Ernte 2019

Braugerstenernte in Bayern fällt gut aus


Die Ernteerwartungen für Gerste entsprechen dem Fünf-Jahres-Mittel.
Foto: Bernd Kasper / pixelio.de
Die Ernteerwartungen für Gerste entsprechen dem Fünf-Jahres-Mittel.

Überwiegend zufriedene Mienen zeigte sich bei den Teilnehmern der 64. Unterfränkischen Braugerstenrundfahrt. Die bevorstehende Sommergerstenernte wird in ganz Bayern überwiegend optimistisch eingeschätzt.

Dafür sorgten gute Bedingungen zur Aussaat. Vom Regierungsbezirk Unterfranken einmal abgesehen, wurde die Anbaufläche im Freistaat leicht eingeschränkt. Insgesamt wurden 101.300 ha mit Sommergersten bestellt; rund 3.000 ha weniger als im Vorjahr. In Unterfranken  wurden auf rund 21.900 ha Sommergerste gesät, eine Steigerung von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 28 Prozent gegenüber dem 5jährigen Schnitt. Dr. Herbert Siedler vom Amt für Landwirtschaft in Würzburg erklärte dies mit den trockenen Herbstbedingungen, die die Aussaat von Raps stark beeinträchtigten.

Insgesamt waren die Bedingungen zur Aussaat in ganz Bayern günstig. Die Bestände sind gut aufgelaufen und es überwiegen ordentliche Bestandesdichten. Der Krankheitsdruck war sehr gering und Fusarium ist kaum erwähnenswert. Dr. Markus Herz von der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Freising erwartet einen durchschnittlichen Naturalertrag von etwa 54 dt/ha, was dem 5jährigen Mittel entspricht. Den Eiweißgehalt schätzt der Pflanzenbauer auf knapp 11 Prozent; die Sortierung auf 90 Prozent. In Bayern werden somit etwa 350.000 bis 390.000 Tonnen Qualitätsbraugerste eingebracht.

Mögliche Brexit-Ausfälle bereits kompensiert

Die Malzindustrie sei gut ausgelastet und investiere verstärkt. Dies treffe auch international zu, erklärte Dr. Alexander Rosenberger von der Evergrain Germany GmbH&Co.KG, Hamburg. Er erinnerte daran, dass Frankreich seine Braugerstenfläche deutlich um 100.000 ha auf insgesamt 500.000 ha aus gedehnt hat. Die bisherige Ernte habe sich durch niedrige Eiweißgehalte und hohe Erträge ausgezeichnet. „Mögliche Ausfälle durch einen Brexit können durch Frankreich ausgeglichen werden.“ Es wurden zudem bereits Kontrakte zu einem früheren Zeitpunkt mit Großbritannien abgeschlossen. Die Ernteaussichten im UK seien gut bis sehr gut.

Auch in Skandinavien erwartet Rosenberger eine qualitativ und quantitativ gute Ernte. Angesichts der positiven Aussichten könnte auch in Deutschland die Braugerstenprämie etwas unter Druck geraten. Allerdings gab es bereits im vergangenen Herbst ansehnliche Geschäfte. „Landwirte, die damals Vorverträge abschlossen, haben es richtig gemacht“.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 10. Juli 2019 11:49 | Permanent-Link

    Werter Herr Hermannsen,

    na, da offenbart sich mit Ihren beiden aufeinanderfolgenden Prognosen äußerst Erfreuliches von der mithin zu Unrecht jammernden bayerischen Bauernfront:

    Hinreichend Potential, die Erzeugerpreise noch effizienter auf Talfahrt zu schicken: 12,00 € für die Dezitonne Weizen, allenfalls 15,00 € für die Dezitonne Braugerste müssen den bäuerlichen Mikroökonomien reichen, um sich betriebswirtschaftlich erfolgreich in die Zukunft fortentwickeln zu können. - Dann mal ernsthaft ran, liebe Kollegen!

  2. Holger Haupt
    Erstellt 10. Juli 2019 16:03 | Permanent-Link

    Sehr geehrter Herr Hermannsen,

    im Thüringer Becken zeigt sich ein ganz anderes Bild: Vollgerstenanteil bei 60 Prozent, Rohprotein bei 12 Prozent. Ohne Wasser kann sich auch kein Korn ausbilden. Mais und Zuckerrüben leiden auch unter der Dürre. Auch mal in den Osten schauen dort wo es wochenlang kein Regen gab. Die Situation ist schlimmer als im vorigen Jahr.

  3. hjg
    Erstellt 10. Juli 2019 16:36 | Permanent-Link

    Man kann dem EU-Bauer Klaus nur beipflichten!! So kann man sich zum Büttel der Mälzer machen und die Preise runterreden! Aber mit den Bauern kann man es machen. Die Hoffnung auf den Höfen stirbt zuletzt. Aber die potenziellen Hofnachfolger wachen zunehmend auf.

  4. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 11. Juli 2019 09:05 | Permanent-Link

    Randnotiz - für die Braugerstenanbauer allerdings von enormer Wichtigkeit: Der Brasilianer Lehmann mit schweizerischen Wurzeln schuf mit einem Management-Modell, mit dem er auch Ambev zu weltweitem Erfolg verhalf, über Private-Equity-Fonds 3G Capital ein weltweites Lebensmittelimperium, laut Forbes mit einem geschätzten Vermögen von um die 23 Mrd. Dollar. Brasiliens reichster Mann. Lehmann übt mit diesem Imperium als Anteilseigner der größten Brauereigruppe Ambev - seiner konzerneigenen Keimzelle schlechthin - über die Bier- und Getränkebranche hinaus entscheidendem Einfluss auf das Flaggschiff der weltweiten Lebensmittelindustrie aus. Ein maßgeblicher Erfolg dieses Fastfood- und Bier-Imperators beruht auf radikalen Streichprogrammen und dem Hinterfragen aller Kosten, um damit einhergehend die Synergieeffekte einer Fusion in Rekordzeit zu heben. Selbst die Investorenlegende Warren Buffet war lange Zeit von diesem Unternehmer förmlichst geblendet, er agierte als Kapitalbesorger. Seit 2 Jahren nun steht dieses Fastfood- und Bierimperium massiv unter Druck. Die ganze Welt blickt neugierig nach Brasilien auf Ambev. Dem Vernehmen nach ist die Bilanz und Kreditwürdigkeit des Konzerns mit über 100 Mrd. Dollar Schulden belastet; kein Pappenstiel also, der sich mal soeben bereinigen ließe. Dieses finanzgetriebene Geschäftsmodell ist schlichtweg an seine Grenzen gestoßen, bei ständigem Kostensenken hat man sträflich die Marken und Produkte vernachlässigt. Der Bierbrauer, der vor allem in Lateinamerika und Kanada produziert und verkauft, erwirtschaftet operative Renditen von 42% (Konkurrenz arbeitet mit Renditen von um die 15%). Analysten der Investorenwebseite „Seeking Alpha“ bescheinigen dem Konzern eine „abnormal hohe Eigenkapitalrentabilität von sagenhaften, kaum erreichbaren 24%“. (Ein Brückenschlag: Parallelen, lassen sich allenfalls zu dem Schweizer Josef Ackermann ziehen, der als ehemaliger Chef der Deutschen Bank ähnliche Eigenkapitalrenditen ausgegeben hatte. Wo diese Bank heute steht, geht aktuell durch sämtliche Medien.) Obgleich Ambev 2018 „nur“ rund ein Viertel des AB-Inbev-Gruppenumsatzes von insgesamt ca. 55 Mrd. erwirtschaftete, steuert dieser Bierhersteller mit 3 Mrd. Dollar mehr als die Hälfte des Gewinns bei. Die Investoren des wichtigsten brasilianischen Privatkonzerns zeigen sich jedenfalls enttäuscht, dass die Aktien von Ambev in zwölf Monaten knapp 30 Prozent an Wert verloren haben, während der brasilianische Leitindex 15 Prozent hinzugewinnen konnte. Der Konzern wolle zur Verbesserung des Ergebnisses nun eine „klare Strategie“ umsetzen... Nun, selbst wenn die Braugerstenerzeuger weltweit diesem Imperium ihre Braugerste schenkten, sind die Probleme desselben nicht mal soeben gelöst. Solche Geschäftsmodelle funktionieren vielleicht eben einmal nur auf Zeit!? Um von solchen schöpferischen Überflug-Sphären privater Finanzimperien wieder geerdet herunterzukommen: Werter Herr Hermannsen, unsere bäuerlichen Mikroökonomien jedenfalls fußen auf der harten händischen Arbeit von vielen Bauerngenerationen. Insofern ist eine gewisse Empfindsamkeit anzuraten - auch von Seiten unserer durchaus wichtigen Fachmedien - hier nicht noch weiteres Öl ins Feuer zu gießen, um diese bäuerlich solide Werteordnung unnötig weiteren Gefahren auszusetzen. Mit letzteren sind wir ohnedies bereits mehr als überreich gesegnet!

  5. Horst Hermannsen
    Erstellt 12. Juli 2019 12:23 | Permanent-Link

    Werte Foristen
    Zur Klarstellung: Bei dem Bericht über die voraussichtliche Braugerstenernte in Bayern wurden die Aussagen staatlicher Berater sowie die Einschätzungen eines national- und international tätigen Händlers wiedergegeben. Vertreter der hiesigen Landwirtschaft, des Handels und der Verarbeitungswirtschaft haben während der Braugerstenrundfahrt diese Einschätzungen bestätigt; wenn nicht, wäre dies erwähnt worden. Die subjektive Meinung des Chronisten ist bei einer sachlichen Berichterstattung nicht gefragt.

    Ihr Horst Hermannsen

  6. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 12. Juli 2019 13:10 | Permanent-Link

    Werter Herr Hermannsen,
    bei Flächen unter 50 Bodenpunkten ist auch im aktuellen Trockenjahr 2019 absolut Schicht im Schacht, man kämpft bauernseits mit riesigen Problemen.
    Wenn u.a. einem national/international tätigen Händler eines großen Handelshauses augenscheinlich das Bewusstsein fehlt, dass die Kunden unserer Braugerste sich massiv auf gerade einmal ein Dutzend weltweit reduziert haben, wovon allein ein Drittel des Gesamtvolumens dieses bäuerlichen Roherzeugnisses von nur einem alleine beansprucht wird, so weiß man ganz offensichtlich auch nicht, dass gerade diese Marktstrategen unseren Gerstenpreis dominieren, ganz unabhängig davon, was auf unseren Feldern wächst. - Noch immer sind allerdings viele Sandmännchen aktiv, um dem gemeinen Bauernvolk Sand in seine traurig verwässerten Äuglein streuen zu wollen... Beste Grüße

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