Ukraine schöpft aus den Vorräten


Die Ukraine tritt als Getreideanbieter auf dem Weltmarkt gleichberechtigt neben Russland auf. Kiew will Dellen aus dem Vorjahr ausgleichen.

Noch hat Russland im Wettlauf die Nase vorn. Das Agrarministerium in Moskau registriert vom 1. Juli bis 15. August bereits Exporte von mehr als 3,3 Mio. t Getreide, darunter fast 2,9 Mio. t Weizen. Der Rest ist größtenteils Gerste. In der gesamten Saison ist das Exportpotenzial aber begrenzt. Auf maximal 12 Mio. t Getreide beziffert das Ministerium in Moskau aktuell die Möglichkeiten 2012/13.

In ähnlicher Höhe schätzen auch internationale Analysten die russischen Exporte ein, darunter 7 bis 8 Mio. t Weizen. Als große Frage bleibt jedoch, wie die Regierung handelt, wenn diese Mengen verkauft sind. Einen Exportstopp schließen die Verantwortlichen in Moskau bislang aus.

In der Ukraine sind die Aussichten wesentlich optimistischer. Die Analysten von APK-Inform haben zum Wochenanfang eine neue Bilanz erstellt und sogar ein Exportpotenzial 2012/13 von mehr als 23 Mio. t errechnet. Die Maisexporte könnten auf 15,5 Mio. t steigen, gefolgt von 5,0 Mio. t Weizen und 2,5 Mio. t Gerste.

Wenn auch internationale Beobachter niedrigere Maisexporte von allenfalls 12,5 Mio. t erwarten, so gehen sie ebenfalls davon aus, dass die Ukraine in dieser Saison wesentlich  mehr Getreide als Russland verkaufen wird. Die Ukraine hat Nachholbedarf, weil sie im Vorjahr unter ihren Möglichkeiten geblieben ist und Vorräte angesammelt hat.

Das zeigen auch aktuelle Zahlen des Kiewer Agrarministeriums. Seit Saisonbeginn sind bis zum Wochenende rund 2,7 Mio. t Getreide exportiert worden. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum beträgt der Anstieg 83 Prozent. Im Sommer 2011 galten in der Ukraine noch Mindestzölle für den Export in Höhe von 17 €/t für Weizen, 23 €/t für Gerste und 20 €/t für Mais.

Sie waren für Weizen erst im Oktober 2011 und für die anderen Getreidearten zum Jahresende aufgehoben worden. Damit hatten ukrainische Exporte im internationalen Wettbewerb lange das Nachsehen, obwohl die ukrainische Getreideernte 2011 eine der größten der vergangenen Jahre war. (db)
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