Report Düngemittel

NRW plant längere Auszeit auf Grünland


In besonders mit Nitrat belasteten Gebieten Nordrhein-Westfalens ist eine Untersuchung der Gülle Pflicht.
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In besonders mit Nitrat belasteten Gebieten Nordrhein-Westfalens ist eine Untersuchung der Gülle Pflicht.

Dänische Verhältnisse, die die Stickstoffdüngung so stark eingeschränkt haben, dass ein Qualitätsweizenanbau erschwert wird, haben deutsche Landwirte nicht zu befürchten. Hans Leser vom Agrarministerium in Nordrhein-Westfalen (NRW) berichtet über die Umsetzung der Düngeverordnung.

Hohe Nitratwerte im Grundwasser zeigen, der Einsatz von Stickstoffdüngern ist noch zu hoch. Zu oft herrsche noch das Sicherheitsdenken bei der Düngung vor. An der Reduzierung der Nährstoffüberschüsse in der Landwirtschaft gehe kein Weg vorbei, sagte Leser anlässlich des Jahrestreffens des Bundesverbandes der Düngermischer in Hannover. Diese Tatsache erläuterte Leser, Stellvertretender Abteilungsleiter Landwirtschaft im Agrarministerium vor Kurzem in Hannover.

Jährliche Untersuchung ist Pflicht

Dazu sei Deutschland verpflichtet, nicht nur wegen der Düngeverordnung. Auch durch die Wasserrahmenrichtlinie, die EU-Klage wegen Nicht-Einhaltung der Nitratrichtlinie in Deutschland sowie durch die NERC-Richtlinie besteht die Notwendigkeit, das Düngeverhalten zu ändern. Doch von dänischen Verhältnissen, die eine Stickstoff-(N)-Düngung nach Pflanzenbedarf erschwere, sei Deutschland, so Leser, weit entfernt. Die deutsche Düngeverordnung erlaubt der Landwirtschaft ein Saldo von 50kg N/ha im Dreijahresmittel sowie ein Saldo von 10 kg Phosphat/ha im Sechsjahresmittel. Für Gebiete, in denen die Nitratbelastung in Gewässern besonders hoch ist, verpflichtet die Düngeverordnung die Länder, aus einem abschließenden Katalog von 14 zusätzlichen Anforderungen mindestens drei dieser Maßnahmen umzusetzen.

NRW will sich voraussichtlich auf drei Maßnahmen aus dem Auswahlkatalog von insgesamt 14 Möglichkeiten beschränken. So solle für Landwirte in den ausgewiesenen Gebieten eine jährliche Untersuchungspflicht für Wirtschaftsdünger sowie für organische und organisch-mineralische Düngemittel gelten. Zweitens müsse die Einarbeitung von Wirtschaftsdüngern auf unbestelltem Ackerland innerhalb von einer Stunde erfolgen. Als dritte Maßnahme soll die Sperrzeit für die Ausbringung von Wirtschaftsdünger auf Grünland um zwei Wochen über die bereits geltende Sperrfrist in der Düngeverordnung von Oktober bis Februar hinaus verlängert werden.

Um die Nitratbelastung zu reduzieren, ist Leser die konsequente Umsetzung der Düngeverordnung wichtig: „Dabei unterstützen wir die Landwirte durch die Offizialberatung. Die Landwirtschaftskammer NRW stellt Programme zur Düngebedarfsermittlung und Bilanzierung zur Verfügung.“ Der Referent informierte, dass in NRW mehr als 2500 Betriebe jährlich systematisch kontrolliert würden. Bei Verstößen gegen die Düngeverordnung kommt es zu Bußgeldern. Für das Jahr 2017 berichtet der Ministeriumsmitarbeiter von Bußgeldern in Höhe von rund 500000 €.

Um das Gülleproblem in den Griff zu bekommen, setzt das Ministerium in Düsseldorf auf eine bessere Verteilung der Gülle aus den intensiven Tierhaltungsregionen in die Bedarfsregionen des Ackerbaus. Als positives Beispiel nennt der Fachmann die kooperative Zusammenarbeit von Landwirten und den Wasserwerken in Wasserschutzgebieten. Darüber hinaus finanziere das Land NRW Wasserberater bei der Landwirtschaftskammer zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie.

Die für bestimmte Betriebe seit Anfang des Jahres gültige Stoffstrombilanzverordnung sei, so Leser, im Kern die Hoftorbilanz, wie man sie aus der früheren Düngeverordnung vor 2006 kenne. Auch der Agrarhandel könne die Landwirte bei der Umsetzung der Düngeverordnung unterstützen. Die Anbauberater hätten häufig eine langjährige Erfahrung und gute Kontakte zu den Betrieben. Der Agrarhändler verfüge über die Daten zum Düngereinkauf im Hinblick auf Mengen und Nährstoffgehalte und könne den Landwirten damit Hilfestellungen zur Dokumentation geben. So kann der Händler bereits den Stickstoffaustrag durch verkauftes Getreide oder andere Produkte ermitteln.

Weniger Bürokratie wäre möglich

Dies würde den bürokratischen Aufwand reduzieren. Über die künftige Ackerbaustrategie einer möglichen Großen Koalition auf Bundesebene konnte Leser in Hannover wenig Auskunft geben. Im Entwurf zum Koalitionsvertrag werde die Düngung nur einmal erwähnt, in Bezug auf das Potenzial der Digitalisierung zur Düngereduzierung. Das Bundesland Nordrhein-Westfalen beabsichtige, digitale Geobasisdaten einschließlich der Nutzung des amtlichen Satellitenpositionierungsdienstes kostenlos zur Verfügung zu stellen. Dies würde den Einzug von Teilflächenbehandlungen und moderner Ausbringungstechnik voranbringen.

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