Report Pflanzenschutz

Ackern mit klaren Prioritäten


Im Zentrum des Schwalm-Eder-Kreises befinden sich fruchtbare Lößböden.
FOTO: CELSIUS AUF WIKIVOYAGE
Im Zentrum des Schwalm-Eder-Kreises befinden sich fruchtbare Lößböden.

Frank Käufler möchte Landwirte von besserer Ackerbaupraxis überzeugen. Zu oft wird nach seiner Beobachtung die Feldhygiene sträflich vernachlässigt. Darauf führt der Berater Ertragsdepressionen und Resistenzen zurück.

Wenn Frank Käufler morgens von seinem Heimatort die gut 20km zu seinem Büro in Homberg (Efze) fährt, hat er bereits zahlreiche Felder seiner Beratungskunden passiert. Er betreut im Schwalm-Eder-Kreis 76 Landwirte, die in der Westhessischen Senke mit fruchtbaren Lößböden und den Randlagen der angrenzenden Mittelgebirge zusammen etwa 12000ha bewirtschaften. Diese Ackerflächen nimmt der Berater so oft wie möglich in Augenschein und vergleicht seine Beobachtungen mit der Pflanzenentwicklung auf Versuchsfeldern, die ebenfalls auf seinem regelmäßigen Besuchsprogramm stehen.

Die Standorte seiner Beratungskunden kennt der 50-Jährige in- und auswendig. Der gelernte und studierte Landwirt betreut seit 25 Jahren den Arbeitskreis Ackerbau, der 1994 gegründet wurde und beim Regionalbauernverband in Homberg (Efze) angegliedert ist. Seither hat sich die Zahl der Mitgliedsbetriebe verdoppelt und die betreute Fläche verdreifacht. Mittlerweile deckt der Arbeitskreis etwa 23 Prozent der Ackerfläche im Schwalm-Eder-Kreis ab. Unverändert hält Käufler an den Beratungsgrundsätzen fest, die vor 25 Jahren formuliert worden sind. Damals wünschten sich Landwirte im Ackerbau eine intensive, individuelle und unabhängige Betreuung.

„Ich kenne die Standorte, ich kenne die Landwirte“, verrät Käufler das Rezept, wie er auch nach einem Vierteljahrhundert den Ansprüchen seiner Kunden gerecht wird. Als eine wesentliche Grundlage seiner Arbeit nennt er die enge Zusammenarbeit mit dem Pflanzenschutzdienst in Hessen. „Dort liegt die Richtlinienkompetenz“, stellt der Ackerbauberater klar und ergänzt: „Ich sorge dafür, dass die amtlichen Empfehlungen in die Fläche getragen werden.“

Käufler ist von dieser Arbeitsteilung überzeugt, denn er hält große Stücke auf die Arbeit der Landesbehörde mit dem exakten Versuchswesen. Mit diesen Daten wiederum untermauert er seine standortangepassten Beratungsempfehlungen.

Seit 2015 führt der Berater auch offizielle Fortbildungen für den Sachkundenachweis im Pflanzenschutz durch, die Landwirte alle drei Jahre absolvieren müssen. Mittlerweile kann er zu den jährlichen Schulungen regelmäßig Betriebsleiter begrüßen, die im aktuellen Jahr gar nicht zur Auffrischung der Sachkunde verpflichtet wären. „Das zeigt mir, dass ich mit meinem Programm richtig liege“, freut sich Käufler. Besonders wichtig ist ihm, dass Landwirte zu ackerbaulichen Tugenden zurückfinden. Gerade der Pflanzenschutz hat nach seiner Beobachtung viel zu lange dafür herhalten müssen, ackerbauliche Fehler zu korrigieren. Doch zunehmende Resistenzen und Ertragsdepressionen zeigen die Grenzen der Chemie auf.

Mit solchen Bildern verdeutlicht der Berater die Folgen fehlender Feldhygiene.
FOTO: KÄUFLER
Mit solchen Bildern verdeutlicht der Berater die Folgen fehlender Feldhygiene.

Ziel ist eine höhere Effizienz aller Betriebsmittel

„Wir haben doch das System an die Wand gefahren“, ist sich Käufler mit Dr. Rolf Balgheim, dem früheren Chef des Pflanzenschutzdienstes in Kassel, einig. Beide setzen auf ein Umdenken der Landwirte und geben Hinweise in einer gemeinsamen Präsentation zur Feldhygiene, die für die laufenden Vorträge ständig mit aktuellen und regionalen Beobachtungen ergänzt wird. „Bei meinen Vorträgen schläft niemand ein“, sagt Käufler. Vielmehr will er seine Zuhörer dazu motivieren, alle Maßnahmen von der Fruchtfolge über Sortenwahl und Bestandesführung bis zum Nacherntemanagement in den Dienst der Gesunderhaltung zu stellen. „Als Ergebnis einer verbesserten Feldhygiene steht immer eine höhere Effizienz aller Betriebsmittel“, nennt er als konkreten Vorteil.

Smart Farming verlockt zu Fehlinvestitionen

Generell hält er es für entscheidend, die Prioritäten klar zu benennen. Seiner Beobachtung nach überschätzen viele Ackerbauern auch den Nutzen von Smart Farming. „Der Hype um die Landwirtschaft 4.0 lässt viel zu oft die Aufgaben des Ackerbaus 1.0 in Vergessenheit geraten“, kritisiert Käufler und rät manchem Landwirt, der eine Investition in einen Echtzeit-N-Sensor plant: „Kaufe doch für dasselbe Geld lieber einen Grubber.“

Natürlich weiß Käufler, wie komplex das Ackern angesichts zunehmender Regulierungen im Dünge- oder Pflanzenschutzrecht geworden ist. Er verhehlt nicht, dass er manche Auflagen für überzogen oder fachlich nicht gerechtfertigt hält. Dazu gehört für ihn das Verbot von Neonicotinoiden als Beizmittel. Bei Glyphosat fürchtet er ein zu pauschales Ende. „Natürlich können wir den Acker ohne Glyphosat sauber halten“, weiß der Berater, „aber wir zahlen einen hohen Preis.“ Er nennt als unerwünschte Folgen der dann intensiveren Bodenbearbeitung die Erosionsgefahr und die zu starke Mineralisierung von Bodenstickstoff.

Minimierungsstrategie für Glyphosat erforderlich

Sein Ausweg aus dem Dilemma: „Wir selbst müssen dem Gesetzgeber eine Minimierungsstrategie anbieten. Darin muss die Verpflichtung der Bauern sichtbar werden. Da können wir aber nicht mit 20 oder 30 Prozent weniger Glyphosat kommen. Wir müssen uns schon Richtung 50 Prozent bewegen“, spricht Käufler Klartext.

Käufler legt auch in seiner Beratungstätigkeit immer wieder den Finger in die Wunde. „Man muss auch mal nerven“, sagt er. Gleichzeitig weiß er, dass Landwirte Zeit brauchen, um Veränderungen umzusetzen. Um so weit zu kommen, nutzt nur Hartnäckigkeit. „Gespräche, Gespräche, Gespräche“, umschreibt Käufler seine Methode. Die Geduld verliert er aber dann, wenn Landwirte von ihm erwarten, dass er ihre Probleme löst, ohne dass sie sich selbst bewegen. Und er zeigt keinerlei Verständnis für Berufskollegen, die es grundsätzlich mit den Vorschriften nicht so genau nehmen. In solchen Fällen appelliert der Berater an den Bauernverband, in den eigenen Reihen mit dem „eisernen Besen“ zu kehren. „Selbstkritik ist keine Nestbeschmutzung“, stellt er klar. Generell ist Käufler Optimist geblieben. „Ich habe in meiner beruflichen Laufbahn die Erfahrung gemacht, dass sich Dinge durch beharrliche Arbeit zum Besseren wenden lassen“, sagt er im Rückblick. Er selbst holt sich die Motivation immer wieder aus einem über Jahrzehnte gewachsenen kollegialen Austausch. Dazu zählen frühere Kommilitonen aus seinem Agrarstudium in Soest, Kollegen aus dem Pflanzenschutzdienst und den Landwirtschaftskammern sowie Berater aus Handel und Industrie. Käufler spricht in dem Zusammenhang aber nicht von einem Netzwerk, sondern von kameradschaftlichen Beziehungen, die auf gegenseitiger Wertschätzung, Achtung und Vertrauen basieren. Diese Werte prägen seit 25 Jahren gleichermaßen seinen Umgang mit den Beratungskunden.

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