Report Düngemittel

Güllevolumen um die Hälfte reduziert

Aus dem Vorfluter fließt klares Wasser in den Bach.
Foto: Weltec
Aus dem Vorfluter fließt klares Wasser in den Bach.

Ein Verfahren zur Aufbereitung von Gülle und Gärresten bietet das niedersächsische Biogas-Unternehmen Weltec Biopower Veredelungsbetrieben und Biogasproduzenten an. Aus dem Ausgangsstoff werden in einem vierstufigen Verfahren klares Wasser, flüssiges Düngerkonzentrat sowie ein nährstoffreicher organischer Feststoff gewonnen.

Mit der neuen Gülleverordnung haben sich die Kosten für die Gülleentsorgung in den niedersächsischen und westfälischen Veredelungszentren noch einmal deutlich erhöht. Hinzu kommt, dass die Gülleausbringung auch außerhalb der gesetzlichen Sperrfristen durch ungünstige Witterungsbedingungen beeinträchtigt werden kann. Sind die Lagerkapazitäten ausgeschöpft, muss die Neuaufstallung von Tieren verschoben werden. Derzeit bieten verschiedene Hersteller Systeme zur Komplettaufbereitung von Gülle und Gärresten an. In den Niederlanden gibt es bereits seit Jahren Erfahrungen mit dieser Technik, auf die nun der niedersächsische Biogasspezialist Weltec Biopower setzt.

Das Funktionsprinzip greift auf bewährte Einzelverfahren zurück, die in Kombination mit eigenen Entwicklungen zu einem Gesamtprozess zusammengefasst wurden. Um im ersten Schritt die festen und flüssigen Stoffe voneinander zu trennen, werden der Gülle und den Gärresten Flockungsmittel beigemischt. Dadurch werden bestimmte Nährstoffe fixiert und zudem lassen sich die Feststoffe mit der Siebbandpresse effizienter von der flüssigen Phase trennen. Außerdem sorgen die Additive für eine Reduktion der Geruchsemissionen. Der entwässerte Feststoff weist einen Trockensubstanzgehalt von etwa 30 Prozent auf. Das Material kann als Dünger, Kompost, Tiereinstreu oder beim Einsatz von Gülle als Biogas-Substrat genutzt werden.

Im Flotationsbecken erfolgt die Abtrennung von Feststoffen.
Foto: Weltec
Im Flotationsbecken erfolgt die Abtrennung von Feststoffen.

Dann gelangt die Flüssigkeit auf die Presse.
Foto: Weltec
Dann gelangt die Flüssigkeit auf die Presse.

Das Endprodukt wird gelagert.
Foto: Weltec
Das Endprodukt wird gelagert.

Die verbleibende flüssige Phase wird anschließend durch ein Flotationsbecken geführt, in dem weitere kleine Partikel und Schwebstoffe abgetrennt werden. Letzte feste Teilchen werden durch einen Feinfilter entfernt. Im nächsten Prozessschritt durchläuft das Filtrat eine dreistufige Umkehrosmose, um Salze und Nährstoffe zu konzentrieren. Der resultierende flüssige und stickstoffreiche Dünger macht nur noch ein Viertel des Ausgangsvolumens aus. Den größten Anteil der Aufbereitungsprodukte bildet klares Wasser mit rund 50 Prozent, das im Anschluss an die Behandlung in einem Ionentauscher in den Wasserkreislauf zurückgeführt werden kann.

Um die Anlage wirtschaftlich betreiben zu können, werden 50000 Kubikmeter Gülle pro Jahr benötigt, das entspricht 30000 bis 35000 Schweinemastplätzen. Wenn größere Mengen verarbeitet werden sollen, können mehrere Linien parallel installiert werden. In den Niederlanden werden die Aufbereitungen als Gemeinschaftsanlagen betrieben, berichtet Ann Börries. Die Marketingchefin von Weltec betreut derzeit drei Projekte, die in Deutschland umgesetzt werden sollen. Die Kosten für die Gülleaufbereitung beziffert Weltec auf rund 12 € pro Kubikmeter. Nicht enthalten ist darin der Transport der Gülle vom Stall zur Anlage. Wann die ersten Anlagen in Deutschland in Betrieb gehen können, hängt davon ab, wie schnell die Genehmigungsverfahren abgeschlossen werden. Mit den Behörden würden intensive Gespräche geführt, heißt es bei Weltec. Ein Vorteil sei die zuverlässige und wartungsarme Technik sowie der geringe Energieverbrauch, so Börries. „Das positive Feedback geht aber auch darauf zurück, dass wir das Verfahren im Einklang mit den Anforderungen der Betreiber weiterentwickelt haben“, ergänzt Weltec-Geschäftsführer Jens Albartus.

Die niederländische Universität Wageningen und die Landwirtschaftskammer Niedersachsen bescheinigen der Aufbereitungsanlage Kumac eine hohe Funktionalität und eine gute Massenbilanz. In dem abgetrennten Feststoff sind bei Einsatz von Schweinegülle vor allem Stickstoff (15,67 kg/t) und Phosphor (14,94 kg/t) gebunden. Der Kaliumgehalt (4,43 kg/t) ist fast unverändert, verglichen mit den Ausgangswerten der Schweinegülle. Das flüssige Nährstoffkonzentrat weist eine hohe Menge an Ammoniumstickstoff (7,35 kg/t Stickstoff insgesamt, davon 6,16 kg/t Ammonium) auf. Der Kaliumanteil liegt bei 8,5 kg/t. Diese Werte wurden bei einer Anlage in den Niederlanden gemessen, die Schweinegülle aufbereitet.

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