Ernte in Niedersachsen

Weizenbestände reifen früh und schnell ab


Hier wird der Drusch noch ein paar Tage auf sich warten lassen
Foto: da
Hier wird der Drusch noch ein paar Tage auf sich warten lassen

Die abrupte Hitze in den vergangenen zehn Tagen hat den Getreidebeständen in Nord- und Ostdeutschland zugesetzt. Die bisherigen Ertragserwartungen bei Weizen dürften nicht mehr zu halten sein.

„Unser Wunsch ist, dass es regnet, sonst sieht es für den Mais und die Kartoffeln in Niedersachsen schlecht aus", sagte Karl Friedrich Meyer vom Landvolk Niedersachsen beim Vorerntegespräch in dieser Woche in Bohmte. Die Hitzewelle hat aber auch dem Getreide stark zugesetzt. Die Weizen- und Roggenbestände reifen frühzeitig ab. Damit sind die optimistischen Aussichten von vor 14 Tagen hinfällig. Die Pflanzenfarbe hat schnell von grün zu gelb gewechselt. Dort wo es regional wenig geregnet hat, sind die Bestände weiß. Extrem gefährdet ist der Weizen in Sachsen-Anhalt und Brandenburg.

Bundesweit hat der Drusch der Wintergerste begonnen. Regional ist die Gerste unterschiedlich abgereift. In Südniedersachsen sind nach Angaben von Alfred Reisewitz, Agravis, bis zu 30 Prozent geerntet, im Nordosten sind die Erntearbeiter schon weiter fortgeschritten. „Wir gehen von nicht so schlechten Erträgen bei der Gerste aus, aber es dürfte auch keine durchschnittliche Ernte werden. Die Erträge schwanken regional so wie die Niederschläge gefallen sind, zwischen 5 bis 8 t/ha.

Die Hektolitergewichte bei der Gerste liegen zwischen 54 und 69 kg und damit auf einem relativ hohen Niveau. Spitzenwerte bis 70 hl/kg sind in der Hildesheimer Börde zu verzeichnen, schwächere Werte gibt es in der Lüneburger Heide. Erfassungshändler melden zu Beginn der Gerstenerfassung einen gewissen Anteil von Schmachtkorn. Nach den hohen Temperaturen ist die Gerste sehr trocken mit 11 Prozent Feuchte vom Feld geholt worden.

Sorgen bereitet die anhaltende Trockenheit in Niedersachsen bei den Blattfrüchten Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln. Alle Kulturen haben eine hohe Blattmasse und damit eine große Verdunstungsfläche. Derzeit liegt die Verdunstungsrate bei 50 bis 60 ml/qm² am Tag. Niederschläge 30 bis 50 l/qm sind jetzt notwendig, damit die Erträge im Herbst nicht einbrechen. Gerade Mais ist für die Futterversorgung der Tierhalter notwendig. Der erste Grünfutterschnitt ist bundesweit gut ausgefallen, aber schon beim zweiten Schnitt hatte es einen deutlich geringeren Ertrag gegeben, weil das Wasser für einen Aufwuchs fehlt.

Die Roggenfläche ist um rund 22 Prozent gegenüber Vorjahr ausgedehnt worden. Ein Teil ist bereits als Ganzpflanzensilage ins Silo eingelagert worden, denn die Futtervorräte waren nach dem Dürrejahr im Frühjahr in vielen Betreiben aufgebraucht.

Völlig offen ist die Situation noch beim Weizen. Viele Bestände sind in der Abreife. Die Spitzen sind schon weiß. Landwirte erwarten, dass die Körner klein und schwer ausfallen werden und damit das Hektolitergewicht hoch ausfallen könnte. Die Proteinwerte sollten angesichts der hohen Nmin-Werte und der geringen Auswaschung trotz niedriger Düngermengen im Durchschnittsbereich liegen.

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