Trockenheit

Ernte in großer Gefahr


Die neue Ernte wird von drohenden Qualitäts- und Mengeneinbußen überschattet.
Foto: da
Die neue Ernte wird von drohenden Qualitäts- und Mengeneinbußen überschattet.

Ernteausfälle in Höhe von 50 bis 60 Prozent soll es in den nördlichen Landesteilen der Ost-Länder sowie im Norden Deutschlands geben. Die erste Gerste wird gedroschen. Die Börsen schalten nach den Wasde-Gewinnen vom Vortag in den Rückwärtsgang.

Die Auswirkungen der Trockenheit werden immer schlimmer. In Brandenburg, aber auch in Schleswig-Holstein häckseln Landwirte die Gerste und verarbeiten sie zu Ganzpflanzensilage als Futter. Andere mähen nur die oberen Ährenteile, um wenigstens einen Teil der notreifen Körner zu retten. In Niedersachsen berichten Marktteilnehmer auf den Feldtagen in Bernburg über den ersten Gerstendrusch. Mit 3,2 bis 4,6 t/ha ist der Ertrag eher mager. Unwetter haben in Süddeutschland regional in Franken und in Baden-Württemberg Schäden in den Beständen angerichtet. Insgesamt aber ist der Süden ausreichend mit Regenwasser versorgt und rechnet mit einer guten Ernte.  

Markttendenz
Die Verunsicherung an den Märkten dauert an. Abgeber verhalten sich gerade in den witterungsgeschädigten Regionen abwartend, da sie nicht mehr Vorkontrakte eingehen wollen, als sie am Ende bedienen können. Und Käufer taktieren in überhitzten Märkten vorsichtig.
Die Erfassungshändler in Norddeutschland und im Nordosten befürchten schwache Naturalerträge bei Gerste und Weizen. In vielen Landesteilen hat es im Mai fast gar nicht geregnet. Zudem war die Vegetationszeit von Ende März bis Juni viel zu kurz, zu trocken und zu heiß. Gerste mit einem Naturalgewicht von 50 hl/kg können auch Mischer nicht mehr verarbeiten. Ähnliches gilt für Weizen, bei dem viel Schmachtkorn und ebenfalls niedrige Naturalgewichte erwartet werden.

Betriebe in den Regionen Wittenberg, nördlicher Salzlandkreis und Altmark sowie Jeriochwer Land in  Sachsen-Anhalt rechnen nach wochenlanger Trockenheit mit großen Ertragsausfällen von 50 bis 60 Prozent. Auch in Nordsachsen befürchtet Bauernpräsident Wolfgang Vogel Ernteausfälle, noch schlimmer als im Dürrejahr 2003, wie er auf dem Getreidehandelstag auf Burg Warberg am Dienstag sagte. anderen Ost-Ländern sowie in Norddeutschland werden schon jetzt 20 Prozent als Ertragsausfall einkalkuliert. Die finanzielle Situation ist aufgrund der schwachen Vorjahre angespannt. Nach den Worten von Vogel haben Agrarpolitker der Bundestagsfraktion von CDU/CSU in dieser Woche vor der Gefahr großer Ernteausfälle gewarnt und finanzielle Unterstützung für betroffene Betriebe  gefordert.

Wasde-Euphorie lässt nach

Unterdessen stehen der Weizen- und Rapshandel steht heute unter dem Eindruck der am Dienstagabend veröffentlichten Schätzung des US-Landwirtschaftsministeriums USDA im Wasde-Report zu Beständen und Produktion von Weizen, Soja und Mais für 2018/19. Ein Abbau der Weizenvorräte auf 266,2 Mio. t weltweit 2018/19 bringt die Weizenkurse für Juli in Paris nicht aus der Fassung. Mit 182,50 €/t notiert der Juli-Weizen 0,75 €/t niedriger zur Mittagsstunde als am Dienstag. Im Tagesverlauf am Mittwoch gaben die Kurse weiter nach. Auch in Chicago ist von der Euphorie, dass nun mehr Weizen in den Futtertrog wandern könnte, weil das USDA auch die Maisbestände niedriger schätzt, nicht mehr viel zu spüren. Der Frontmonat Juli an der CBoT fällt bis zum späten Nachmittag auf 522,50 US-Cent/bushel.

Der Rapsmarkt tendiert uneinheitlich. Zu unsicher ist der Ausgang des Handelsstreits zwischen China und den USA. Am Freitag sollten die Zölle von China in Kraft treten, gibt es vorher keine Einigung. Die Rapsernte in Deutschland könnte durch die zu erwartenden Ausfälle im Nordosten nochmals kleiner ausfallen. An der Euronext gibt der Erntemonat August am Mittwoch bis zum späten Nachmittag um 1 €/t auf 350,25 €/t nach.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats