Getreidequalitäten

Polnische Landwirte beklagen Abschläge

In Polen sind häufiger die Fallzahlen zu niedrig. Auch Weizen mit bis zu 16 Prozent Protein will kaum jemand haben. Zu den Dürreschäden liegt eine neue Schätzung vor.

Der Nationale Verband der Getreideproduzenten (KFPZ) appelliert an die Erfassungsunternehmen, nicht so starke Qualitätsabschläge vorzunehmen. Das Internetportal Farmer.pl berichtet, dass zunehmend Landwirte über hohe Abzüge berichten, vor allem, wenn sie Kontrakte beliefern müssen.

Am schlimmsten soll Braugerste betroffen sein. Nach KFPZ-Angaben ist kaum eine Partie mit weniger als 12 Prozent Protein geerntet worden. Weizen erreiche bis zu 16 Prozent, heißt es beim Verband weiter. Die Hektolitergewichte seien dagegen häufiger schwach. Außerdem gibt es Fallzahlprobleme in einigen Weizenpartien. Das Gleiche gilt nach KFPZ-Angaben für Triticale und Roggen. In weiten Teilen Polens hatten heftige Regenfälle in der zweiten Julihälfte den Drusch unterbrochen und im überreifen Korn zu Auswuchs geführt.

Triticale zeigt in Polen häufiger Auswuchs.
Foto: Rafał Mladanowicz/KFPZ
Triticale zeigt in Polen häufiger Auswuchs.

Hohe Nachfrage aus Deutschland und Skandinavien

Die Qualitätsabweichungen bestätigt auch die Wirtschaftskammer für Brot- und Futterweizen in Warschau. Es gebe viele Anzeichen dafür, dass der Anteil von Brotweizen 2018 niedriger sein wird als im Durchschnitt der vergangenen Jahre, so die Kammer. Deswegen komme es zu einer deutlichen Preisdifferenzierung. Die höchsten Preise würden Exporteure zahlen, die Nachfrage vor allem aus Deutschland und den skandinavischen Ländern bedienen. Die großen Abweichungen bestätigt auch der Verband der Getreideproduzenten. Je nach Region und Käufer nennt der KFZP beispielsweise in dieser Woche Brotweizenpreise in einer extrem weiten Spanne von 165 bis 205 €/t.

Zweifel an der offiziellen Ernteschätzung

Der Verband der Getreideproduzenten bezweifelt allerdings auch die Ernteschätzung des Statistikamtes in Warschau, das Ende Juli von einer unterdurchschnittlichen, aber nicht katastrophal niedrigen Getreideernte berichtet hat.

Die amtliche Zahl von 24 Mio. t Getreide ohne Mais sei viel zu hoch gegriffen, glaubt KFPZ-Präsident Rafał Mladanowicz. Er rechne eher mit 21 Mio. t, sagte er in einem Interview mit Farmer.pl. Er geht davon aus, dass es in Polen größere Totalausfälle gibt. „Auf einigen Äckern gab es nichts zu ernten“, verdeutlichte der KFPZ-Präsident. In den von extremer Trockenheit betroffenen Regionen seien die Ähren leer gewesen. Außerdem liegen die Erträge nach seiner Beurteilung generell niedriger als vom Statistikamt unterstellt. „Der höchste registrierte Ertrag, von dem ich hörte, war sieben Tonnen Weizen pro Hektar – und das auf einem Betrieb, der im mehrjährigen Durchschnitt neun Tonnen erntet“, sagte Mladanowicz im Interview.

Dürreschäden auf 2,3 Mio. ha

Zu den Dürreschäden in der polnischen Landwirtschaft hat das Agrarministerium in Warschau in dieser Woche neue Zahlen veröffentlicht. Nach den bisher vorliegenden Meldungen aus den Regionen errechnet das Ministerium Schäden von zusammen gut 1,2 Mrd. Zloty – umgerechnet etwa 285 Mio. €. Die Zahl kann sich weiter erhöhen, weil noch nicht in allen Gemeinden die Verlustbewertung abgeschlossen ist. Bisher sind in rund 135.000 Betrieben Schäden auf insgesamt 2,3 Mio. ha festgestellt worden. Auf 223.000 ha sollen die Ausfälle größer als 70 Prozent sein. Am stärksten betroffen sind die Region um Posen und Stettin sowie Ermland-Masuren. Geringe Einbußen melden Landwirte im Südwesten und Süden.

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