Ernte Sachsen

Bauernpräsident Vogel plädiert auf Notstand

Bauernpräsident Vogel erläutert dem sächsischen Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) die Getreidequalität.
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Bauernpräsident Vogel erläutert dem sächsischen Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) die Getreidequalität.

Nach wochenlangem Sonnenschein ist der Himmel zur Erntepressekonferenz in Arzberg in Nordsachsen bedeckt, doch von Regen keine Spur. Die Maisfelder sind unterentwickelt.

Seit Mai hat es im Raum Ostelbe nicht geregnet. Die Gerste und der Raps sind geerntet. Doch die Maisfelder sind unterentwickelt im Aufgang von wenigen Zentimeter bis einen Meter hoch. „Sachsen droht eine schlechte Druschfruchternte“, sagte heute Agrarminister Thomas Schmidt (CDU) in Arzberg. Aber noch dramatischer ist die Futterversorgung der Tiere. Der zweite und dritte Schnitt sind ausgefallen. Und wenn die Böden einmal trocken sind, dauert es lange, bis die Bodenfeuchte wiederhergestellt ist, so der Minister. Die Betriebe müssen mit Strohfütterung und Zukäufen Pläne erstellen, um die Tiere über den Winter zu bringen.

Nach einer schwachen Getreide- und Rapsernte sieht der Mais dramatisch aus. „Es wird keine Kolben geben“, sagt Wolfang Vogel, Bauernpräsident in Sachsen. Er hat auch schon die Folgen des Trockenjahres im Blick. Die Gefahr sei groß, dass der Maiszünsler auf den vertrockneten Felder sein Unwesen treibt. So eine Dürre wie 2018 hat der Betriebsleiter der Agrargenossenschaft Arzberg, Geert Brandner, ein Jahr vor seiner Rente, noch nicht erlebt. Die schwachen Erträge seien das eine, aber viel schlimmer sei die Not, Futter für die Tiere über den Winter beschaffen zu müssen. In einer kurzen Vegetationszeit seien die Bestände in vielen Teilen Sachsens zu schnell gewachsen und dann vertrocknet. Der Futterzukauf sei sehr teuer und von vielen Betrieben nicht zu leisten. Die Bankdarlehen seien ausgereizt. 

Bauernpräsident Vogel will in Sachsen wegen der Missernte durch die Trockenheit den Notstand ausrufen. Im Blick hat er die sächsische Richtlinie Krisen und Notstände. Wenn diese greift, erhalten betroffene Betriebe eine finanzielle  Entschädigung von 80 Prozent ihrer Ausfälle durch den Freistaat. Diese Zuschüsse müssen nicht zurückgebezahlt werden. In Arzberg fordert ein aufgebrachter Bauernpräsident den Minister auf,  die Landesämter anzuweisen, Vorbereitungen zu treffen, um nach der Ernte sofort die Ertragsausfälle auf den Betrieben aufzunehmen. Nach der Richtlinie bekommen Betriebe die Entschädigung, wenn die Ertragsausfälle mehr als 30 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre betragen.

Vogel will aber auch Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern dazu bringen, zu agieren. Nur wenn in drei Bundesländern der Notstand gilt, wird die nationale Katastrophe ausgerufen. In diesem Fall würden die betroffenen Länder eine Kofinanzierung vom Bund erhalten, die sie für den Notstand oder für weitere Hilfsprogramme verwenden können. 2017 haben drei südliche Bundesländer wegen der Frostschäden im Obstbau den Notstand ausgerufen. Hier ist der Bund finanziell eingesprungen. 

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  1. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 7. Juli 2018 21:13 | Permanent-Link

    Noch vor wenigen Wochen, einigen Tagen, prognostizierte man eine gute bis durchschnittliche Ernte, gerade der DRV war hier seherisch überaus befähigt. - Und nun dieser Paukenschlag! Dieses Jammergestammele, nachdem die Erzeugerpreise systematisch ruiniert sind und sich nur äußerst zögerlich - wenn überhaupt - nach oben hangeln!?

    Es gibt nichts und dieses Nichts kostet pervers wenig! Angeblich existiert sogar noch ein Erntedruck, man lasse sich das auf der Zunge zergehen. Wie oft mutmaßte man das Überlagern alterntiger Bestände; noch im Mai von unseren Aufkäufern unisono zu vernehmen. Jetzt ist es also soweit, sämtliche Papierprognosen von COCA/COGECA müssen auf den Tisch und einer Überprüfung auf deren Wahrheitsgehalt standhalten!? MARS machte auch in die vollkommen falsche Richtung zunächst mobil.

    Dieses unselige Hü-Hott kann realiter kaum mehr übertünchen, wie viele Bauern mit betriebswirtschaftlich katastrophalen Konsequenzen rechnen müssen. - Systematisch ruiniert gerade und im Besonderen in maßgeblicher Mitverantwortung stehend von einer zumeist sorglos ignoranten, narzisstischen berufsständischen Vertretung, die solch adelnder Worte eigentlich zu keinem Zeitpunkt jemals gerecht wird.

    In seiner Wiesbadener Erklärung faselte Bauernpräsident Rukwied von einem gestählten Korpsgeist innerhalb der eigenen Reihen. Ja - diese Selbstbeweihräucherung, die beherrscht Ihr Verband vortrefflichst. Die Bauern in Vielzahl wollen von diesem absolut leeren Stroh, das immer wieder gedroschen wird, nichts mehr wissen. Merken Sie eigentlich nicht, dass sich der Bauernstand immer weiter von Ihnen und Ihresgleichen distanziert?

    Rufen Sie doch vielleicht mal kurz die aktuellen Matif-Kurse vom gestrigen Tage auf, Raps und Weizen fallend; und das nicht aus utopischen Sphären sondern aus einem zu gegebenem Anlass ohnedies schon desaströs niedrigen Niveau.

    Zum Erntedruck: Die Mähdrescher sind 3-4 Wochen früher auf dem Feld, noch nie so früh, zumindest aus der Erinnerung der letzten 60 Jahre so entsprechend abrufbar. Sogar im Katastrophenjahr 1976 begann der Drusch zu einem doch späteren Zeitpunkt. „Was nun?“, hochverehrte Herren Rukwied, Vogel und wie sie alle heißen mögen? Sehr viele Bauern müssen jetzt zu jedem Preis verkaufen, da sie mit dem Rücken zur Wand stehen und ihr schlachtet diesen Umstand auch noch aus!? - Pfui, schämen Sie sich!!! Wie lässt sich ein nationaler Notstand mit den aktuellen Erzeugerpreisen vereinbaren!?

    Eruieren Sie doch bitte, wie viele Berufskollegen sich schon jetzt dazu hinreißen lassen, nach der Ernte für immer die eigenen Scheunentore zu schließen. Chapeau, tosender Applaus an dieser Stelle! - Nicht mehr weiterwachsen, IHR WEICHT!!!

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