Die Düngeverordnung fordert zum Umdenken auf. Karsten Möller von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen stellt flexible Fruchtfolgen vor, die den künftigen Anforderungen gerecht werden.


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az: Wird künftig mehr E-Weizen angebaut?

Möller: In einigen Regionen in Niedersachsen ist nicht auszuschließen, dass Landwirte, die bisher keinen E-Weizen angebaut haben, diesen in die Fruchtfolge aufnehmen. In Teilen Deutschlands, in denen bisher E- und A-Sorten angebaut und vermarktet werden und sich die Erträge nicht nennenswert unterscheiden, dürfte sich dieser Trend abzeichnen. In der Regel ergeben sich dadurch schlagspezifisch höhere N-Bilanzüberschüsse, was im Hinblick auf den einzuhaltenden Kontrollwert von 50 Kilogramm Stickstoff je Hektar, den die Düngeverordnung für den Betriebsdurchschnitt vorsieht, zu beachten ist.


Wie ist eine höhere N-Effizienz zu erreichen?

Möller: Insgesamt rücken systematische ackerbauliche Fragen stärker in den Vordergrund. Generell entlasten beispielsweise Sommerungen und dabei Hackfrüchte die N-Bilanz. Auch Bodenbearbeitungssysteme können zu geringen N-Überhängen führen. Die Empfehlung, Winterraps wegen der höheren Bilanzüberschüsse aus der Fruchtfolge zu nehmen und dafür Zuckerrüben oder Mais hineinzunehmen, ist häufig nur theoretisch eine Lösung. Nicht vorhandene Lieferrechte oder flachgründige, hängige Standorte stellen oft einen limitierenden Faktor dar.

Karsten Möller betreut die Versuche in Poppenburg.
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Karsten Möller betreut die Versuche in Poppenburg.
Welche Faktoren kann der Landwirt direkt beeinflussen?

Möller: Während wir bei der mineralischen N-Düngung schon häufig sehr effiziente Verfahren vorfinden, lassen sich bei der Ausbringung von Wirtschaftsdüngern noch Effizienzsteigerungen erzielen. Die Entgasung von Ammoniak kann durch eine direkte Einarbeitung mithilfe von Güllegrubbern vermindert werden. Im Frühjahr können Gülle oder Gärreste ohne Nachteile bereits in Getreide eingeschlitzt werden, soweit es die Befahrbarkeit zulässt. Auf verdichtungsempfindlichen Böden bieten sich Verschlauchungssysteme an, um eine zeitige Ausbringung sicherzustellen.


Welche Rolle spielen die unterschiedlichen Dünger?

Möller: In Versuchen konnten wir zeigen, dass es keine großen Unterschiede zwischen der Kalkammonsalpeter-, Harnstoff- und Ammoniumnitrat-Harnstofflösung, AHL, gibt. Bei einer reinen AHL-Düngung war die Effizienz geringer, was auf eine breite Verteilung zurückzuführen ist. Mit der Düngeverordnung gewinnt Flüssigdünger wieder an Vorzüglichkeit, da eine randscharfe Ausbringung möglich ist. Dies ist in Landstrichen mit einem hohen Gewässeranteil von Vorteil.

Wie ändert sich die Gabenverteilung?

Möller: Auf Weizen, der für eine vertraglich gebundene Qualität angebaut wird, benötigt man auch in Zukunft eine dritte Stickstoffgabe. Je nach Region und Witterung wird diese im Anbau von A- und B-Weizensorten sicher geringer ausfallen müssen, um bei gedeckelter Stickstoffmenge einen hohen Ertrag durch eine Vorsommertrockenheit nicht zu gefährden. Hier minimieren geteilte Gaben das Risiko.

Zur Person
Karsten Möller (52) ist seit 2002 Düngerexperte bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK). Zuvor war der promovierte Agraringenieur im Außendienst eines Saatgutherstellers beschäftigt. Seit sieben Jahren leitet der Niedersachse die Bezirksstelle der LWK in Northeim. (dg)

Wann gibt es noch Aufschläge zur Stickstoffdüngung?

Möller: Bisher wurden in Niedersachsen auf bestimmten Standorten Zuschläge empfohlen. Auf kalten, trägen Tonböden oder auf den hochertragreichen Marschstandorten waren 20 bis 40 Kilogramm Stickstoff je Hektar gegenüber Lehmböden möglich. Diese Aufschläge sind nur noch bei hohen Erträgen erlaubt, nicht aber über die Bodenart begründbar. Als Reaktion auf die Vorgaben der Düngeverordnung bleiben dem Landwirt nur die Möglichkeiten, die Sortenwahl und die N-Verteilung zu verändern.


Kommt es zu einer neuen Einstellung bei der Sortenwahl?

Möller: In Niedersachsen wird dies durch eine stärkere Differenzierung der Erzeugerpreise gesteuert, die bisher nicht besonders ausgeprägt war. Nur wenn es gelingt, dass der Landwirt keinen finanziellen Nachteil davon hat, dass er einer Sorte mit einer guten Backqualität trotz wenig Protein den Vorzug gibt, werden sich diese Sorten durchsetzen können.


Das Gespräch führte Dagmar Hofnagel
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