Ernte 2019

Erneut große Sorgen um das Grundfutter


Hochwertiges Heu wird für Milchviehhalter zum knappen und wertvollen Gut.
Bild: Pixabay / brankojet
Hochwertiges Heu wird für Milchviehhalter zum knappen und wertvollen Gut.

Große Teile im Norden und Osten Deutschlands leiden unter Wassermangel. Das trifft auch Milchviehbetriebe.

"Die Situation bei uns ist schlimmer als im vergangenen Jahr", sagt Wolfgang Vogel, Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes und Leiter eines Betriebes mit Milchkühen. Die ausgeprägte Dürre im vergangenen Jahr habe bereits viele tierhaltende Betriebe in Sachsen und angrenzenden Gebieten in große Schwierigkeiten gebracht. Teilweise waren sie auf die vom Bund freigegebenen Unterstützungszahlen angewiesen. Doch bei genauer Betrachtung werde es in diesem Jahr wahrscheinlich noch schlimmer kommen, meint er.

Hauptgrund sei neben aktuell fehlender Niederschlägen der im vergangenen Jahr tief abgesunkene Grundwasserspiegel. Dieser liege in Sachsen und Sachsen-Anhalt mittlerweile bei deutlich mehr als zwei Meter unter der Oberfläche. Um die fehlenden Wasservorräte aufzufüllen, bedürfe es bis zum Jahresende Niederschlagsmengen von rund 10 mm pro Tag.

Dritter Schnitt ist unmöglich

"Der erste Schnitt dieses Jahres zur Gewinnung von Grassilage oder Heu war zufriedenstellend, sowohl hinsichtlich Quantität als auch Qualität", sagt Vogel. Der zweite Schnitt im Juli sei dagegen nur noch eingeschränkt möglich, und an einen dritten Schnitt in den nächsten Wochen sei gar nicht zu denken.

"Um die gröbsten Folgen zu mildern, bräuchten wir in der nächsten Zeit etwa 70 Liter Wasser pro Quadratmeter – doch danach sieht es derzeit nicht aus", so Vogel. Neben dem Zukauf von Futterkomponenten bleibe nur die weitere Abstockung der Bestände. Während der Ackerbau in der Region bislang vergleichsweise glimpflich davongekommen sei, stelle sich für die Tierhaltung zunehmend die Existenzfrage. Noch zwei oder drei derartige Sommer, dann sei es vorbei mit der Tierhaltung in Sachsen.

Nach wie vor plädiert Vogel für eine staatlich gestützte Mehrgefahrenversicherung für die Landwirtschaft, um die für die Landwirtschaft unkalkulierbaren und existenzbedrohenden Risiken abzufedern. Er sei es leid, wie im vergangenen Jahr als auf Subventionen angewiesener Bereich in der Öffentlichkeit kritisiert zu werden.

Auch in großen Teilen Nordrhein-Westfalens, besonders am Niederrhein und im Münsterland, herrsche eine ausgeprägte Trockenheit, bestätigt Hubert Kivelitz, Grünland- und Futterbauexperte der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (NRW). Der dritte Schnitt fehle auch hier. Die Freigabe ökologischer Vorrangflächen für Futterzwecke in NRW wie auch in Niedersachsen bezeichnet er als bestenfalls einen "Tropfen auf den heißen Stein". Besonders in qualitativer Hinsicht seien die gewonnenen Komponenten kaum geeignet, die Anforderungen an eine ausgewogene Fütterung zu erfüllen.

Leistungsstarke Gräser sind knapp

Doch nicht nur die Futtergrundlage sei von der Trockenheit betroffen, führt Kivelitz aus. Auch der Anbau von Grassaaten und Zwischenfruchtsorten sei durch die Trockenheit beeinträchtigt. So käme es zu Engpässen in der Versorgung mit leistungsstarken Gräsern für die Neu- oder Wiederansaat im Grünland.

Für eine gewisse Entspannung sorge lediglich, dass im laufenden Jahr ausreichende Mengen an qualitativ hochwertigem Stroh zur Verfügung stünden, so Kivelitz. Als Raufutterkomponente sei dies zwar nicht optimal, könne jedoch in Verbindung mit industriellem Kraftfutter zur Versorgung der Milchviehbestände beitragen. Auch im vergangenen Jahr hätten sich die Rinderhalter als sehr kreativ in der Bewältigung der Dürresituation erwiesen. Das sei auch in diesem Jahr zu erwarten. Verbunden damit sei jedoch erneut eine höhere Kostenbelastung der Milchviehbetriebe.

Ähnlich beurteilt die Situation auch der niedersächsische Bauernverband. Während in der Region südlich Hannover fast ausreichend Niederschläge gefallen seien, zeige sich in den nördlich von Hannover gelegenen Gebieten erneut eine ausgeprägte Trockenheit. Davon betroffen sei auch der Mais.

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