az-Podcast Ernte 2020 Folge 8

Das schwarze Gold und die Mäuseplage


Foto: imago images / INSADCO

Verbote im Pflanzenschutz und Wetterunbilden haben im Vorjahr zur schlechtesten Rapsernte in Deutschland seit 25 Jahren geführt. In diesem Sommer überrascht der Raps mit gesunden, runden, vollen, schwarzen Körnern, die so niemand auf dem Schirm hatte.

Der Absatz von Rapsöl und Schrot läuft wie geschmiert. Ob sich der Hype zur Aussaat 2020 fortsetzt, hängt davon ab, ob die Politik den Landwirten die Erlaubnis erteilt, ab Mitte September Rodentizide mit der Legeflinte ausbringen zu dürfen, um der rasant wachsenden Mäusepopulation Einhalt zu gebieten. Ansonsten müssten die kahl gefressenen Felder wieder umgebrochen werden.



Die Schoten haben dicht gehalten, berichtet Henry Kämpf, Geschäftsführer der Power Oil Rostock GmbH, im az-Podcast zur Ernte 2020 in der 8. Folge. Die Ölmühlen sind mit Erträgen von 3,5 bis 4,8 t/ha mehr als zufrieden, da sie in dieser Höhe niemand erwartet hätte. Damit könnte die vom Deutschen Raiffeisenverband (DRV) geschätzte Rapsmenge von 3,2 Mio. t für 2020 sogar leicht übertroffen werden. Der Zuwachs um fast 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist vor allem auf die größere Anbaufläche von 950.000 ha zurückzuführen.

„Endlich haben wir wieder ein Jahr mit großen, dicken, schönen Körnern.“ Im Durchschnitt beträgt der Ölgehalt im Nordosten 41,0 bis 41,5 Prozent, das sind etwa 1,5 Prozentpunkte weniger als 2019, erfüllt aber die Anforderungen der Ölmühlen von 40 Prozent. Auch der Wassergehalt von 9 Prozent ist – von den ersten Anlieferungen abgesehen – kein Problem. Für die Landwirte sind auch die Preisen von 370 €/t ex Ernte ein Signal wieder mehr Raps anzubauen. Wären da nicht die Mäuse, die nur darauf warten, den jungen Rapspflanzen den Garaus zu machen. Mit großem Engagement fordert Olaf Feuerborn, Landwirt und Landesbauernpräsident in Sachsen-Anhalt in einem Brandbrief an das Bundeslandwirtschaftsministerium eine Ausnahmegenehmigung für die Anwendung von Rodentiziden. "Wir brauchen dringend eine Erlaubnis, Mäuseköder ab Mitte September, mit der Legeflinte", sagt Feuerborn im az-Podcast. Seit 2018 gelten für Zinkphosphide Einschränkungen in Vogelschutzgebieten, Rastplätzen von Zugvögeln und Feldhamster-Gebieten. Da bleibt fast kein Fleck mehr in Sachsen-Anhalt, wo noch Mäuseköder verdeckt ausgelegt werden dürfen. Über die Chancen einer Sondergenehmigung nach der Rapsaussaat erfahren Sie mehr im az-Podcast Folge 8.

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