MARS-Spezialbericht

Grünland in Nordeuropa erscheint in rot


Der EU-Prognosedienst hat den Zustand des europäischen Grünlands analysiert. Futterknappheit ist in zahlreichen Regionen absehbar.

Der EU-Prognosedienst MARS, der üblicherweise Ertragsprognosen für Ackerkulturen verfasst, hat im Auftrag der EU-Kommission einen Überblick über den Zustand der Futterflächen in Europa erstellt. Die MARS-Fachleute wollen aufzeigen, ob und wo die Schäden im Grünland außergewöhnlich hoch sind. Dazu ziehen die Agrarmeteorologen Indikatoren für die Biomasseproduktion heran, mit denen sich Abweichungen von mehrjährigen Mittelwerten verdeutlichen lassen (siehe Kasten am Ende des Artikels).

Die rot eingefärbten Flächen zeigen die europäischen Regionen, in denen bis Ende Juli das Wachstum von Grünland am stärksten beeinträchtigt war. In Deutschland verzeichnen Weser-Ems, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt Negativrekorde.
Karte: MARS
Die rot eingefärbten Flächen zeigen die europäischen Regionen, in denen bis Ende Juli das Wachstum von Grünland am stärksten beeinträchtigt war. In Deutschland verzeichnen Weser-Ems, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt Negativrekorde.

Eine außergewöhnlich niedrige Biomasseproduktion registrieren die MARS-Experten 2018 in weiten Teilen Nordeuropas. Als besonders betroffen nennen sie Norddeutschland, die Benelux-Länder, Dänemark, Südschweden, das Vereinigte Königreich und Irland. In Norddeutschland wiederum weisen die Weser-Ems-Region, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt die schwächsten Grünlandbestände auf.

Manche erinnert dieses Jahr an 2003, andere an 2008

Auf Basis der langjährigen Daten haben die MARS-Fachleute im Zeitraum seit 1999 außerdem Jahre ermittelt, in denen es ähnlich große Einbußen im Grünland gab. Zwei Ergebnisse sind bemerkenswert. Erstens: In denen am meisten betroffenen Regionen war es in keinem Jahr so schlimm wie 2018. Zweitens: Die Jahre, in denen es zuletzt extrem trocken war, sind für die Regionen sehr unterschiedlich. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern passt am ehesten das Vergleichsjahr 2003 mit extremer Trockenheit. In der Weser-Ems-Region und in den Benelux-Ländern wiederum war es 2006 und 2010 ähnlich trocken, wenngleich nicht so extrem wie 2018. Die Dänen hingegen erinnert das Trockenjahr 2018 an die Situation 2008.
Indikatoren für Grünland
Ein wichtiger Indikator für die Beurteilung von Grünland ist der „pasture productivity index“ (PPI). Er zeigt die Abweichung der Biomasseproduktion von regional üblichen Werten an. Die MARS-Fachleute haben dazu den Biomassezuwachs im Zeitraum Mai bis Juli 2018 mit dem Mittelwert der Jahre 1999 bis 2017 (long term average – LTA) verglichen. Abweichungen von plus/minus 0,5 entsprechen der üblichen Streuung. Minuswerte zwischen 0,5 und 1,5 zeigen unterdurchschnittlichen Zuwachs an. Bei Minuswerten von unter 1,5 handelt es sich um extreme Abweichungen, die in der Landkarte als rote Flächen eingezeichnet sind. Die Indexwerte bilden allerdings die Ertragsverluste nicht 1:1 ab. Es handelt sich um qualitative Indikatoren.

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