Die Gerste ist durch die Trockenheit im Juni mit regional extrem hohen Temperaturen zügig abgereift. Letztendlich werden jedoch die ersten Druschergebnisse zeigen, inwieweit die teils extreme Juni-Witterung die Erträge und Qualitäten von Winterweizen, Winterraps und Sommergetreide beeinflusst hat, sagte  der DBV-Präsident Joachim Rukwied heute bei der Ernteeröffnung im Raum Ludwigsburg in Baden-Württemberg. „In weiten Teilen Deutschlands lassen sich Trockenschäden in den Beständen erkennen. Gerade der Winterweizen könnte zuletzt Ertragspotenzial und Qualität eingebüßt haben. Da der Winterweizen mit knapp 3,2 Mio. ha die wichtigste in Deutschland angebaute Getreideart ist, ist sein Ertrag ein maßgeblicher Faktor für das Gesamtergebnis der Getreideernte“, erläuterte Rukwied die jüngsten Sorgen der Landwirte. Der DBV geht von einer Gesamternte von 45 Mio. t aus, am 21. Juni hatte der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) noch 45,8 Mio. t geschätzt.

Bei Winterraps geht der DBV von einer Erntemenge von knapp 4,7 Mio. t aus. Die Ertragserwartungen liegen mit rund 3,6 t/ha niedriger als der Fünfjahresdurchschnitt von 3,9 t/ha. Ursachen hierfür sind laut DBV ein regional erhöhter Krankheits- und Schädlingsdruck, der Kälteeinbruch mit Nachtfrösten im April, welcher die Rapsbestände in der Blüte traf, sowie die Trockenheit der Vorwochen. Die Trockenheit im Juni hat sich auch auf die Futtergewinnung ausgewirkt: Der in einigen Regionen geringe Aufwuchs auf den Grünlandstandorten bereitet den Landwirten Sorgen um ihre Futtervorräte. Der DBV erstellt seine Ernteprognose auf der Basis von Umfragen unter den 18 Landesbauernverbänden zu ihren aktuellen Ertragsschätzungen.

Die aktuellen Getreidepreise hält der DBV für nur geringfügig besser als vor der Ernte 2016. So erzielten Bauern Ende des Wirtschaftsjahres 2016/17 für Brotweizen alterntiger Ware 155 €/t gegenüber 139 €/t. Die voraussichtlich höhere EU-Getreideernte wird es im neuen Wirtschaftsjahr 2017/18 zudem ermöglichen, dass sich die EU wieder stärker an den Exportmärkten engagiert. Im zu Ende gegangenen Wirtschaftsjahr 2016/17 sind die Exporte der EU auf 23 Mio. t Weizen (minus 26 Prozent gegenüber 2015/16) und rund 5 Mio. t Gerste (minus 52 Prozent gegenüber 2015/16) zurückgegangen. Ursächlich hierfür waren die geringeren Erntemengen innerhalb der EU und der zeitweise höhere Eurokurs, der die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Ware verringerte. (da)
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