Wassermangel

Nicht gleich den Mais häckseln


Mais im Trockenstress
Foto: da
Mais im Trockenstress

Katastrophale Maisbestände geben Anlass zur Sorge. Landwirten fragen, ab wann es notwendig wird, vertrocknende Maisbestände vorzeitig zu häckseln. Ruhe bewahren, heißt es bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Mittlerweile zeigen alle Kulturen Wassermangel. Selbst der Mais, der bekannt für seinen niedrigen Wassernutzungskoeffizienten ist und gerade in der Jugendentwicklung noch relativ wenig Wasser braucht, zeigt auf einigen Standorten trotz hoher Wurzelsaugspannung deutliche Trockenschäden. Vor allem auf leichten Böden steht das Wachstum des Maises still, und das bei zum Teil gerade erst erreichtem Reihenschluss. Bis Anfang Mai gesäte und gut aufgelaufene Bestände haben in der Regel ein gutes Wurzelwerk ausbilden können und stehen kurz vor der Blüte und fangen jetzt an zu blühen. Später gesäte Bestände haben sich meist weniger homogen entwickeln können und zeigen jetzt Trockenstress. 

Solange noch Leben in der Pflanze steckt, kann die C4-Pflanze, vorausgesetzt es regnet, weiterwachsen, teilen die Berater der LWK Niedersachsen mit. Da Mais über 50 Prozent seines Ertrages über den Kolben bildet, sei abzuwarten, ob die Blüte normal verläuft und die Befruchtung der Körner gelingt. Erst wenn klar wird, dass dies nicht der Fall ist und ein kolbenloser Mais entsteht, sollte über eine Notbeerntung nachgedacht werden. Die derzeitigen Wetteraussichten versprechen in Niedersachsen Niederschläge im zweistelligen Bereich, was für kurzfristige Entspannung sorgen könnte und die Blüte absichert und gelingen lässt.

Eine Möglichkeit, die Vitalität unter Trockenheit leidender Bestände zu prüfen, besteht darin, im Bestand mehrere Pflanzen (3 bis 6) mit einem kleinen Ringgraben zu umschließen und diesen händisch mit Wasser zu füllen. An den folgenden 1 bis 3 Tagen wird dann erkennbar, ob der Bestand sich noch erholen und weiter Ertrag bilden kann, oder ob eine Regeneration unwahrscheinlich wird. Erst dann sollte über ein vorzeitiges Häckseln nachgedacht werden.

Bei der Wahl des richtigen Erntetermins für die von Trockenschäden betroffenen Flächen ist besonders das mögliche Auftreten von Sickersaft zu berücksichtigen, sodass nicht zu früh die Entscheidung getroffen werden sollte. Darüber hinaus sollten Vorkehrungen gegen eine Sickersaftbildung getroffen werden und Auffangmöglichkeiten bestehen. Durch eine entsprechende Schicht trockener Mais- oder auch Grassilage unter dem zu silierenden Futter kann dies geschehen, aber auch durch Durchmischung, zum Beispiel mit Trockenschnitzeln.

Durch die hohen Temperaturen und den Trockenstress ist mit einem ungünstigen Keimbesatz zu Lasten der gewünschten Milchsäurebakterien zu rechnen. Gleichzeitig sind hohe Gehalte an Zucker im Siliergut zu erwarten. Je nach Feuchtegrad des Siliergutes kann die Ansäuerung und damit die Gärgasbildung recht kräftig ausfallen, was beim Siloverschluss zu berücksichtigen ist. Der Einsatz eines Siliermittels zur anaeroben Stabilisierung und zur Vermeidung einer Nacherwärmung wird angeraten. Bei Trockenmasse-Gehalten über 40 Prozent sollte die Häcksellänge auf weniger als 6 mm eingestellt werden, um eine entsprechende Verdichtung der Silage zu erreichen.

Derzeit sollte nicht überhastet zum Häckseln übergegangen werden, weil dadurch möglicherweise der größte Schaden entsteht, da der Mais, abhängig vom weiteren Witterungsverlauf, noch Ertrag bilden kann. Erst bei noch länger anhaltender Trockenheit werden stark geschädigte und absterbende Bestände geerntet werden müssen. Bleibt zu hoffen, dass der Juli mehr Niederschläge als die letzten zwei Monate bringt.

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