Report Anbaustrategien Kartoffeln

Vermehrer tragen lange das Risiko

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Schwarze Beine Fehlanzeige, Schorf und Fäulnis gibt es ebenfalls nicht. Bei dieser Rumba handelt es sich allerdings nicht um einen karibischen Tanz. Im niedersächsischen Benitz dreht sich alles um sortenreine Pflanzkartoffeln.

Christian Volkmer hat mit seiner Rumba den 1. Platz erobert. Im Pflanzgut-Wettbewerb der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und der Saatguterzeugergemeinschaft (SEG) des Bundeslandes belegte er 2017 mit 49 von 49 möglichen Punkten den Rang 1. Überzeugt hat er mit den Kriterien Feldaufgang, Bestandsbildung, Pflanzengesundheit und Sortenreinheit.

Kartoffeln haben auf dem Betrieb der Familie im niedersächsischen Brome-Benitz im Kreis Gifhorn schon immer eine Rolle gespielt. Und seit 15 Jahren nimmt die Vermehrung von Industriekartoffeln einen wichtigen Part im Anbauplan ein. „Jetzt ist die Wirtschaftlichkeit des Anbaus zwar höher, das Risiko aber auch“, weiß der Landwirt. Dazu gehört vor allem die späte Vermarktung. Volkmer muss mehr als ein Jahr ganz allein die Verantwortung für die Kartoffeln tragen, bis er sie an die Landwirte als zertifiziertes Pflanzgut wieder verkaufen kann. Vor allem muss er den Anbau vorfinanzieren.

Der Winter bringt besondere Herausforderungen

Von der Pflanzung im Frühjahr bis zum nächsten Frühjahr hat Volkmer die Knollen für seine 20ha Vermehrung zu pflanzen, zu pflegen und über die Vegetation zu bringen. Während der Vegetation werden die Bestände in bestimmten Abständen für die Feldanerkennung kontrolliert. Im Herbst stellt nach der Rodung die Überwinterung der Knollen eine besondere Herausforderung dar. Im eigenen Lagerraum von 1100t kann er seine komplette Ernte unterbringen. Ein Drittel entfällt dabei auf Flächenlager. Zwei Drittel überwintern in Kisten. Außenluft sorgt für ein gutes Klima bei 4 bis 5 Grad Celsius. Im zeitigen Frühjahr wird es dann wieder umtriebig auf dem Betrieb. Gemeinsam mit Familienangehörigen und Saisonarbeitskräften geht es ans Sortieren, Kalibrieren und Abpacken.

Als Partner und Lieferanten des Basispflanzguts stehen dem Landwirtschaftsmeister die Europlant Pflanzenzucht GmbH in Lüneburg für die Sorte Rumba sowie die Solana GmbH in Hamburg für die Sorte Amanda zur Verfügung. Und diese Unterstützung weiß Volkmer zu schätzen. Gibt es Fragen zur Behandlung der Flächen im Laufe der Vegetation in Sachen Dünger oder Pflanzenschutz, stehen Pflanzenbauberater der Züchterhäuser mit ihrem Wissen zur Verfügung. Von der Rumba produziert Volkmer auch selber Basispflanzgut. 70 Prozent dieser Pflanzgutvermehrung erfolgen auf Basis der Produktion über die eigene Vorstufe. Für 30 Prozent seiner Erzeugung kauft er Basispflanzgut zu. Zwei Drittel seiner Vermehrung erfolgen in Zusammenarbeit mit der Europlant. Gut 30 Prozent bestreitet er mit der Sorte von Solana.

Spezialisierung auf Industriekartoffeln

Vermehrt wird in Benitz nur Pflanzgut von Verarbeitungssorten. Der Anbau dieser Industrieware hat hier in Niedersachsen an der Grenze zu Sachsen-Anhalt Tradition. So produziert Christian Volkmer neben seinem Pflanzgut auch Kartoffeln für die industrielle Weiterverarbeitung. Der größere Anteil seiner Industriekartoffeln entfällt auf die Belieferung der Emsland Group im Werk Wittingen für die Produktion von Kartoffelgranulat. Das Granulat wird zu 85 Prozent als Rohstoff für die Herstellung von Snackprodukten verwendet. Ein kleinerer Teil der Produktion in Benitz ist als reine Stärkekartoffel für das Werk im brandenburgischen Kyritz vorgesehen. Hier werden ebenfalls Rohstoffe für die Nahrungsmittelproduktion hergestellt.

Mit Flächentausch gegen Nematoden

Die komplette Fläche des Betriebes in Benitz reicht nicht für die erforderlich weite Fruchtfolge im Kartoffelanbau aus. Mit drei weiteren Landwirten tauscht der Vermehrer Flächen, um nur alle fünf bis sechs Jahre auf derselben Fläche seine Knollen für die Vermehrung anbauen zu müssen. Die Maßnahme zeigt Erfolg: Probleme mit Nematoden auf dem Betrieb gibt es nicht. Dafür können die Berufskollegen Volkmers Flächen für ihren Anbau nutzen. Mais ist beispielsweise aus hygienischen Gründen gern nach Kartoffeln gesehen. Im Frühjahr lassen sich die Reste der Kartoffeln gut bearbeiten. Und im Laufe der Vegetationsperiode für den Mais verschwinden auch die letzten Reste der Knollen des Vorjahres und können den nächsten Anbau nicht behindern. Allein 25ha des Betriebes in Benitz werden von einem anderen Landwirt für den Maisanbau genutzt.

Zwischenfrüchte haben einen festen Platz

Die 23ha Industriekartoffeln rotieren auf den eigenen Flächen der Volkmers. Zudem haben Zwischenfrüchte einen festen Platz. „Zur Kartoffel bauen wir immer eine Zwischenfrucht an. Ölrettich ist unser Favorit“, ist Volkmer von den Vorzügen dieser Entscheidung überzeugt. Stickstoffsammler, eine bessere Bodengare und Bodenbedeckung stellen genauso Vorteile dar wie ein besserer Humusgehalt auf den eher kargen Sandböden und eine geringere Erosionsgefahr. Die kompletten Kartoffelbestände wachsen unter Beregnung heran.

Sparsame Stickstoffgaben für gute Sortierungen

Bei der Bestandsführung von Vermehrungs- und Verarbeitungskartoffeln muss auf Unterschiede vor allem bei der Stickstoffdüngung geachtet werden: Die Gabe bei der Vermehrung sollte auf ein Minimum von 40 bis 60 kg N/ha reduziert werden. Gefragt ist bei dieser Produktionsrichtung eine gute Sortierung und nicht der beste Ertrag. Die Knollen lassen sich so besser lagern und reifen nach. Bei den Verarbeitungskartoffeln liegt die Stickstoffgabe bei 120 bis 140 kg/ha. Die übrige Bestandsführung unterscheidet sich nicht.

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