DRV-Schätzung

Weizen zwölf Prozent unter Vorjahr


Magere Erträge sagt jetzt auch der DRV voraus.
Foto: jst
Magere Erträge sagt jetzt auch der DRV voraus.

Das Ausmaß der Dürre in Deutschland wird immer deutlicher. Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) sieht die Existenz von Betrieben auf dem Spiel stehen.

Die diesjährige Getreideernte dürfte nur noch 41,4 Mio. t bringen, erwartet der DRV in seiner heute vorgelegten Juli-Schätzung. Für viele Landwirte in den Dürregebieten weitet sich das bisherige Ernteergebnis zusehends zu einer existenzbedrohenden Krise aus, zumal auch das Vorjahr schon keine gute Ernte gebracht hat. „Etliche Mitglieder unserer Genossenschaften sind teilweise dringend auf staatliche Hilfen angewiesen“, stellt DRV-Hauptgeschäftsführer Dr. Henning Ehlers fest. Entwarnung gibt er mit Blick auf Brot- und Brötchenpreise. „Der Anteil des Getreidepreises am Brotpreis beträgt nur wenige Prozent".

Das bereits unterdurchschnittliche Vorjahresergebnis von 45,5 Mio. t  Getreide wie auch der langjährige Durchschnitt von knapp 48 Mio. t  werden dieses Jahr weit verfehlt. Grund für das schlechte Ergebnis ist die große Trockenheit im Norden und Nordosten des Landes, die zu erheblichen Einbußen bis hin zu Totalausfällen geführt hat. Im Westen und Süden des Landes ist die Situation in der Summe zwar deutlich besser, allerdings werden auch dort die durchschnittlichen Erträge der vergangenen Jahre oftmals nicht erreicht.

Silage als Notlösung

Die tatsächlich gedroschenen Mengen dürften aber in verschiedenen Regionen noch geringer ausfallen, da witterungsbedingt Flächen als Ganzpflanzensilage abgeerntet worden sind. Mangels verlässlicher Angaben können diese aber gegenwärtig nicht quantifiziert werden, schränkt der DRV ein.

Die Ernte der Wintergerste ist bis auf einige Felder im Norden nahezu beendet. Der DRV erwartet derzeit 7,9 Mio. t, das sind zwölf Prozent unter Vorjahr. Der Roggen wird gegenwärtig mit 2,6 Mio. t geschätzt.
Die Weizenernte ist mittlerweile in vielen Regionen des Landes angelaufen. Hier geht der Raiffeisenverband von einer Gesamtmenge in Höhe von 21,5 Mio. t aus, rund zwölf Prozent weniger als im Vorjahr. Bei Sommergerste wird aufgrund einer größeren Anbaufläche eine Erntemenge von 2,2 Mio. t. erwartet. Das ist ein Zuwachs um fast 20 Prozent.
Beim Körnermais rechnet der Verband derzeit mit nur 4,2 Mio. t, hier könnte es noch schlimmer kommen, da bundesweit das Wasser fehlt und der Kolbenansatz schwach oder gar nicht ausgebildet ist. Nach den bislang vorliegenden Erkenntnissen sind die Qualitäten des geernteten Getreides im Süden und Westen in der Summe gut bis durchschnittlich, im Norden und Nordosten hingegen streuen sie sehr und enttäuschen aufgrund niedriger Hektolitergewichte und einem hohen Anteil an Schmachtkörnern.

Auch die Rapsernte dürfte schwächer ausfallen. Hier geht der Verband derzeit von knapp 3,6 Mio. t aus. Das so wenig wie in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr.

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  1. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 12. Juli 2018 15:23 | Permanent-Link

    Traurig, Herr Dr. Henning-Ehlers, nur noch unermesslich traurig...! Entwarnung gibt Dr. Ehlers wieder einmal -als schmerzhaften Knüppel über jedes Bauernhaupt gezogen - im Hinblick auf die Brot und Brötchenpreise: „Der Anteil des Getreidepreises am Brotpreis beträgt nur wenige Prozent".

    Wer die Grundschuljahre erfolgreich hinter sich gelassen hat, sollte selbstständig eigentlich zu nachstehendem Rechengang durchaus befähigt sein: Für 1 kg Brot benötigt man ca. 250 g Mehl, ein Kilo Mehl kostet beim Discounter ca. 0,35 Cent, demnach weniger als 10 Cent, die der Müller erhält, die Bauern selbst sind da noch niedriger angesiedelt, beim Brotpreis weit unter 1%, man lasse sich das auf der Zunge zergehen! Noch eklatanter gestaltet sich dieser Rechengang beim Brötchenpreis!

    Solange der Brot-/Brötchenpreis vollkommen entkoppelt von unseren Getreidepreisen ist - auch und im Besonderen dank vorstehender berufsständischer Einlassungen in der Sache - solange haben wir Bauern ein wirklich substanzielles Problem; und das auf sämtlichen Höfen.

    Ihre nach wie vor noch immer gemutmaßten 41,4 Mio. t entspringen weit eher unrealistischen Glaskugelträumereien. Bevor Sie vornehmlich mit Frau Holle kommunizieren, sollten Sie vielleicht den direkten Draht zu Ihren Mitgliedsbetrieben heiß glühen lassen. Die digitale Revolution 4.0 müsste dahingehend zeitnah endlich vielleicht auch in Ihren Häusern Einzug halten.

    Und bitte ziehen Sie als Rechenbasis nicht den Raiffeisen-Erntebarometer heran, die dortigen Einträge muss man wirklich äußerst kritisch hinterfragen. Wenn man da die nachweislich nutzbaren Feldkapazitäten im Verlaufe der Vegetation heranzieht, korrelierend mit den seitens des DWD veröffentlichten Wetterdaten, so kann man nur noch extrem verwundert den Kopf schütteln, woher diese durchgängigen Spitzenwerte zur Ernte generiert werden sollen.

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