist die Geschäftstätigkeit aktuell verhalten. Vor dem neuen Wasde-Report, den das US-Agrarministerium USDA am morgigen Freitag um 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit veröffentlichen wird, herrscht Zurückhaltung. Sowohl Marktteilnehmer aus der Mühlenbranche als auch Großhändler erwarten, dass sich die Preise am Kassamarkt auch im Falle eines Kursrückgangs an den Börsen tendenziell stabil halten werden.

Die Nachfrage im EU-Binnenmarkt hält dem Vernehmen nach an. Mühlen tun sich schwer damit, Abgeber zu finden. Geld- und Briefkurse für Standard-B-Weizen liegen im Nordosten 5 bis 6 €/t auseinander. Marktteilnehmer sprechen von einem "Stellungskrieg": Wer der Gegenpartei als erstes preislich entgegenkomme, habe "verloren". Bis März soll die Mühlenwirtschaft recht gut versorgt sein.

Stetige Nachfrage gibt es für Futterweizen. Franko Südoldenburg wird das Preisniveau mit 264 €/t angegeben.

Einen Teil der Zugewinne der vergangenen Tage gibt der Rapsfuture an der Matif in Paris an diesem Donnerstagmittag wieder ab. Der Februarkontrakt notiert bei 463 €/t 2,75 €/t schwächer als am Vortag. Die Sojabohnen in Chicago bewegen sich seitwärts.

Das Wetter beobachten indes auch Marktteilnehmer hierzulande. Vorrübergehende Minustemperaturen können die Bestände auf den Feldern ihrer Einschätzung nach gut aushalten. Längere Frostperioden wären aufgrund fehlender Schneedecken eher kritisch; eine solche Wetterlage zeichnet sich allerdings noch nicht ab. (pio)
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