Vorerntegespräch

Durchwachsene Aussichten in Südwest

Erntereife Rapsschote
-- , Foto: Verena N./pixelio.de
Erntereife Rapsschote

Weizen kann regional überdurchschnittliche Erträge liefern, Raps neigt zur Schwäche und der Braugerste hat Starkregen zugesetzt. Dabei sind Markteinschätzungen so schwierig wie selten.

Landwirte in Württemberg gehen insgesamt von einer durchschnittlichen Ernte 2018 mit deutlichen regionalen Unterschieden und einer großen Bandbreite an Qualitäten aus. Das war der Tenor beim gemeinsamen Vorernte-Pressegespräch von Baywa AG und dem Erzeugerausschuss für Qualitätsgetreide und Raps in Freiberg am Neckar am heutigen Donnerstag.

Ausreichend Sonne für erfolgreiche Proteinbildung nötig

Während die regionalen Erzeuger bei Raps mit höchstens zufriedenstellenden Erträgen rechnen, erwarten sie bei Weizen in den feuchteren Landesteilen eine Ernte über dem Durchschnitt. Jürgen Rüdt, Vorsitzender des Erzeugerausschusses, dazu: „Für die erforderliche Proteineinlagerung beim Weizen brauchen wir in den nächsten Tagen ausreichend Sonne bei Tagestemperaturen bis maximal 25 Grad und an den Wasserbedarf angepasste Niederschlagsmengen.“

Der Rapsanbau hat indes in Württemberg in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren. Nach dem Verbot der Neonicotinoid-Beizung vor einigen Jahren werde es zunehmend schwieriger, diese Kultur im Herbst zu etablieren, so Jürgen Rüdt. Momentan präsentiere sich der Raps sehr unterschiedlich. „Dort, wo alles passte, hoffen wir auf ein ordentliches Ertragsniveau. Ansonsten dürften sich die zum Teil schwierigen Aufwuchsbedingungen mit schwächeren Erntemengen bemerkbar machen.“

Braugerstenbestände gehen ins Lager

Aufgrund von Starkniederschlägen gingen in den vergangenen Wochen in Württemberg zahlreiche Braugerstenbestände ins Lager. Insgesamt wird in Deutschland in diesem Jahr eine große Sommergersten-Ernte erwartet. Aufgrund der schlechten Aussaatbedingungen im Herbst für Wintersaaten wurden viele Flächen ersatzweise mit Sommerungen bestellt – speziell in Norddeutschland. Die wichtigste Frage sei nun, wie sich diese größere Fläche auf das Angebot auswirkt und welche Qualitäten angeboten werden können, hieß es weiter bei dem Vorernte-Gespräch.

Von sehr gut bis schlecht reiche auch das Bestandsniveau bei Hafer. Jürgen Rüdt: „Dort, wo die klimatischen Voraussetzungen passen und die erforderlichen Hektolitergewichte sicher erreicht werden, ist der Hafer im Vertragsanbau eine gesunde Sommerkultur zur Auflockerung enger Fruchtfolgen.“

Markteinschätzungen schwierig wie selten

„Der Markt für Getreide und Raps schlägt 2018 nach besonderem Takt und mit vielen Nebenmelodien“, so Gerd Mezger, Baywa Spartengeschäftsführer Agrar in Württemberg. Aufgrund verschiedener Einflüsse – Witterung, politische Rahmenbedingungen, Devisenkurse – sei eine Einschätzung der Märkte zurzeit so schwierig wie selten. Die weltweite Versorgungslage sei nach wie vor gut, das Angebot übersteige die Nachfrage. In den vergangenen zwölf Monaten sei dementsprechend wenig Getreide aus Württemberg exportiert worden.

EZG in Baden-Württemberg

Im Vertriebsgebiet Württemberg sind 2.300 Landwirte in fünf Erzeugergemeinschaften (EZG) für Qualitätsgetreide organisiert und vermarkten ihr Getreide auch an die Baywa. Rund 1.000 Landwirte bauen Raps an. Diese sind in den fünf EZG beziehungsweise in zwei eigenen EZG für Qualitätsraps integriert. Der Erzeugerausschuss, dem Jürgen Rüdt vorsitzt, ist das übergeordnete Organ aller EZG.

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