Die schwache deutsche Getreideernte drückt das EU-Niveau kräftig nach unten. Wetterextreme plagen auch den Nordosten Europas. In Südeuropa gedeihen dagegen Mais und Sonnenblumen.

Weiter nach unten haben am Montag die Agrarexperten des EU-Prognosedienstes MARS die Getreideerträge in der EU geschätzt. Ins Gewicht fallen die schwachen Ergebnisse im Norden und in der Mitte Europas. Besonders groß sind die Einbußen in den wichtigen Erzeugungsländern Deutschland und Polen. Dagegen berichtet MARS im Juli-Report, dass in Spanien eine „exzellente“ Ernte heranwächst. Die Ertragsaussichten in Frankreich beurteilen die EU-Experten wie bereits im Juni als „mittelmäßig“. Bei Weichweizen bleiben sie bei einer Ertragsschätzung von 7,3 t/ha, was auf eine französische Ernte von mehr als 36 Mio. t hinauslaufen würde.

EU-Ertrag von Raps im Keller

Im EU-Durchschnitt prognostiziert MARS allerdings weiter abgesenkte Getreideerträge. Für Weichweizen sollen es 2018 nur 5,6 t/ha sein – 3,6 Prozent weniger als im Juni geschätzt und 2,6 Prozent weniger als im Fünfjahresdurchschnitt. Extrem schwach schneidet in diesem Jahr Raps mit einem mittleren EU-Ertrag von 2,9 t/ha ab. Das sind noch einmal 5,2 Prozent weniger als im Juni geschätzt und 12 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt.

Im Gegenzug setzt MARS die Ertragsaussichten für Körnermais, Sonnenblumen und Sojabohnen nach oben. Reichliche Niederschläge und günstige Wachstumsbedingungen in Südfrankreich, Ungarn, Rumänien und Bulgarien während der Wachstumszeit tragen dazu bei, dass 2018 der Durchschnittsertrag in der EU sogar überdurchschnittlich ausfallen könnte. Für Zuckerüben sind die Aussichten gemischt. Schwächer sind die Ertragsaussichten in Deutschland, den Niederlanden und im Vereinigten Königreich. Höhere Erträge erwartet MARS in Frankreich.

Die Karte zeigt das Extremwetter: besonders heikel ist die Situation in den rot gepunkteten Gebieten, in denen MARS Dürre konstatiert.
Karte: MARS
Die Karte zeigt das Extremwetter: besonders heikel ist die Situation in den rot gepunkteten Gebieten, in denen MARS Dürre konstatiert.

Aussichten in Deutschland als „kritisch“ eingeschätzt

Beim Blick in die einzelnen Länder beurteilt der MARS-Report die Aussichten in Deutschland als „kritisch“. Trockenheit und Hitze, die in mehreren Regionen seit Mai anhalten, würden die Erträge bei den Winter- und Sommerkulturen schmälern. Besonders betroffen sind der Norden und Osten sowie im Westen Gebiete entlang der Grenze zu den Niederlanden. Im Norden und Osten Deutschlands seien bei Wintergetreide bisweilen „Totalausfälle“ zu beklagen, bilanzieren die Experten. Als positive Ausnahme nennt der Bericht Bayern, wo es in einigen Gebieten Niederschläge auf Niveau des langjährigen Durchschnitts gegeben hat. Obwohl die Aussichten für die Südwesthälfte Deutschlands gar nicht so schlecht seien, kann die Produktion dort nicht die Ernteausfälle im Nordosten und Westen kompensieren.

Hitze plagt auch England und Irland

Zu leiden haben auch die Landwirte in England und Irland. Sie erleben den trockensten und heißesten Sommer seit mehr als 40 Jahren. Die mangelnde Bodenfeuchte habe die Ertragsbildung bei Wintergetreide negativ beeinträchtigt, heißt es dazu im MARS-Report. Im Südosten des Vereinigten Königreichs hat der Drusch von Wintergerste und Raps Anfang Juli begonnen und damit zwei Wochen eher als üblich. Die bisherigen Ertragsergebnisse fielen bei Wintergerste gemischt aus, während Raps Erträge mehr oder minder auf dem Niveau des Fünfjahres-Durchschnitts liefere.

In Teilen von Österreich und Tschechien ist es laut MARS-Report ebenfalls zuletzt zu heiß und zu trocken gewesen. Dort trüben sich die Aussichten für die Weizenerträge massiv ein. Im Süden Österreichs unterbricht zudem Regen häufiger den Drusch. Den Sommergetreidebeständen setzt der geringe Feuchtigkeitsgehalt im Boden zu. Deshalb sinken die Ertragserwartungen in Österreich und Tschechien.

Ertragsabfall in den Kornkammern am Schwarzen Meer

In Südrussland zeichnet sich ab, dass die hohen Erträge des Vorjahres nicht zu erreichen sind. Zwar erwarten die Experten noch „nahezu durchschnittliche Erträge“ bei Winterweizen, doch bei Sommergetreide sei angesichts des zunehmenden Wasserdefizits mit deutlicheren Ertragsverlusten zu rechnen. Für die Ukraine gehen die Experten in den südöstlichen Regionen von geringeren Weichweizenerträgen und Sommergerstenerträgen unter dem Fünfjahres-Schnitt aus.

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