Report Biogas Substrate

Verstromte Rüben

Waschmaus: Der Beetmaster WM fasst mehrere Arbeitsgänge zusammen. Die Rüben werden von der Miete aufgenommen, entsteint, gewaschen und schließlich verladen.
Fotos: SB
Waschmaus: Der Beetmaster WM fasst mehrere Arbeitsgänge zusammen. Die Rüben werden von der Miete aufgenommen, entsteint, gewaschen und schließlich verladen.

Lange Zeit war Silomais das mit Abstand wirtschaftlichste Biogassubstrat. Neue technische Lösungen bei der Aufbereitung nach der Ernte sorgen dafür, dass Zuckerrüben inzwischen ein ähnlich hohes Potenzial haben.

Zuckerrüben spielten bis vor wenigen Jahren im Norden Niedersachsens kaum eine Rolle. In der von der Milcherzeugung geprägten Küstenregion zwischen Ems und Elbe bestimmten Grünland und Maisäcker das Landschaftsbild. Die „Vermaisung“ sehen nicht nur Bewohner der Regionen kritisch, auch Ackerbauberater fordern eine Erweiterung der Fruchtfolge. Eine Alternative stellt die Zuckerrübe dar. Im Landkreis Rotenburg/Wümme, zwischen Bremen und Hamburg, ist der Zuckerrübenanbau in den vergangenen Jahren deutlich ausgedehnt worden. Ein Großteil der Rüben wird für Biogasanlagen produziert. Das sieht Frerich Wilken von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen positiv. Dadurch ließe sich die Nährstoffbilanz von Biogasanlagen verbessern. Die Rübe wird im Fermenter schneller zu Gas umgesetzt, deswegen könne der Anteil von langsam vergärenden Substraten mit einer geringeren Gasausbeute wie Gülle und Mist erhöht werden. Die Nährstoffe müssten aber als Gärrest an die Güllelieferanten zurückgegeben werden, betont Wilken.

Rübenfäule schädigt erheblich.
Rübenfäule schädigt erheblich.
Auf rund 130 ha baut die Nawaro Biogas WBO aus Rhadereistedt Zuckerrüben für die Biogasproduktion an. Das Unternehmen betreibt drei Biogasanlagen, an die bis zum Jahresende 18 Blockheizkraftwerke angeschlossen sein werden. Für einen Einstieg in den Zuckerrübenanbau habe es mehrere Gründe gegeben, berichtete Geschäftsführer Hermann Cordes. Dazu zählen stagnierende Maiserträge, eine Erweiterung der Fruchtfolgen, die Entkoppelung von Arbeitsspitzen und die verbesserte Akzeptanz in der Bevölkerung. Durch den Einsatz der Rüben, die sehr schnell zu Methan umgewandelt werden, könne außerdem die flexible Gas- und Stromproduktion besser gesteuert werden.

Im Silo werden die zerkleinerten Früchte gelagert.
Im Silo werden die zerkleinerten Früchte gelagert.
Ein Hemmnis für den Zuckerrübeneinsatz in Biogasanlagen waren bisher die hohen Kosten für die Aufbereitung der Rüben. Auch die Nawaro Biogas WBO hat dabei Lehrgeld zahlen müssen. Das zentrale Waschen und Entsteinen der Rüben an einem Standort und der Weitertransport zu den Biogasanlagen haben sich als zu teuer herausgestellt, sagte Geschäftsführer Hermann Cordes. Beim Mais lägen die Kosten vom Feld bis in den Fermenter bei knapp 12 €/t. Für die Rübe hätten die Kosten dagegen zunächst bei 25 €/t gelegen. Durch eine Neuentwicklung der Firma Putsch konnte der finanzielle Aufwand nun deutlich gesenkt werden. Eine mobile „Waschmaus“ nimmt die Rüben von der Miete am Feldrand auf, entsteint und wäscht sie und verlädt sie auf den Lkw. Die Kosten in der Rübenlogistik konnten so auf 13,54 €/t gesenkt werden. Gleichstand mit den Silomaiskosten erscheint Biogasanlagenbetreiber Hermann Cordes realistisch. Der Maschinenbauer Putsch nennt seine mobile Rübenwäsche „Beetmaster“. Gegenüber einer zentralen Aufbereitung habe die Reinigung mit der „Waschmaus“ am Feldrand den Vorteil, dass die Erde nicht entsorgt werden muss, sondern auf dem jeweiligen Acker verbleibt, erläutert Putsch-Mitarbeiter Oliver Kerber. Entsorgungskosten für die Erde entfallen und die Verbreitung bodenbürtiger Schädlinge werde verhindert. Außerdem sinken die Transportkosten für die Rüben. Ein Prototyp des Beetmasters erreicht eine durchschnittliche Tagesleistung von 58 t/h. Bei einem Nachfolgemodell soll die durchschnittliche Kapazität auf 100 bis 120 t/h steigen.

Schlamm bleibt zurück.
Schlamm bleibt zurück.
Ackerbaulich bleibt der Zuckerrübenanbau anspruchsvoller als der Maisanbau. In maisreichen Fruchtfolgen könne die Späte Rübenfäule Rhizoctonia solani Probleme bereiten, warnt LWK-Mitarbeiterin Thekla-Karina Niehoff. Der Pilz befalle auch den Mais, sorgt dort aber nicht für so gravierende Schäden wie in Zuckerrüben. Reduzieren lasse sich das Risiko, indem vor der Rübe Getreide angebaut wird. Auch mit der richtigen Sortenwahl, einer ausgeglichenen Nährstoffversorgung, einer guten Bodengare und Stoppelrotte könne das Risiko gesenkt werden. Eine geeignete Fruchtfolge könne zum Beispiel Mais mit Untersaat, Mais, Getreide, Zwischenfrucht, Zuckerrübe sein, so Niehoff.
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