Ernte 2019

Agravis hat gemischte Erwartungen


In einigen Teilen des Arbeitsgebietes der Agravis Raiffeisen AG sind die Drescher schon über die Gerstenfelder gefahren.
Foto: Agravis
In einigen Teilen des Arbeitsgebietes der Agravis Raiffeisen AG sind die Drescher schon über die Gerstenfelder gefahren.

Kurz vor dem Start des neuen Wirtschaftsjahres 2019/20 am 1. Juli schätzt die Agravis Raiffeisen AG in Münster und Hannover die Lage für ihr Arbeitsgebiet ein. Gut sieht es in Ostfriesland und Westfalen aus, während sich ein gemischtes Bild für Niedersachsen und den Osten ergibt.

Gute Aussichten in Ostfriesland

Nach guten Aussaatbedingungen im Herbst 2018 und bisher auch günstigen Wachstumsbedingungen erwarten Stefan Pielsticker, Geschäftsführer der Agravis Ems-Jade GmbH, und sein Team in Ostfriesland eine gute Ernte 2019: „Das Wintergetreide konnte auf den meisten Flächen gute und tiefe Wurzeln bilden und hatte dadurch bisher eine gute Wasserversorgung. Auf sandigen Böden leiden die Pflanzen allerdings unter Wassermangel.“ Bisher rechnet die Agravis in der Region mit guten Erträgen und Qualitäten. Die erste Wintergerste soll gegen Ende der Kalenderwoche 28 gedroschen werden, auf leichten Standorten vereinzelt auch schon früher. Den Start der Weizenernte erwartet die Agravis Ems-Jade GmbH gegen Ende Juli.

Durchwachsene Lage in Niedersachsen

Im Arbeitsgebiet der Agravis Niedersachsen-Süd GmbH (ANS) ist gerade die erste Gerste gedroschen worden. „Die Qualität ist für diesen frühen Termin generell in Ordnung, die Erträge sind aber noch nicht repräsentativ“, so Friedrich Niemeyer, Getreidehändler bei der ANS. Generell ergeben die Erwartungen der Ernte im Arbeitsgebiet der ANS ein heterogenes Bild:  Es reicht von Trockenheit und Hitze verbrannten Böden bis hin zu solchen, bei denen die Landwirte froh sind, dass die starken Niederschläge der vergangenen Wochen offenbar beendet sind. „Für belastbare und repräsentative Aussagen über Qualitäten und Quantitäten der kommenden Ernte ist es bei uns insgesamt noch zu früh – auch angesichts der noch unsicheren Wetterprognosen“, so Niemeyer.

Verhaltene Prognosen für Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen

Die Agravis-Tochter Baro Lagerhaus GmbH hat in allen vier Bundesländern ihres Arbeitsgebietes (Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg, Thüringen) bereits die erste Gerste erfasst. Die Qualitäten seien eher durchwachsen, sagt Wilhelm Winkelmann, Agrarhändler bei der Baro Lagerhaus GmbH. In Sachsen-Anhalt ist laut Winkelmann die Anbaufläche für Raps in diesem Jahr relativ gering und um die Hälfte niedriger als im langjährigen Mittel. „Der Raps steht mittelmäßig“, sagt der Baro-Experte. Anfang Juli rechnet er mit dem Erntebeginn. Insgesamt ist die Situation im Baro-Gebiet durch die extreme Hitze der vergangenen Tage geprägt. Eine so schlechte Ernte wie 2018 sei zwar nicht zu erwarten, aber die Durchschnittswerte früherer Jahre würden auch 2019 nicht erreicht, sagt Winkelmann.

Normaler Erntebeginn in Ostwestfalen

Die Reifung und Entwicklung der Getreidekulturen im Arbeitsgebiet der Agravis Kornhaus Ostwestfalen GmbH sind nach Angaben des Unternehmens durchschnittlich. Stefan Bobbert, aus dem Außendienst der Agravis Kornhaus Ostwestfalen GmbH erwartet daher einen für die Region üblichen Erntebeginn. „Die letzten Trocken- und Hitzetage beschleunigen die Abreife zwar etwas, dennoch wird der Termin für die Haupternte im Durchschnitt nicht vor dem 15. Juli liegen“, fügt Bobbert hinzu. Viel Regen im Kreis Höxter gab es ab Mitte Mai. Dazu kamen Schäden durch Hagel, je nach Region von 7 bis 45 Prozent. „Qualitätseinbußen sehen wir derzeit insgesamt aber nicht“, so Bobbert weiter. Auch im Hinblick auf das Ertragsvolumen erwartet die Agravis Kornhaus Ostwestfalen GmbH eine normale bis gute Ernte.

Sorgenkind Raps in Südwestfalen erwartet

Die Ernte-Prognose im Gebiet der Agravis Westfalen-Süd GmbH fällt überwiegend positiv aus. Im süd-östlichen Ruhrgebiet sowie im Sauer- und Siegerland steht die Ernte von Gerste bevor. Kurz vor dem Start der Erntehochsaison rechnet Frederik Fischer-Neuhoff, bei der Agravis Westfalen-Süd für den Handel mit Getreide verantwortlich, mit einem besseren Ergebnis als im Vorjahr. „Bei der Gerste gehen wir von 8 bis 8,5 Tonnen pro Hektar aus“, sagt er. Die letzten Niederschläge habe es gerade zeitlich passend kurz vor der Ernte gegeben. Bei Weizen rechnet der Getreide-Fachmann mit einer Ernte von 9 bis 9,5 t/ha. Zwar machen auch die anderen Sorten wie Roggen momentan einen guten Eindruck. Jedoch hofft Fischer-Neuhoff für die nächsten Tage auf Regen. Sorgenkind ist zurzeit der Raps. Schädlinge und Witterung trüben die Aussichten auf eine ertragreiche Ernte. In dieser Saison seien maximal 4 t/ha zu erwarten.

Themen:
Agravis Ernte

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats