Trockenschäden

Polens Rapsernte vor dem Start


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Bereits Ende Juni sollen die ersten Mähdrescher in den Raps fahren. Getreide könnte ab dem 5. Juli folgen. Doch die Ernteerwartungen in Polen sind niedrig. Landwirte hoffen auf Dürrehilfen.

Die Rapsernte wird in Polen früher als üblich starten. Die Bestände sind fast reif, und die Landwirte wollen so früh wie möglich dreschen, weil langfristige Wetterprognosen eine Regenperiode in der zweiten Julidekade vorhersagen. Doch die Rapserträge sind wohl mau, vor allem in den Hauptanbaugebieten im Norden Polens. Nässe im Herbst, ein milder Winter, ein später Kälteeinbruch im Frühjahr und dann ab April der abrupte Wechsel zu Hitze und Trockenheit haben dem Raps zugesetzt. Deswegen sind wohl auch etliche Bestände umgebrochen worden.

Bei der Vorerntebesprechung am Dienstag im Warschauer Landwirtschaftsministerium hat der polnische Ölsaatenverband eine erste Ernteprognose abgegeben. Nur 2,0 Mio. t statt wie im Vorjahr 2,8 Mio. t könnten es werden. Nationale Branchenprognosen sind allerdings traditionell besonders pessimistisch. Zum Vergleich: Mitte Juni hat der europäische Handelsverband Coceral eine polnische Rapsernte von 2,3 Mio. t geschätzt. Oil World in Hamburg ging Ende voriger Woche von 2,2 Mio. t aus.

Sommergetreide mit besonders hohen Einbußen

Auch die polnische Getreideernte wird in diesem Jahr niedriger ausfallen als im vergangenen Jahr, als 31,9 Mio. t (einschließlich Mais) gedroschen wurden. Das agrarökonomische Institut in Warschau schätzt, dass die diesjährige Ernte 28,5 Mio. t erreichen könnte. Der nationale Verband der Getreideerzeuger hat noch keine eigene Erntezahl veröffentlicht, aber Aussagen zu Trends vorgelegt. Der Branchenverband geht davon aus, dass die Ernte von Wintergetreide um 10 Prozent und die von Sommergetreide um etwa 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgehen wird.

Dürrehilfen reichen nicht für alle Ausfälle

Vehement gefordert werden in Polen Dürrehilfen. Doch Jacek Bogucki, Staatssekretär im Agrarministerium, dämpfte bei der Vorerntebesprechung am Dienstag zu hohe Erwartungen. Er rechnet zwar mit Verlusten in einer „noch nie dagewesenen Größenordnung“, die der Staatshaushalt aber nicht vollständig ausgleichen könnte. Deshalb müssten, so Bogucki, die Hilfen dorthin geleitet werden, wo sich die Landwirte in der schwierigsten Situation befinden. Ein Modell besteht offenbar darin, dass Erzeuger, die bereits im Vorjahr hohe Verluste erlitten hatten, in diesem Jahr bevorzugt werden sollen. Das käme besonders Obstbauern zugute, denen 2017 Spätfröste zur Blüte bereits die Ernte vernichtet hatten.

Um Dürrehilfen 2018 auszahlen zu können, muss aber erst einmal Gemeinde für Gemeinde das Ausmaß der Trockenschäden feststellen. Um das Verfahren zu beschleunigen, fordert der Nationalrat der Landwirtschaftskammern, landesweit eine „Naturkatastrophe" zu erklären. Dann könnten Landwirte schneller an Beihilfen kommen.

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Polen Dürrehilfe

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