Report Düngemittel

Volle Tanks fordern heraus

Das Wasser auf den Äckern in Niedersachsen wird im Frühjahr sicher Probleme bereiten.
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Das Wasser auf den Äckern in Niedersachsen wird im Frühjahr sicher Probleme bereiten.

Dünger so effizient wie möglich ausbringen – das ist nicht nur in diesem Jahr das Credo von Juliane Duensing. In diesen Wochen hat diese Forderung für die Expertin bei der Landberatung Nienburg e.V. aber eine besondere Bedeutung.

Die strengeren Auflagen der neuen Düngeverordnung und der nasse Herbst im vergangenen Jahr bedeuten für Landwirte und Beratung eine spezielle Herausforderung in diesem Frühjahr. Die Gülleläger sind gefüllt und die Witterung Ende 2017 machten es unmöglich, den Dünger auszubringen.

„50 Prozent der Läger waren vor dem Winter schon gefüllt“, sagt Gert Lüschow, Vorsitzender des niedersächsischen Beratungsrings. Auch der Havarieerlass brachte nicht wirklich eine Erleichterung. Ab 15. Januar hätten die Landwirte nach dieser Ausnahmeregelung den Dünger schon auf die Felder bringen dürfen. Normalerweise ist die Ausbringung ab 1. Februar frei. Kaum ein Landwirt hat davon allerdings Gebrauch gemacht.

„Ganz abgesehen davon, dass die Felder auch in den ersten Wochen des neuen Jahres aufgrund der Nässe nicht befahrbar waren, haben viele Landwirte den bürokratischen Aufwand für die Ausnahmemöglichkeit gescheut“, weiß seine junge Kollegin. Sie hat den direkten Kontakt zu den Landwirten. Der Erlass wird zudem von Landkreis zu Landkreis unterschiedlich gehandhabt. Landwirte mussten nachweisen, dass sie alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft haben, um ihre überschüssige Gülle unterzubringen. Einige Landkreise verlangten auch die Separation in feste und flüssige Bestandteile.

Entlastung brachte die Frostperiode im Februar. Die Telefone standen in dem Nienburger Büro nicht still. „Die Landwirte wollten auf Nummer sicher gehen, ob sie tatsächlich mit der Gülle auf die Felder fahren durften“, musste Duensing für ihre Mitglieder klären. Der Idealfall – nachts Frost und tagsüber höhere Temperaturen und damit ein aufgetauter Boden, der ein Eindringen der organischen Substanz in den Boden möglich machte – war zumindest für einige Standorte gegeben. So konnte die studierte Agrarierin grünes Licht geben. Abgesichert hat sie sich beim Prüfdienst der Landwirtschaftskammer. Die Landwirte müssen ihre Bedingungen vor Ort allerdings selber und genau definieren und schauen, ob die Freigabe für sie zutrifft. Ist keine Auftauschicht vorhanden, ist weiteres Warten angesagt. Duensing hat die genauen Vorgaben in ihrem „Pflanzenbautelegramm“ an ihre Mitglieder rausgeschickt. Das bekommen sie per Fax, E-Mail oder Post. Manchmal werden Informationen auch über die sozialen Medien verschickt. Bilder bieten sich beispielsweise bei der Darstellung von Auffälligkeiten in einzelnen Beständen an.

Ein eingespieltes Team: Juliane Duensing und Gert Lüschow.
Fotos: dg
Ein eingespieltes Team: Juliane Duensing und Gert Lüschow.


Neben den Landwirten meldet sich aber auch die „ganz normale“ Bevölkerung bei ihr. „Heute Morgen wollte eine Dame wissen, ob die Landwirte überhaupt bei diesem Wetter mit der Gülle rausfahren dürfen“, war Duensing nicht wirklich überrascht. „Die Bevölkerung ist gut informiert, selbst über die Ausbringungsdaten“, weiß auch Lüschow, selber aktiver Landwirt.

Abgesehen von diesen Ausnahmesituationen, unterstützt Duensing ihre Mitglieder neben praktischen ackerbaulichen Hinweisen vor allem bei der Dokumentation. Mit der Düngeverordnung und damit den erstmals geforderten kultur- und schlagspezifischen Aufzeichnungen sind die Ansprüche an die Dokumentationspflicht deutlich gewachsen. Und in diesem Jahr könnten wegen der Auswaschungen von Stickstoff auf den leichteren Böden Verschiebungen bei den Bedarfswerten auftreten. Theorie und Praxis könnten auf eine besondere Probe gestellt werden und auch auseinanderdriften. Umso mehr sieht die Beraterin eine hohe Düngereffizienz als wichtig an. Hier setzt sie unter anderem auf den richtigen Zeitpunkt bei der Ausbringung von Dünger.

Optimale Temperaturen und Niederschläge bewirken eine gute Umsetzung des Stickstoffs im Boden. Auch die Technik spielt neben vielen anderen Stellschrauben ihrer Meinung nach eine große Rolle. Die richtige Einstellung der Düngerstreuer beispielsweise ist eine wichtige Voraussetzung für ein gutes Ergebnis. „Ackerbauliche Fehler können oft nicht mehr mit einer Reparaturdüngung ausgeglichen werden“, so die Fachfrau.

In regelmäßigen Abständen ist sie mit den Landwirten auf deren Feldern, um den Fortschritt der Kulturen zu beobachten und Empfehlungen für anstehende Maßnahmen zu geben. Das wird in diesem Jahr von besonderer Bedeutung sein. Die Frage nach der Höhe des Eiweißgehalts beim Weizen hat in diesem Teil Niedersachsens nicht unbedingt den Vorrang. Es wird eher Futterweizen angebaut. Ein höherer Anteil an Sommerungen in den Anbauplänen dieses Jahres 2018 wird die junge Frau genauso herausfordern wie die Pflanzenschutzempfehlungen für die Frühjahrsbehandlungen aufgrund des vorigen Jahres. „Im Herbst konnten nicht mehr alle Maßnahmen getroffen werden“, weiß die Absolventin der Universität in Kiel. Sie rechnet mit dem Anbau von mehr Mais im Kreis Nienburg. Lüschow hat in seinem Betrieb 30 Prozent aus der Herbstaussaat nicht in den Boden bekommen. Mit weiteren 30 Prozent Umbrüchen rechnet er aufgrund von Staunässe auf seinen Feldern. „Die Pflanzen sind einfach erstickt“, so seine Beobachtung. Er setzt in diesem Frühjahr allerdings auf Kleegras. Das kann er an die 170 Milchkühe verfüttern und in seiner Biogasanlage verwerten. In Fragen zu möglichen Umbrüchen rechnet Duensing bereits mit einem höheren Beratungsbedarf. 70 Prozent der Böden in ihrem Einzugsgebiet entfallen auf leichte Standorte. Der Rest sind schwerere Böden, auch Marschböden. Seit vier Jahren ist sie mit großem Engagement für ihre Aufgabe unterwegs.

Die Notwendigkeit der neuen Düngeverordnung stellen die beiden Fachleute nicht infrage. Sie wollen daran mitarbeiten, dass die Nitratwerte im Grundwasser geringer werden. Wünschen würden sie sich allerdings eine einfachere Handhabung der Dokumentation. Und sie haben etwas Sorge, dass ihre eigentliche Aufgabe – die praktische Beurteilung vor Ort bei den Landwirten – zu kurz kommt und ein größerer Teil ihrer Arbeit in der Bewältigung der Dokumentation liegt.

Eigens für die neue Düngeverordnung haben sie allerdings ein eigenes Programm – den „Nährstoffmanager“ entwickeln lassen. Mittlerweile benutzen ihn 40000 Agrarbetriebe oder Beratungsringe bundesweit.

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