Erste Bilanz

Katastrophale Ernte in Brandenburg


Ernte Brandenburg
Foto: jst
Ernte Brandenburg

Wenn kein Getreide wächst, wächst auch das Futter nicht. Nach derzeitigen Schätzungen betragen die Ernteverluste vor den Toren Berlins 40 bis 60 Prozent.

Eine katastrophale Ernte erwarten in diesem Jahr die Landwirte in Brandenburg. Zusammen haben der Deutsche Bauernverband (DBV) und der Bauernverband Brandenburg heute in Trebbin auf dem Feld das Ausmaß der Ernteschäden gezeigt. Wegen der anhaltenden Hitze ist der Rapsertrag bei der Agrargenossenschaft Trebbin um 65 Prozent niedriger als in einem Normaljahr. Gegenüber dem schwachen Vorjahr sind es 30 Prozent. „Die Ernte ist eine Katastrophe“, sagte Betriebsleiter Dr. Thomas Gäbert.

Das Schlimme sei, dass die Landwirte in der Region bereits in den beiden Vorjahren zu kämpfen hatten. „Im vergangenen Jahr waren es die Überschwemmungen im Juni und Juli und 2016 ebenfalls Nässe zur zur Ernte", sagt der Betriebsleiter am Feldrand in Trebbin. Er sieht große Schwierigkeiten auf den Betrieb zukommen mit der Düngung 2019. Denn die Düngebilanz basiert auf den Erträgen der vergangenen drei Jahre. Und die waren alle schwach ausgefallen. Demnach wird es schwer werden, Getreide 2019 mit ausreichend Protein zu erzeugen.

Nur 3 t/ha Gerste wurden im Schnitt in Brandenburg vom Acker geholt. Das sind zum Vorjahr 30 Prozent weniger. Bei Weizen und Triticale werden Einbußen von 35 bis 40 Prozent erwartet. Der landesweite Durchschnitt wird mit 3,6 t/ha angegeben, das wären 38 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Mit 290.000 t Raps wäre dies gegenüber dem schon schwachen Vorjahr nochmals eine Abnahme vom knapp 15 Prozent. Ferner gibt es neben den Mengenverlusten deutliche Qualitätseinbußen wie Schmachtkorn und geringe Hektolitergewichte. Der Handel komme derzeit den Landwirten entgegen. Es kommt nicht zu den hohen Abschlägen beim Schmachtkorn und Proteingehalt wie in den Vorjahren. Hier werden individuelle Vereinbarungen getroffen, sagte Henrik Wendorff, Bauernpräsident in Brandenburg. Nach einer ersten Hochrechnung könnte die Getreideernte in Brandenburg 1,65 Mio. t betragen. Im Vergleich zum überaus ertragsschwachen Vorjahr wegen der Überschwemmungen wäre dies eine weitere Abnahme von 15 Prozent. 

Besonders prekär ist die Situation für die Tierhalter. Bei den schwachen Getreide- und Gründlanderträgen sind sie auf Zukäufe angewiesen, was die finanzielle Situation nochmals verschärft. Der Mais ist nur kniehoch, die Pflanzen stehen unter enormen Hitzestress. Die Blätter sind zusammengerollt, nur selten ist eine Kolbenbildung bei den nur 30 bis 50 cm hohen Beständen erkennbar. Wenn es weiter nicht regnet, müssen die Pflanzen im August notgeerntet werden.

Sichtlich unwohl ist es dem Bauernpräsident, das Land um Hilfen für die Ernteausfälle zu bitten. „Ich schäme mich dafür“, sagte Wendorff. Denn er und seine Berufskollegen wollten es eigentlich alleine schaffen. Doch wegen der anhaltenden Trockenheit sei dies nicht möglich. Er forderte die Landesregierung auf, schnell und unkompliziert den betroffenen Betrieben zu helfen, was nicht der Fall sei, beklagt Wendorff. Bei existenzieller Bedrohung infolge von Wetterereignissen sind die Länder gefragt, ad Hoc-Hilfen wie Liquiditätshilfen als verlorene Zuschüsse zu gewähren. Nationale Hilfen von der Bundesregierung sind nach Einschätzung von DBV-Präsident Rukwied derzeit nicht in Sicht. Der Verband ruft weiterhin nach einer steuerlichen Risikoausgleichsrücklage, die seit vielen Jahren immer wieder am Bundesfinanzminister scheitert.

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  1. Wilhelm Hahn
    Erstellt 5. Juli 2018 22:41 | Permanent-Link

    Aus welchem Grund müßen eigentlich wir Bauern alleine das Risiko der Lebensmittelerzeugung, die wir ja für die gesammte Bevölkerung tun, alleine tragen?
    Auf die Wetterunbilden haben wir wohl keinen Einfluss!

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