Die jüngsten Niederschläge haben für etwas Entspannung gesorgt. Dennoch herrscht in der Landwirtschaft und im Handel weiterhin Unsicherheit über den Zustand der Getreidebestände. Das bremst das Geschäft am deutschen Kassamarkt. Die heftigen Regenfälle vom Vortag haben den Getreidebeständen gut getan, berichten Marktteilnehmer aus dem Raum Hannover am Freitag. Dennoch braucht das Wintergetreide im Juni nach Einschätzung aus dem Handel 100 mm Regen, um es auf eine Durchschnittsernte zu bringen. Die Unsicherheit über die weitere Bestandsentwicklung bleibt folglich. Roggen, Gerste und Triticale auf den leichten Standorten im norddeutschen Tiefland, in den Heidgebieten und der Altmark benötigen weitere Niederschläge, sagen Erfasser. Die Bestandsdichten seien reduziert. Auch in Dänemark würden die Landwirte auf den leichten Standorten langsam nervös, erfuhr agrarzeitung.de weiter aus Großhandelskreisen.

Die Unsicherheit über die weitere Wetter- und Bestandsentwicklung bremst die Abgabebereitschaft in der Landwirtschaft, und auch der nordwestdeutsche Handel erwartet für diesen Freitag allenfalls „lustloses Papiergeschäft“. Aus der Landwirtschaft heraus lasse sich „jenseits von Kleinstmengen über 50 bis 100 Tonnen kein Geschäft generieren“. Für B-Weizen, ab Hof oder franko Landlager, seien zuletzt ex-Ernte-Preise zwischen 195 und 200 €/t erzielt worden. Dieses Preisniveau liege eigentlich „oberhalb des Marktes“, einzelne Marktteilnehmer hätten wohl Versuchsballons steigen lassen, um das Niveau auszutesten, ab dem Verkäufer abgabebereit seien, sagte ein Händler aus dem Hannoveraner Raum. Die „psychologische Marke“ für die Abgabebereitschaft der Landwirte sehen Erfasser aktuell bei 200 €/t.

Die Mühlen sind unterdessen nach Einschätzung aus Maklerkreisen aktuell „long“, das heißt die physische Ware zur Erfüllung bereits geschlossener Mehlgeschäfte ist nicht in allen Fällen vorhanden. (pio)
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