Report Logistik

Bei Verspätungen gibt es Alarm


Die Zentrale in Einbeck organisiert weltweit zeitsensible Saatguttransporte und setzt dabei alle Verkehrsträger ein. Foto: KWS
Die Zentrale in Einbeck organisiert weltweit zeitsensible Saatguttransporte und setzt dabei alle Verkehrsträger ein. Foto: KWS

Die Saatgutfirma aus Einbeck hat gemeinsam mit dem Stuttgarter Softwarehaus AEB ein Carrier Management Portal, kurz CMP, aufgebaut. Es ermöglicht den Niedersachsen ein durchgängiges Fuhrparkmanagement auf internationalem Parkett.

Mit der Etablierung des CMP haben der KWS-Logistikleiter Andreas Römmert und sein Team gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Auftragsvergabe, das Monitoring von Transporten und die Alarmierung bei Verspätungen wurden damit automatisiert. Compliance-Prüfungen und Zollanmeldungen, die früher in anderen Systemen vorgenommen wurden, werden ebenfalls integriert im CMP vollzogen.

Systemlandschaft bislang heterogen

"Dadurch stieg die Effizienz in der Transportabwicklung insgesamt", sagte Römmert der agrarzeitung (az). Mit den über die Plattform gewonnenen Informationen seien außerdem die Zustellqualität verbessert und eine Basis für weitere Optimierungsschritte geschaffen worden. Die Lieferketten für die Produkte des Herstellers unterscheiden sich deutlich. Im Segment Zuckerrüben beispielsweise wird das Saatgut bei Vertragslandwirten produziert und anschließend nach Einbeck zur Weiterverarbeitung transportiert. Von dort aus versendet KWS das Saatgut weltweit. Völlig anders ist die Lieferkette für Maissaatgut. Das Saatgut in Europa wird dezentral an mehreren Standorten produziert und direkt von dort verteilt. Die regionale Distribution übernehmen die Standorte in "Eigenregie". Überregionale Transporte – zum Beispiel zwischen den einzelnen Standorten – fallen wiederum in die Verantwortung der zentralen Logistik in Einbeck.

Nicht nur die differenzierten Lieferketten waren für die Logistiker des Saatgutherstellers eine Herausforderung, sondern auch die heterogene, interne Systemlandschaft. Transportaufträge laufen bei der KWS-Logistik über das SAP-System, das Lagerverwaltungssystem der Züchter, ein Online-Händlerportal oder auch manuell ein. Eine integrierte Abwicklung der Transportaufträge in einem zentralen System und eine IT-basierte Kommunikation mit den Dienstleistern gab es bisher nicht. Mit einer Ausnahme: Der vom Transportvolumen her wichtigste Logistikdienstleister DSV war an das SAP-System angebunden. Er erhielt bereits vor dem Aufbau des Portals seine Aufträge elektronisch und meldete den Sendungsstatus ebenso zurück.

Doch für die zahlreichen anderen Dienstleister kam eine aufwendige Direktanbindung nicht infrage. Bislang mussten Rückfragen von Kunden zum Lieferstatus telefonisch oder über die Tracking-Systeme der Transportdienstleister geklärt werden. Mittlerweile ist der Informationsfluss zwischen KWS und den Transportdienstleistern weitgehend automatisiert und mit dem Warenfluss synchronisiert.

Das von AEB entwickelte Portal funktioniert folgendermaßen: Die Transportaufträge werden aus dem CMP an den jeweiligen Dienstleister gemeldet. Dieser ist verpflichtet, die Waren innerhalb der vereinbarten Dispositionszeit bei KWS abzuholen. Ist die Abholung erledigt, übermittelt der Transporteur eine entsprechende Statusmeldung. Geht bis zum Ende der Dispositionszeit keine Abholungsmeldung in dem Portal ein, erstellt das System automatisch eine Warnmeldung, die sowohl an den Disponenten des Dienstleisters als auch an den Auftraggeber übermittelt wird.

Neues Bonussystem ist in der Planung

Beide Seiten sind dann angehalten, die Ursachen für die verspätete Abholung zu klären und Gegenmaßnahmen zu treffen. Diese sollen verhindern, dass sich auch die Anlieferung beim Kunden verspätet. Der Kunde erhält ebenfalls automatisch ein Avis, das ihm den Zeitpunkt der Anlieferung anzeigt. Wird die Ware beim Kunden angeliefert, macht der Transportdienstleister eine Zustellmeldung. Liegt bis zum avisierten Lieferzeitpunkt keine Zustellmeldung vor, erstellt das Portal automatisiert einen Verspätungsalarm, der wiederum an KWS und den Disponenten des Transportdienstleisters geht. "Wir können jetzt für jeden Carrier Dispositions- und Transportzeiten messen und ermitteln, ob sie den vertraglichen Vereinbarungen entsprechen", erklärt Römmert. Die Daten aus dem Portal bilden dafür eine objektive Grundlage. Das Unternehmen setzt darüber hinaus die Informationen für den Aufbau von transportbezogenen Leistungskennzahlen ein, die Basis für einen kontinuierlichen Verbesserungenprozess sind. Es ist geplant, die Kennzahlen für ein Bonus-Malus-System hinsichtlich Pünktlichkeit bei Abholung und Zustellung zu nutzen.

Nach Angaben des Unternehmens zahlt sich das Projekt auch wirtschaftlich aus. "Die Kosten haben sich innerhalb eines Jahres amortisiert", betont der KWS-Logistikchef. Zum einen seien die Prozesskosten in der Transportabwicklung aufgrund der IT-Anbindung der Dienstleister gesunken. Zum anderen verringere sich der IT-Aufwand. "Schnittstellen kosten viel Geld. Dadurch, dass wir jetzt nur noch eine Schnittstelle haben, sind wir deutlich wirtschaftlicher unterwegs", bringt Römmert es auf den Punkt.

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