Report Düngemittel

Landwirte lagern kaum ein

Foto: Yara

Auf den ausgetrockneten Böden sind in diesem Jahr Düngemaßnahmen nur eingeschränkt möglich. Der Handel scheut das Risiko, Ware einzulagern.

Der Düngerabsatz in Deutschland ist stark rückläufig. Die Düngerläger sind derzeit gut gefüllt – und das zu einer Zeit, wo eigentlich die Ware für die Frühjahrssaison gekauft und eingelagert wird. Grund ist der Dürresommer, der den Einsatz von Stickstoff, Phosphat und Kalidünger stark in Deutschland einschränkte. Kaum eine Nachfrage verzeichnet seit Monaten Harnstoff. Die Ausbringung auf den Feldern war wegen der Trockenheit zu riskant wegen der Gefahr von gasförmigen Emissionen. Die Läger sind mit Harnstoff gut gefüllt. Derzeit gelangt kaum Import-Harnstoff nach Deutschland. Das Preisniveau ist in Deutschland für Lieferanten unattraktiv. An den ostdeutschen Seehäfen liegt der Kurs für geprillten Harnstoff bei rund 305 €/t ab Lager. Selbst in Frankreich und Großbritannien werden höhere Kurse für Harnstoff aufgerufen. Denn der Weltmarkt für Harnstoff ist angespannt. Die Fehlmengen von schätzungsweise 14 Mio. t Harnstoff, die sonst China exportiert, verknappen das globale Angebot. Große Käuferländer sind die USA, Brasilien, Indien und die afrikanischen Länder. Sie brauchen Harnstoff und bezahlen dafür auch hohe Preise. Trotz der aktuell hohen Nachfrage steigt weltweit der Bedarf nach Düngemitteln nur noch moderat. In seinem fünfjährigen Ausblick bis 2022/23 erwartet die internationale Vereinigung der Düngemittelhersteller (IFA) einen Anstieg um 1,3 Prozent auf 199 Mio. t Ware. Dabei haben Kalidünger mit einem Zuwachs von 1,4 Prozent das größte Potenzial, zuzulegen, gefolgt von Phosphat und Stickstoff. Gegenüber früheren Jahren steigt der Stickstoffbedarf nur noch moderat weltweit um 1 Prozent. Vor allem China und Indien, die in den vergangenen Jahren die wichtigsten Einkäufer von Kali- und Phosphatdünger waren, wollen sich von der Importabhängigkeit lösen und den Selbstversorgungsgrad steigern. Die chinesische Regierung will ihr Vorhaben einer umweltfreundlicheren Landwirtschaft umsetzen und den Stickstoffeinsatz begrenzen. In Indien werden nationale Düngerprogramme aufgelegt, die die heimische Produktion von Harnstoff fördern. Bleibt nur noch Afrika, wo der Düngerverbrauch in den kommenden fünf Jahren deutlich zunimmt. Händler berichteten zuletzt von einem Tender aus Äthiopien in Höhe von 350000 t Harnstoff.

Die günstigen Absatzchancen in Nordamerika haben auch die großen Düngemittel-Player erkannt. So baut die russische Eurochem ihre Werkskapazitäten in den USA weiter aus und plant, nahe den wichtigen Anbaugebieten in Kanada zu expandieren. Derzeit verfügt Eurochem über 25 Verteilstellen in den USA mit einer Lagerkapazität über 500000 t. 

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