Die Wettermärkte lassen die internationale Weizenpreise zittern. Aus Hamburger Handelskreisen werden Zweifel an jüngsten Ernteschätzungen aus Russland laut. Er halte die Prognose des Lobbyverbandes Russian Grain Union für eine Weizenproduktion auf dem Vorjahresniveau von 56 Millionen Tonnen für „überhöht“, sagte ein Agrarmarktanalyst aus Hamburg im Gespräch mit agrarzeitung.de. Gebietsweise sei in Russland zwar zuletzt etwas Regen gefallen. In den für den Exportmarkt entscheidenden Anbaugebieten für Winterweizen im Süden des Landes habe sich die Lage jedoch nicht entspannt. „Dort sieht es momentan schlecht aus“, hieß es weiter aus Hamburger Handelskreisen. Eine Einschätzung, die auch internationale Analysten bestätigen.

Das Hydrometeorologische Zentrum Russlands sieht den Zustand des Wintergetreides und vor allem des Winterweizens im Süden des Landes ebenfalls kritisch. Südrussland habe seit fast 60 Jahren kein so trockenes Frühjahr erlebt, sagt Roman Vilfand, Direktor des Hydrometeorologischen Zentrums, laut einem Bericht des Analystenhauses APK-Inform. Vilfand rechnet demnach mit Ertragsrückgängen, auch wenn deren Umfang aktuell noch nicht eingeschätzt werden könne.

Der regierungsnahe russische Getreideverband Russian Grain Union hatte seine optimistische Schätzung für eine Weizenernte von 56 Mio. t 2012 Mitte der Woche bekannt gegeben und damit zu dem Druck auf die Notierungen an den internationalen Agrarbörsen beigetragen. Marktbeobachter aus dem internationalen Großhandel halten die Prognosen des anerkannten russischen Analysten Sovecon für glaubwürdiger: Dieser Schätzer sagt der russischen Weizenproduktion einen Rückgang um rund 3 Mio. t gegenüber dem Vorjahr voraus. (pio)
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