Erntebilanz 2018

Markt muss Mangel verwalten

Die Trockenheit hat Erzeugern vielerorts einen Strich durch die Rechnung gemacht.
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Die Trockenheit hat Erzeugern vielerorts einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Die Zahlen aus dem Bundesagrarministerium zur Getreideernte liegen zwar über denen des Bauernverbandes. Aber als Fazit bleibt: Das deutsche Angebot ist knapp und Importe sind auch nicht leicht zu finden.

Zwei Tage nachdem die Bundesregierung die Dürre und ihre Folgen zur nationalen Katastrophe erklärt haben, legt das Bundesagrarministerium am Freitag seinen ausführlichen Erntebericht mit dem vorläufigen Druschergebnis 2018 vor. Die deutsche Getreideernte ohne Körnermais hat demnach 34,5 Mio. t erreicht. Gegenüber dem Vorjahr beträgt der Rückgang 15,8 Prozent, im Vergleich zum dreijährigen Durchschnitt (2015 bis 2017) 18,6 Prozent.  

Erste offizielle Zahlen zur Körnermaisernte gibt es derzeit noch nicht. Der Deutsche Bauernverband, der am Mittwoch seine finale Erntebilanz vorgelegt hat, beziffert die diesjährige Getreideernte inklusive Körnermais auf 35,6 Mio. t. Der DBV schätzt die Körnermaisernte auf 2,3 Mio. t; folglich beträgt seine Erntebilanz exklusive Mais 33,3 Mio. t. Sie fällt somit pessimistischer aus als die offiziellen Zahlen. Dagegen liegt das BMEL mit seinen Prognosen in etwa auf Wellenlänge mit dem Deutschen Raiffeisenverband (DRV). Der DRV hatte die Getreideproduktion zuletzt auf 34 Mio. t ohne Körnermais geschätzt.

Erhebliche Importe

Die im DRV organisierten, genossenschaftlichen Getreidehändler betrachten es als Herausforderung, „die knappe Versorgungslage in Deutschland bestmöglich zu managen“, wie der DRV am Freitag mitteilte. Bei einem geschätzten Verbrauch von 43 bis 44 Mio. t Getreide hierzulande müssten „erhebliche Mengen“  importiert werden. „Deutschland wird damit zum ersten Mal seit 1986 zum Netto-Getreideimporteur“, stellt der DRV dazu fest. Das sei insofern herausfordernd, als auch in der EU insgesamt die Getreideernte kleiner ausfalle und „teilweise erhebliche Ernteausfälle in wichtigen Anbau- und Exportregionen wie der Ukraine und Russland“ zu erwarten stünden.

Der wichtigste Einflussfaktor für den nationalen Markt wird nach Ansicht des DRV der Getreidebedarf bei der Tierfütterung sein. Als Folge der Trockenheit leiden zahlreiche viehhaltende Betriebe an einem erheblichen Mangel an Grundfutter, das durch Kraftfutter ersetzt werden muss. „Daher wird der Ausgang der Körnermaisernte in Europa und den USA von entscheidender Bedeutung sein“, so der DRV weiter.

Schwacher Sojakomplex wirft Schatten voraus

Die  Rapsernte 2018 beziffert das BMEL mit 3,6 Mio. t. Das sei weit entfernt von einer „Normalernte von 4,5 Mio. t plus“. Das Vorjahresniveau wird somit um 14,5 Prozent unterschritten und das dreijährige Mittel um 21 Prozent. Der DBV hatte die Rapsernte Mitte der Woche auf 3,3 Mio. t geschätzt; der DRV geht von 3,5 Mio. t Raps aus. In Folge der kleinen Rapsernten in Deutschland und der EU hatten sich die Preise für Raps zuletzt aus ihrem langen Tief befreit. Doch Marktkenner mahnen vor zu viel Euphorie: „Die Schwäche der Kurse im Sojakomplex wird früher oder später auch den Rapsmarkt einholen“, sagt etwa Jörg-Simon Immerz, Leiter Agrarerzeugnisse bei der Baywa. Für Soja rechnet das US-Agrarministerium 2018/19 mit einem Rekordangebot weltweit.

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