Düngung: Experte Sven Bengelstorf

„Hohe Energiekosten sprechen für einen festen Stickstoffpreis“


Foto: BSL

Die Situation auf den Düngemittelmärkten ist von Unsicherheit geprägt. Ob es zu einem frühen Start in die Frühjahrssaison kommt, ist ungewiss, die meisten Felder sind unbefahrbar. Bodenproben geben Informationen über den aktuellen Nährstoffgehalt.

az: Wie hoch ist der Bedarf zur ersten und zweiten Gabe?

Bengelstorf: Wir gehen davon aus, dass im Bundesdurchschnitt etwa 55 Prozent Stickstoff von der Landwirtschaft eingekauft sind. Dabei liegt die Quote im Osten etwas höher. Die guten Einkaufsfenster aus dem Sommer und Herbst 2017 wurden hierbei größtenteils genutzt. Für weitere Gaben gibt es in der Regionalbetrachtung deutliche Unterschiede aufgrund der neuen Düngeverordnung und klimatischer Gegebenheiten in der Herbstbestellung. Dabei kann es mitunter zu Verschiebungen der Stickstoffform zugunsten des Nitrates kommen.

Gibt es bei der Logistik Probleme?

Bengelstorf: Positiv hat sich Binnenverfrachtung entwickelt. Ein weiteres Hochwasser ist aktuell nicht in Sicht, sodass es zu keinen weiteren Schwierigkeiten in der Verschiffung von Düngemitteln kommen sollte.

Welche Anforderungen stellt die Düngeverordnung an Mineraldünger?

Bengelstorf: Es ist festzustellen, dass der Handel von Einzelnährstoffen, wie zum Beispiel Tripelsuperphosphat, kurz TSP, zugenommen hat. Die Absicht dabei ist, die limitierenden Faktoren aus der Düngeverordnung zielgerichteter einzusetzen. Schwefeldünger als stickstoffunterstützende Nährstoffform erfährt außerdem Zuwächse. Die Investitionen in der Streutechnik müssen auch mit qualitativ hochwertigen Düngemitteln genutzt werden, um die Streugenauigkeit im Optimum zu halten. Besonderes Augenmerk sollte auf die Wahl phosphathaltiger Düngemittel für die Maisdüngung gerichtet werden. In diesem Bereich sind je nach Bilanz intelligente neue Möglichkeiten auf dem Markt.

Was erwarten Sie bei den Nmin-Werten?

Bengelstorf: Die offiziellen Zahlen liegen zwar noch nicht vor. Aufgrund der massiven Herbstniederschläge ist aber deutschlandweit mit einem Rückgang zu rechnen. Die neue Vorgabe der Messmethodik in 90 cm kann von den bisherigen 60 cm um 25 Prozent höhere Nmin-Gehalte darstellen. Daher sollten Äpfel nicht mit Birnen verglichen werden.

Fallen oder steigen die Preise zum Frühjahr?

Bengelstorf: Wir haben in allen Nährstoffformen einen stabilen bis festen Markt zu verzeichnen. Harnstoff als derzeitige Leitwährung für alle Stickstoffdüngemittel ist nach einem kleinen Bruch im vergangenen November wieder deutlich gestiegen. China als größtes Exportland für Harnstoffe ist quasi nicht mehr am Markt und tritt verstärkt als Importeur auf. Hinzu kommt der nachhaltige Wegfall der Ukraine als Exporteur von Düngemitteln. Alleine diese beiden Länder haben in der Spitze der vergangenen Jahre zusammen rund 16 Millionen Tonnen Harnstoff exportiert. Trotz einiger neuer Produktionsanlagen beispielsweise in den USA, Nigeria und im Iran ist das Angebotsdefizit größer geworden.

Für einen weiter festen Stickstoffpreis sprechen auch die gestiegenen Energiekosten. Der Druck über derzeit hohe Ammoniakpreise wird produzentenseitig immer größer und als stabil prognostiziert. Ein ähnliches Angebotsdefizit ist nach der Schließung eines Phosphatdüngemittelwerkes in den USA gegeben.

Welche Folgen hat der starke Eurokurs?

Bengelstorf: Der aktuell wiedererstarkte Euro dämpft die internationalen Preissteigerungen beim Diammoniumphosphat, kurz DAP, in den vergangenen Wochen ab. Auch Kaliprodukte werden als stabil bewertet. Die Absatzmengen sind sehr gut und neue Kapazitäten sind nach der Produktionsaufnahme der K+S-Anlage in Kanada zumindest kurzfristig nicht zu erwarten. Stabilisierend beim Kali trägt auch die homogene Verteilung der Verkäufe in alle wichtigen Märkte wie Süd-, Nord- und Lateinamerika sowie Indien und seit einigen Jahren stark wachsend auch China bei.

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