Report Landtechnik

Strom statt Diesel


Ruhe im Dorf: Der E-Schlepper von Fendt ist leise und abgasfrei.
Foto: Agco/Fendt
Ruhe im Dorf: Der E-Schlepper von Fendt ist leise und abgasfrei.

Die Landtechnikhersteller hierzulande feilen an Lösungen für alternative Antriebe. Bis zur Serienreife ist es jedoch noch ein weiter Weg.

„Dieselfahrverbote in den Städten werden zunehmend wahrscheinlich. Das erhöht die Nachfrage nach elektrisch betriebenen Kommunaltraktoren“, ist sich Dr. Benno Pichlmaier, Direktor Global Technology & Innovation bei Agco/Fendt aus Marktoberdorf, sicher. Zudem werde die Nutzung von selbst erzeugter Energie auf dem Hof durch elektrische Landmaschinen zunehmend attraktiv. Deshalb beschäftigt sich der Konzern derzeit unter anderem intensiv mit dem batteriebetriebenen Fendt e100 Vario. Mittel- und langfristig könnten ganz neue Fahrzeugkonzepte entstehen. „Fahrzeuggespanne mit Batterieschleppern und elektrifizierten Anbaugeräten bieten Potenzial für innovative Ansätze“, so Pichlmaier gegenüber dieser Zeitung. Bei den Kosten bestimmter Bauteile wie E-Motor, Leistungselektronik, Ladegerät oder auch der Batterie sieht er noch Handlungsbedarf.

„Das Thema Elektromobilität spielt bei uns seit vielen Jahren eine wichtige Rolle“, versichert eine Sprecherin von Same Deutz-Fahr Deutschland. So wurde dort bereits vor gut zwölf Jahren die erste Studie eines Spezialtraktors vorgestellt, mit komplett elektrischem Antrieb. Momentan liege der Fokus auf Hybridlösungen mit Elektromotoren. Durch die höhere Effizienz sowie die bessere Regelbarkeit würden elektrische Antriebe große Vorteile gegenüber der Hydraulik bieten. „Hier wird allerdings auch noch intensive Zusammenarbeit mit Anbaugeräteherstellern erforderlich sein, um den Nutzern praxistaugliche Lösungen anbieten zu können“, heißt es in Lauingen.

„Die Elektromobilität in der Landwirtschaft wird sehr stark von der dezentralen Erzeugung und Nutzung regenerativer Energien getrieben“, ist Prof. Peter Pickel aus dem Hause John Deere überzeugt. Die „Initialzündung“ gehe von den Traktoren aus. „Um Elektromobilität in den Sektor in großem Stil einzuführen, muss entweder ein wesentlicher technologischer Fortschritt bei Energiespeichern erfolgen oder es müssen grundlegend neue Konzepte zur Übertragung von Energie zu mobilen Maschinen entwickelt werden“, sagt der Manager.

„Aufgrund des hohen Leistungsbedarfs werden Erntemaschinen nach derzeitigem Stand der Technik nicht die Leitfahrzeuge für Elektromobilität werden“, so ein Claas-Sprecher aus Harsewinkel. Dies gelte genauso für große Traktoren mit hohem Leistungsbedarf über einen langen Zeitraum. Für kleinere Schlepper mit begrenzter täglicher Einsatzzeit sowie kleinere Logistikfahrzeuge könne das Thema in Einzelfällen jedoch interessant sein.

Landwirt Wolfgang Täger-Farny aus Niedersachsen sieht hinsichtlich der Praxistauglichkeit Knackpunkte in den derzeitigen Kosten sowie in der Verfügbarkeit von effizienten Speichermedien, sprich Batterien. Hinzu kommen definierte Schnittstellen für die Nutzung dieser Energie für Anbaugeräte. „Allerdings – wer nicht den Weg in die Praxis sucht, bleibt immer im Versuchsstadium“, gibt Täger-Farny zu bedenken.

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