az-Seminar: Neue Drittlandmärkte für deutsches Getreide


Viel Weizen aus Deutschland und dem Baltikum fließt aktuell in den Iran. Marktteilnehmer berichten über große Lieferungen hiesiger Ware nach Brasilien.

Am norddeutschen Exportmarkt kursieren seit kurzer Zeit Gerüchte über eine große Weizenlieferung in das südamerikanische Land. Mutmaßliche Geschäfte über ein Panmax-Schiff beladen mit deutschem Weizen mit Ziel Brasilien beschäftigen auch die Teilnehmer des Seminars "Agrarmärkte 2013" der agrarzeitung (az) heute in Hamburg.

Ein großes, traditionsreiches Hamburger Handelshaus soll nach Einschätzung von Händlern hinter dem Geschäft stecken, das vor ein bis zwei Wochen getätigt worden sein soll. Ein solcher Deal würde Einschätzungen am internationalen Getreidemarkt bestätigen, dass die argentinische Weizenernte mit Qualitätsproblemen zu kämpfen hat.

Unterdessen fließt 2012/13 mehr Weizen aus Deutschland und dem Baltikum als in anderen Wirtschaftsjahren in den Iran. Die französischen Analysten von Tallage beziffern die Menge an EU-Weizen mit diesem Ziel aktuell auf knapp 1,5 Mio. t. In der Saison 2011/12 waren es nur 0,4 Mio. t Weizen, die an diese Destination geliefert wurden.

Marktteilnehmer namhafter internationaler Handelshäuser veranschlagen den Umfang der Kontrakte deutschen und baltischen Weizens für den Iran schon jetzt auf 1,2 Mio. t und gehen daher davon aus, dass die Prognose der französischen Analysten noch übertroffen wird.

Aktuell fragen sich die Teilnehmer während des az-Seminars in Hamburg, wann die vollen Exportsilos hierzulande geleert werden. Sie begründen die aktuell zögerlichen Abrufe damit, dass Ausfuhrhändler zunächst Mengen aus Russland und der Ukraine verschiffen wollten, bevor dort mutmaßliche Exportbeschränkungen greifen.

Im Norden Deutschlands rationieren die Mischer Weizen derweil bereits, wie die Marktteilnehmer in Hamburg weiter berichteten. Der Weizen werde durch Mais ersetzt, interessanter Weise aber nicht durch Gerste, hieß es dazu.

Roman Weingardt, Händler bei der Cargill GmbH in Salzgitter, sieht den Weizenmarkt indes weiter fest gestimmt: Die Weizenendbestände in den acht wichtigsten Produzentenstaaten USA, Europa, Australien, Kanada, Argentinien, Kasachstan, Russland und Ukraine würden dieses Jahr auf 51 (Vorjahr: 68) Mio. t abschmelzen. Die EU würde mit 17,7 (13,2) Mio. t voraussichtlich 4 Mio. t mehr Weizen als im Vorjahr exportieren und damit ein Bilanzdefizit gemessen an den gut 10 Mio. t Mindestreserve von rund 1 Mio. t ausweisen. (pio)
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