Erntefahrt Niedersachsen

Preise haben Luft nach oben

Mengen, Qualitäten und Preise sind die beherrschenden Themen auf der Erntefahrt rund um Hildesheim.
Foto: da
Mengen, Qualitäten und Preise sind die beherrschenden Themen auf der Erntefahrt rund um Hildesheim.

Niedersachsen erntet weniger Gerste und Weizen. Die Mühlen wollen Bedarf in der Region decken. Tierhalter müssen sich auf höhere Mischfutterpreise einstellen.

Niedersachsens Landwirte erwarten wegen der wochenlangen Trockenheit um bis zu 20 Prozent geringere Erträge. Die Wintergerste ist aktuell zu einem Drittel gegenüber der Vorjahresmenge schon eingefahren. Angesichts der Ertragseinbußen könnte aber auch schon die Hälfte der Flächen geerntet sein. Das ist in anderen Regionen bereits Tatsache: Betriebe, die sonst 10 t/ha Gerste ernten, holten in Brandenburg und in Teilen Norddeutschlands 4 t/ha vom Acker.

Das Landvolk Niedersachsen veranstaltet seine Erntefahrt rund um Hildesheim. Dort schwanken die Bestände je nach Niederschlagsmenge stark. Besonders von der Trockenheit betroffen sind die nördlichen und östlichen Landesteile. Dabei hatte es im Herbst 2017 zu viel geregnet und viele Flächen konnten gar nicht bestellt werden, erklärt Karl-Friedrich Meyer vom Landvolk Niedersachsen. Die guten Bestände im Raum Hildesheim sind nicht repräsentativ. 

Die aktuellen Ernteschätzungn für Niedersachen liegen bei 350.000 t Weizen, das wären rund 63.000 t weniger als im Jahr 2017. Nicht nur der Ertragsrückgang, sondern auch die fehlenden Herbstflächen machen sich bemerkbar. Die Roggenernte dürfte nach Angaben des Landvolks um 9.000 t auf 110.000 t sinken. Bei Wintergerste dürfte es einen Rückgang um 15.000 t auf 129.000 t Gerste geben.

Erträge könnten unter 5 Mio. t sinken

Insgesamt erwartet Meyer, dass in Niedersachsen 1 Mio. t Getreide weniger als 2017 - mit einer Gesamterntemenge von 6 Mio. t - geerntet werden. Doch will Meyer nicht ausschließen, dass die Erträge wegen der anhaltenden Trockenheit noch weiter sinken und man unter 5 Mio. t Getreide kommt. "Regen bringt zumindest im Getreide nichts mehr, dafür wird er für Zuckerrüben, Mais und Kartoffeln herbeigesehnt", sagte Meyer. Er wünscht sich Sonne für die Ernte, um Qualitätseinbußen zu verhindern.

Mühlen sprechen nicht von Knappheit

Die Mühle Rüningen will sich vorwiegend mit regionalem Getreide eindecken, sagte Olaf Jäger beim Erntegespräch in Hildesheim. Der Mühleneinkäufer ist zuversichtlich, dass auch in diesem Extremjahr genug Ware vorhanden ist. Von den höheren Getreidepreisen ist die Mühle nicht direkt betroffen, da alle Mehlaufträge sofort mit Ware gedeckt würden. Doch bei den Neugeschäften glaubt Jäger, dass die Mehlpreise steigen und die Verbraucher mehr bezahlen müssen.

Landwirte schließen Mischfutterkontrakte

Die Verkaufszurückhaltung in der Landwirtschaft ist groß. Einige Landwirte befürchten, sie werden die abgeschlossenen Kontrakte nicht bedienen können. Und auch Tierhalter sind in Sorge vor hohen Preisen.  „Torschlusspanik ist nicht angebracht. Erst soll man die Mengen und die Ware in der Hand halten", beschwichtigt Jens Hottendorf, Landhandel Rudolf Peters, als Vertreter des Bundesverbandes der Agrargewerblichen Wirtschaft (BVA) die Käufer von Futtergetreide und Mischfutter. Allerdings hätten Landwirte in den Vorwochen schon Mischfutterkontrakte geschlossen, weil sie den Preisanstieg hätten kommen sehen.

 „Jetzt heißt es abzuwarten, wie die Ernte betriebsindividuell läuft und dann sollte man den Markt verfolgen. Wir haben einen Verkäufermarkt“, ergänzt Alfred Reisewitz von Agravis. Für die Gerste zahlt der Handel in Niedersachsen derzeit zwischen 150 und 160 €/t. Die Höhe ändere sich ständig. Auch in den kommenden Wochen bleibe das Preisniveau für Getreide in Deutschland stabil und hoch. Es gibt noch Potenzial nach oben, war die einhellige Meinung beim Erntegespräch des Niedersächsischen Landvolks.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats