Stände auf der IGW präsentieren die digitale Landwirtschaft von morgen.
Foto: da
Stände auf der IGW präsentieren die digitale Landwirtschaft von morgen.

Die Digitale Transformation von Produktionsprozessen ist in der Landwirtschaft weit vorangeschritten. Für die nächsten Schritte müssen von der Politik zielführende Rahmenbedingungen sowie die entsprechende Infrastruktur geschaffen werden.

Die Digitalisierung in der Landwirtschaft ist das große Thema auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Doch häufig existieren noch große Missverständnisse über die konkreten Anwendungen, aber auch Auswirkungen des Prozesses. Unklar ist, welche Rolle die an der Digitalisierung beteiligten Akteure aus Wirtschaft und Politik dabei spielen. Tatsächlich läuft der Prozess der Digitalisierung bereits sehr rasch und umfassend ab, hieß es auf einem Forum der FDP auf der IGW.

„Die Digitalisierung ist kein neues Thema“, sagte Prof. Michael Clasen von der Hochschule Hannover. Sie laufe ja bereits seit den 1980er Jahren, erläuterte der Wirtschaftsinformatiker. Dabei hätte zunächst die Automatisierung einzelner Prozessschritte im Vordergrund gestanden. Die Abläufe in einzelnen Maschinen oder Geräten sowie die zunehmende Vernetzung der verschiedenen Aggregate seien in den vergangenen Jahrzehnten konsequent vorangetrieben worden. Heute hätte bereits eine Vielzahl von digitalen Anwendungen in der Landwirtschaft Einzug gehalten. Pflanzenschutz und Düngung erfolgen präzise, angepasst an den Nährstoffbedarf der Pflanzen sowie der Bodenbeschaffenheit. Intelligente Software-Lösungen verknüpfen verschiedene Betriebsbereiche miteinander, einzelne Produktionsprozesse werden vernetzt. Während bisher Anwendungen für die einzelnen Schritte in Produktionsprozessen entwickelt worden seien, folge nun die Digitalisierung der geistigen Leistung, führte Clasen aus. Hier bewege man sich dann auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz, bekannt als „KI“.

„Schon 2030 werden Roboter auf dem Feld selbstverständlich.“
Julia Klöckner, Bundesagrarministerin, 

Dies bedeute, dass die Steuerung von Prozessen nach und nach von autonomen Systemen übernommen werde. Irgendwann werde dann das Feld selbst verantwortlich sein für die Anbauplanung sowie die Organisation der nachfolgenden Prozesse, so Clasen. Dabei sei jeder Teilschritt ebenfalls für sich selbst verantwortlich und vergebe Unteraufträge an andere Systeme. „Der Acker bestellt die Drillmaschine, die wiederum das entsprechende Saatgut, den Dünger und organisiere die erforderliche Arbeitsschritte wie Aussaat und Pflanzenschutzmaßnahmen“, beschrieb Clasen die Vision. Entscheidungen würden auf der Basis von Daten, aber eben nicht mehr zwangsläufig von Menschen getroffen werden. Bis dahin sei es natürlich noch ein langer Weg und viele offene Fragen seien zu klären. Dazu gehöre die Datensicherheit. Hier sei die Politik dringend gefordert, Rahmenbedingungen zu entwickeln. Dies gelte ebenso für die technische Infrastruktur.

Als Besonderheit der digitalen Ökonomie beschrieb Clasen, dass digitale Geschäftsmodelle in vielen Fällen Grenzkosten von nahe null und damit auch einen Preis von null hätten. Daher ließen sich häufig keine direkten Erlöse erzielen. Eine vollständig selbstgesteuerte Landwirtschaft werde künftig technisch möglich, in vielen Bereichen mittelfristig aber ökonomisch nicht sinnvoll sein. Zu beachten sei, dass digitale Entwicklungen meist erst sehr langsam verlaufen, dann aber explosionsartig. Auch Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) liegt viel daran, die Effizienz der Düngung zu steigern. „Die Digitalisierung kann der Schlüssel dazu sein“, sagte sie in Berlin. „Wir können präziser arbeiten, mit Landmaschinen, die satellitengesteuert Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmittel ausbringen. Wir können Transport- und Lagerungsabläufe optimieren, die Nachverfolgbarkeit garantieren und Nachernteverluste reduzieren.“ Schon 2030 würden Roboter auf dem Feld zur Selbstverständlichkeit.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats