Report Anbaustrategien Kartoffeln

Kartoffelmarkt bleibt unter Druck


Nach einer riesigen Kartoffelernte im vergangenen Jahr sind die Preise für Industrie- und Speisekartoffeln im Keller. Eine Besserung ist nicht in Sicht.

Mit rund 29 Mio. t haben die Kartoffelproduzenten in den fünf wichtigsten westeuropäischen Anbauländern 2017 eine riesige Ernte eingefahren. Noch immer liegen viele Knollen in den Lägern, während sich Frühkartoffeln einen immer größeren Marktanteil sichern. Nach Ägypten, Zypern und Israel ist nun auch Spanien mit im Spiel und in den kommenden Tagen werden auch die ersten Frühen aus der Pfalz in den Supermärkten zu finden sein. Die Preise für alterntige Ware stehen deshalb weiter unter Druck. Vor allem in Niedersachsen, das die Hälfte der deutschen Kartoffeln produziert, stellt sich die Frage, wie die Läger bis zur Haupternte geleert werden können.

Trotz der schwierigen Preissituation wurde der Kartoffelanbau in Westeuropa sogar leicht ausgedehnt. In den wichtigsten Anbauländern Deutschland, Frankreich, Belgien, Niederlande und Großbritannien rechnet die North-Western European Potato Growers Foundation (NEPG) mit einem Flächenzuwachs von 0,4 Prozent auf 586000 ha. Die Erntemenge für Industrie- und Speisekartoffeln soll zwar gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozent sinken, würde aber noch immer deutlich über dem Fünfjahresdurchschnitt liegen (siehe Grafik).

Dass die Landwirte trotz der niedrigen Preise weiter auf die Kartoffel setzen, hat mehrere Ursachen. Wegen der niedrigen Preise für Raps, Weizen und Zuckerrüben fehlten attraktive Alternativen. Auch der Anbau von Mais für Biogasanlagen lohnt sich kaum. Die niedrigen Getreidepreise ziehen auch den Markt für Biogasmais nach unten. Zudem verfügen die meisten Anlagen noch über gut gefüllte Silos aus dem Vorjahr.

Bei den Preisen für alterntige Kartoffeln wird in den kommenden Wochen in einem überversorgten Markt die Qualität ein entscheidender Faktor sein. „Die Schere zwischen qualitativ hochwertigen Kartoffeln und schwächerer Ware wird sich weiter öffnen“, erwartet Joachim Tietjen, Broker und Geschäftsführer von Hansa Terminhandel. In Niedersachsen hatten die Knollen wegen der ungünstigen Witterungsbedingungen bei der Ernte gelitten, berichtet Volker Peters von der Vertriebsgenossenschaft Helle Niedersachsen. Weil auch in den Nachbarländern noch Kartoffeln in den Lägern sind, biete der Export in diesem Jahr kaum Entlastung. Ein wichtiger Abnehmer für die qualitativ schwächeren Partien aus Niedersachsen ist die Stärkeindustrie, die Preise zahlt, die gerade die Transportkosten vom Lager zur Fabrik decken.

Etwas freundlicher wird die Lage im Rheinland eingeschätzt. Dort sind die Läger inzwischen weitgehend geräumt. Dabei zahlt sich die Nähe zu den Pommes-Produzenten in den Niederlanden und Belgien aus, die die Gelegenheit nutzten, sich mit günstiger Ware einzudecken. Mit entsprechend großen Vorräten gehen die Verarbeiter in die neue Saison. Die Kartoffelanbauer in Westeuropa haben dennoch den Anbau von Industrie-Sorten ausgedehnt, denn das Exportgeschäft mit Pommes frites floriert und sorgt für eine Entlastung des europäischen Marktes. Marktbeobachter rechnen bei einem normalen Witterungsverlauf mit einer deutlichen Steigerung des Angebotes. Die traditionelle Sorte Bintje wird nun auch in Frankreich von ertragsstärkeren Züchtungen wie Fontane verdrängt. Auf dem Weltmarkt kann die Industrie in Belgien und den Niederlanden ihre Standortvorteile – Nähe zu den Erzeugern und den Überseehäfen – ausspielen, erläutert Joachim Tietjen. Der Broker warnt trotz eines jährlichen globalen Wachstums der Pommes-Nachfrage um 6 Prozent aber vor zu großer Euphorie. Auch in anderen Ländern werde auf die Marktentwicklung reagiert. So sei in Russland eine Fabrik gebaut worsden, die den heimischen Markt versorge, in der jährlich 200000 t Kartoffeln verarbeitet werden können.

An der EEX stieg der April-2019-Kontrakt für Industriekartoffeln im Mai auf 17 €/t. Gegenüber den Anbauverträgen auf dem physischen Markt betrage die Prämie damit gut 3 Euro, so Tietjen. In den Kursen spiegele sich die Furcht vor Ertragseinbußen durch Trockenheit im Sommer wider. Aktuell entwickeln sich die Bestände in Deutschland trotz der verspäteten Pflanzung gut. Deshalb könne man nicht davon ausgehen, dass im kommenden Wirtschaftsjahr für Vorverträge deutlich höhere Preise gezahlt werden als 2017/18, stellt der Kartoffelmarktexperte fest.

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