AMA

Österreich erntet 20 Prozent weniger Weizen

Das zweite Jahr in Folge fahren österreichische Bauern weniger Getreide ein. Auch in dem Alpenland fehlte der Regen.

Die Getreideernte 2018 ist in Österreich gegenüber dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre um 12 Prozent niedriger ausgefallen. Die staatliche Agrarmarkt Austria (AMA) schätzt rund 2,8 Mio. t Getreide - ohne Mais. Das liegt rund 400.000 t unter dem Durchschnitt. "Somit schreiben wir das zweite Jahr in Folge eine trockenheitsbedingt geringe Getreideernte. Als einzige Hoffnung für die Landwirte bleibt eine zum Vorjahr erhöhte Maisernte im Herbst", sagt der AMA-Vorstandsvorsitzende Günter Griesmayr. Die prognostizierte Gesamtproduktion mit Mais liegt bei 4,9 Mio. t. Bei einem wachsenden Inlandsverbrauch schätzt die AMA den Importnettobedarf auf dem hohen Niveau des Vorjahres von 1,2 Mio. t - vorausgesetzt die Maisernte entspricht den derzeit guten Erwartungen.

Ernteergebnisse
Die Erntemenge von Weichweizen wird rund 1,3 Mio. t betragen und liegt somit um rund 20 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt. Sie zeichnet sich durch überdurchschnittlich hohe Proteingehalte und hohe Fallzahlen aus. Landesweit wird mit rund 75 Prozent Premium- und Qualitätsweizen sowie 25 Prozent Mahlweizen gerechnet.

Die Braugerstenernte fällt bedingt durch Flächenreduktionen und niedrige Hektarerträge und Qualitätseinbußen deutlich unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre aus. Aus derzeitiger Sicht sei die Versorgung mit österreichsicher Braugerste für die inländische Verarbeitung nicht gesichert, heißt es bei der AMA.


Nach einem langen Winter wirkte sich der besonders trockene und warme April negativ auf die Entwicklung des Getreides aus. Die Trockenheit im östlichen Niederösterreich und Nordburgenland war ähnlich gravierend wie im Vorjahr, zusätzlich wurden in Oberösterreich wesentlich weniger Niederschläge als 2017 beziehungsweise im langjährigen Mittel verzeichnet. Im Süden hingegen (Kärnten, Steiermark, Südburgenland) kam es teilweise zu sintflutartigen Niederschlägen. 

Landwirte stärker am Markt orientiert

In den letzten Jahren kam es im österreichischen Ackerbau zu einer deutlichen Verschiebung vom Frühjahrsanbau zum Herbstanbau, einer Steigerung des Sojaanbaus und einer Zunahme der biologischen Wirtschaftsweise. Die Verschiebungen innerhalb der Getreideanbauflächen verdeutliche eine stärkere Marktorientierung der landwirtschaftlichen Betriebe, heißt es bei der AMA. So wurde der im Vorjahr knappe Mahlroggen vermehrt (+6.247 ha) ausgesät. Zudem führte das geringe Angebot an Futtergetreide dazu, dass die zum überwiegenden Teil als Futter verwendete Wintergerste auf einer größeren Fläche bestellt wurde (+6.732 ha). Die Weichweizenfläche wurde mangels preislicher Attraktivität vom Langzeittief des Vorjahres noch einmal leicht reduziert (-655 ha). Sommergerste konnte durch den langen Winter noch spärlicher (-6.362 ha) als in den Vorjahren angebaut werden. Die Fläche der zum großen Teil als Braugerste verwendeten Sommergerste ist somit mehr als die Hälfte geringer als noch vor zehn Jahren. Körnermais konnte die Flächengewinne aus dem Vorjahr mit leichten Verlusten halten.

Zuckerrübenfläche auf historischem Tief - Sojafläche auf Rekordniveau

Das massive Auftreten des Rüsselkäfers zwang die Landwirte teilweise nach mehrmaligem Wiederanbau fast ein Drittel der Zuckerrübenfläche umzubrechen. Damit sinkt die Zuckerrübe auf ihr historisches Flächentief. Auf den umgebrochenen Flächen wurden unter anderem Sojabohnen und Mais kultiviert. "Die Sojabohnenfläche ist entsprechend dem mehrjährigen Aufwärtstrend mit der diesjährigen Zunahme von rund 3.200 ha die bereits viertgrößte Kultur auf unseren Äckern. Österreich ist mittlerweile der fünftgrößte Sojaproduzent aller 28 EU-Mitgliedstaaten", erklärt Griesmayr. Die Ölrapsfläche bleibt auf demselben niedrigen Niveau wie 2017, während die Sonnenblumenfläche einen Teil der Zugewinne aus dem Vorjahr abgibt (-516 ha). 

Bio-Ackerfläche – Plus fünf Prozent

Die Bio-Ackerfläche legt entsprechend dem mehrjährigen Trend erneut zu (+10.359 ha) und liegt derzeit bei 18 Prozent der Gesamtackerfläche. Im Bio-Landbau verzeichnet Bio-Weichweizen das größte Flächenplus (+3.841 ha). Damit hält die in Österreich bedeutendste Kultur auch auf den biologisch bewirtschafteten Flächen ihren größten Flächenanteil. 

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats