Report Biogas Substrate

Strom für einen Großteil des Dorfes


Ingo Baake bevorzugt frühe, energiereiche Maissorten.
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Ingo Baake bevorzugt frühe, energiereiche Maissorten.

Im größten Energiedorf Deutschlands betreibt Landwirt Ingo Baake erfolgreich eine Biogasanlage für Mais und Gülle. Die Maiserträge haben ihn in diesem Jahr positiv überrascht. Künftig soll die Anlage noch effizienter arbeiten.

Durchschnittlich 63 t/ha Frischmasse bei einer Trockensubstanz von 30 Prozent hat Ingo Baake auf seinen Maisflächen im Landkreis Kassel in diesem Jahr eingefahren. Mitunter waren bis zu 70 t/ha dabei. Der Schnitt der vergangenen Jahre lag bei 52 t/ha. Im vergangenen Jahr konnte er nur 45 t /ha vom Feld holen. Die Trockenheit im September hatte vielen Landwirten einen Strich durch die Rechnung gemacht. So freut er sich über den guten Ausgleich in diesem Jahr. Seine Maisfläche wird er in diesem Jahr als Körnermais dreschen. Verträge ab Hof konnten über 150 €/t für Oktober/Dezember abgeschlossen werden. Für die Möglichkeit, auch Körnermais dreschen zu können, hat er sich für seinen Mähdrescher extra ein Maisgebiss gekauft. Für zwei weitere Betriebe übernimmt er die Arbeit ebenfalls. Insgesamt drischt Baake 100 ha Mais und 250 bis 300 ha Getreide im Jahr. Neben seinen 220 Hektar bewirtschaftet er weitere 100 Hektar im Lohn mit einem eigenen Fuhrpark.

Zusätzlich zu seiner eigenen Maisfläche von 80 ha lässt der Landwirtschaftstechniker auf weiteren 150 Hektar von 15 Landwirten Mais für seine Biogasanlage und seine 200 Bullen anbauen. Insgesamt benötigt Baake 10000 t Mais im Jahr. Dafür gibt er genau die Sorten vor, die er benötigt. „In der Regel bevorzugen wir frühe, energiereiche Sorten. Dann ist die Abreife sicherer“, so seine Erklärung. Für diese Festlegung bekommen die Landwirte auch mehr Geld. „Wir verfügen in unserer Region nicht über die besten Standorte für Mais“, räumt der 49-Jährige ein. Die Böden sind in der Regel schwer und kalt. 30,50 €/t frei Fahrsiloplatte zahlt er an seine Lieferanten. Die entsprechenden Gärreste bekommen sie als Dünger zurück.

2007 hat der Familienvater von zwei erwachsenen Kindern mit dem Betrieb der Biogasanlage begonnen. Bisher mit dem reinen Ackerbau beschäftigt, suchte der Unternehmer einen Ausgleich für die niedrigen Erzeugerpreise für Getreide. Das erste Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wurde ins Leben gerufen. So ließ er sich auf das Abenteuer Biogas ein. Gemeinsam mit drei Gesellschaftern betreibt er die Anlage seitdem. Von Anfang an war sie auf 500 KW als Blockheizkraftwerk angelegt. Mais ist das Hauptfutter. Um vom Güllebonus profitieren zu können, hat er vor vier Jahren mit der Bullenmast begonnen. Mist gehört nun auch in die Ration.

Mit seiner produzierten Energie versorgt Baake neben eigenem Haus und Hof inklusive Getreidetrocknung eine 360-KW-Anlage mit Gas aus seiner Anlage in Wettesingen. Sie wird von einer Energiegenossenschaft im Ort betrieben. Einige Jahre nach seiner Entscheidung für die Biogasanlage und Überlegungen zu einem Nahwärmenetz haben sich erste Ansätze in seinem Dorf gezeigt, sich ebenfalls von der fossilen Energie zu verabschieden. Heute beziehen 200 von insgesamt 350 Haushalten im Dorf ihren Strom von dieser Anlage. Dabei sind vor allem Großabnehmer wie das Rathaus, eine Gärtnerei und die Mehrzweckhalle. Im Winter gibt es zusätzliche Wärmelieferung von Baakes. Wettesingen hat sich in den vergangenen Jahren zum größten Energiedorf Deutschlands entwickelt. Fossile Energie gibt es hier nicht. Ein Nahwärmenetz von 10,5 km ist entstanden.

Auf den insgesamt 220 ha im Betrieb Baake sind neben den Klassikern Weizen, Rüben und Raps eher Nischenprodukte wie Hafer und Dinkel zu finden. Der Dinkel geht über einen niedersächsischen Händler und mit Abschluss eines Vorkontraktes an eine spezielle Dinkelmühle. Den Hafer verkauft der findige Agrarier an den örtlichen Agrarhandel für eine Hafermühle. „Mein Vorteil ist, dass ich mein komplettes Getreide selber trocknen und lagern kann“, rechnet er vor. „Ich kann 150 bis 160 Euro pro Tonne ab Hof für den Hafer erzielen.“ Bei einer Futtergerste müsste er für einen vergleichbaren finanziellen Ertrag 2t/ha mehr ernten als beim Hafer. Das ist nicht immer zu erzielen. Außerdem zeichnet sich Hafer bekanntlich als gute Vorfrucht aus. Insgesamt verfügt der Hesse über einen Lagerraum für 1200 t Getreide.

Für die kommenden Jahre hat er nicht vor, die Biogasanlage zu erweitern. Auch die Maisfläche wurde eher leicht zurückgefahren. Sein Ziel ist es, aus dem Mais mit einer bestimmten Fütterungstechnik in der Anlage mehr herauszuholen, die Masse besser aufzuschließen. Die Anlage soll effizienter arbeiten. Das Optimale herauszuholen, daran will er in der Zukunft arbeiten.
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