Report Düngemittel

„Bodenschutz wird wichtiger“


Foto: DHG

Dr. Reinhard Müller, Geschäftsführer der Düngekalk-Hauptgemeinschaft (DHG) in Köln, erkennt positive Auswirkungen der neuen Düngeverordnung

Der Kalkdüngerabsatz in Deutschland ist in den vergangenen fünf Jahren gestiegen. Schwankungen waren inbegriffen. Marktexperte Reinhard Müller berichtet über die Situation im besonders trockenen Jahr 2018.

az: Hatte das außerordentlich trockene Jahr 2018 mit der sehr frühen Ernte einen Einfluss auf die Nachfrage nach Kalkdünger?

Müller: Der sehr trockene Sommer und die frühe Ernte in diesem Jahr hatten zwei gegenläufige Auswirkungen auf den Kalkdüngerabsatz. Einerseits waren viele Felder sehr früh geräumt und die Landwirte hatten mehr Zeit für eine Stoppelkalkung als in nassen Jahren. Zudem waren die Böden sehr trocken und dadurch gut befahrbar. Dies waren klare Argumente für umfangreiche Kalkungen. Etliche Landwirte haben diese Chance genutzt.

Andererseits stellten sich als Hemmschuh für den Einsatz die wirtschaftlichen Einbußen vieler Betriebe heraus. Aufgrund von erheblichen Ertragsverlusten oder Futterknappheit sparten manche Landwirte bei der Kalkdüngung. Auch wenn dies prinzipiell nicht nachhaltig und eine optimale Kalkversorgung der Böden die Grundlage der guten fachlichen Praxis ist, wird in einer finanziellen Notlage oft kurzfristig gedacht. Die Auswirkungen einer fehlenden Kalkdüngung sind nicht so unmittelbar erkennbar wie Einsparungen bei Saatgut oder einer Stickstoffgabe.

Fällt der Kalkeinsatz regional und mengenmäßig unterschiedlich aus?

Müller: Ja, der Kalkeinsatz ist in jedem Jahr regional unterschiedlich. In diesem Jahr hatten die Auswirkungen der Trockenheit und die finanzielle Betroffenheit zusätzlichen Einfluss. Dennoch hat die Mehrheit der Landwirte längerfristig geplant. Letztendlich ist im Sommer und Herbst 2018 bundesweit betrachtet doch überdurchschnittlich viel gekalkt worden.

Generell haben auch die geologischen Ausgangsbedingungen, die vorherrschenden Bodenarten sowie die Niederschlagsverhältnisse deutlichen Einfluss auf den Kalkbedarf der Böden. Auch diese Einflussfaktoren variieren in den Bundesländern. Daraus resultieren unterschiedliche Kalkabsatzmengen in den einzelnen Regionen.

Zur Person

Reinhard Müller ist seit Ende 2011 Geschäftsführer der Düngekalk-Hauptgemeinschaft (DHG) mit Sitz in Köln und vertritt die deutschen Düngekalkhersteller. Bereits in seiner Diplomarbeit und Promotion beschäftigte sich der Agrarwissenschaftler mit speziellen Fragen zur Kalkdüngung und Nährstoffverfügbarkeit. Berufliche Erfahrungen sammelte er bei der Westdeutsche Düngekalk GmbH, Iserlohn, und mehr als 20 Jahre beim Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP), Bonn. 

Hat auch die neue Düngeverordnung Einfluss auf den Einsatz von Kalkdünger?

Müller: Nach unseren Erfahrungen ist ein Einfluss der neuen Düngeverordnung auf den Kalkdüngereinsatz zu erkennen. Seitdem die Diskussionen um die neue Düngeverordnung zunahmen und immer öfter über die Nährstoffnutzungseffizienz gesprochen wurde, haben immer mehr Landwirte die Kalkdüngung berücksichtigt. Die alten Kenntnisse über die optimale Nährstofflöslichkeit bei optimalem pH-Wert werden seit der Diskussion über Stickstoff- und Phosphatobergrenzen wieder mehr beachtet.

Welche Vorteile versprechen sich die Landwirte vom höheren Kalkeinsatz?

Müller: Vorrangig können die Landwirte von einer bodenartspezifisch guten Kalkversorgung ihrer Böden eine optimale Bodenfruchtbarkeit und ein Ertragsoptimum erwarten, wenn alle Wachstumsfaktoren ausreichend sind. Darüber hinaus sind heute auch Bodenschutzaspekte zunehmend wichtig. Die Kalkversorgung der Böden ist neben der Humusversorgung sehr wesentlich für die Bodenstruktur, das Bodenleben, für die Wasserinfiltration und Wasserspeicherung. Je schwerer der Boden, umso wichtiger ist eine Kalkgabe. Mit einer regelmäßigen, standortangepassten Kalkdüngung leisten die Landwirte einen wichtigen Beitrag für die nachhaltige Bodennutzung und erfüllen einen Teil der guten fachlichen Praxis.

Interview: Dagmar Hofnagel

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats