Gelber Saum: Erste Symptome einer späten Virusinfektion bei Zuckerrüben.
Foto: G. Hogrefe
Gelber Saum: Erste Symptome einer späten Virusinfektion bei Zuckerrüben.

Mit dem Wegfall der neonicotinoiden Beizen wird die Bekämpfung von Schädlingen in Zuckerrüben schwieriger und aufwendiger. Auch Wirkstoffe gegen Unkräuter stehen auf dem Prüfstand.

Die Rübenbauern kämpfen zurzeit mit den Auswirkungen der Trockenheit. Regional kommen noch ein stärkerer Besatz mit der Rübenmotte sowie der sonst eher selten auftretende Rübenmehltau hinzu. Die Zuckerindustrie hält trotz der Dürre an einem frühen Kampagnenstart fest. Niedrige Erträge und hohe Rodeverluste sind programmiert. Berücksichtigt man zudem das zu erwartende Preisniveau, steht kein auskömmliches Rübenjahr ins Haus.

Frühe Infektionen als neue Herausforderung

Auch die Vorzeichen für die kommenden Jahre sind keinesfalls positiver. 2019 werden erstmals Zuckerrüben ohne neonicotinoide Beize ausgesät werden müssen. Das dürfte mit ziemlicher Sicherheit das Comeback der Viruserkrankungen in der Zuckerrübe bedeuten. Viren hat es in den Rüben natürlich auch in den vergangenen Jahren gegeben. Da die Virusvektoren (Blattläuse) aber durch die neonicotinoide Beize sicher bis zum 8-Blatt-Stadium der Rübe bekämpft wurden, blieben die ertragsrelevanten Frühinfektionen aus. Spätere Infektionen zeigen sich in den Sommermonaten durch einen gelben Saum der Rübenblätter, haben ertraglich aber nur geringe Auswirkungen. Bei sehr frühen Infektionen, also vor dem 4-Blatt-Stadium, können dagegen der Rübenertrag bis zu minus 20 Prozent und der Zuckergehalt bis zu minus 2 Prozent-Punkte stark beeinträchtigt werden.

Systemische Wirkung pyrethroider Beizen fehlt

Der noch zur Verfügung stehende pyrethroide Beizwirkstoff Tefluthrin (Force 20 CS) hat eine gute Kontaktwirkung und verfügt zudem über eine ausgeprägte Dampfphase. Damit werden hohe Wirkungsgrade gegen unterirdische Schädlinge wie zum Beispiel Springschwänze, Tausendfüßler, Drahtwürmer und Moosknopfkäfer erreicht. Aufgrund der fehlenden Systemizität werden oberirdische Schädlinge aber nicht erfasst. Hierzu zählen vor allem die Blattläuse. Die regelmäßig in den Rüben auftretenden Schwarzen Bohnenläuse sind in diesem Zusammenhang sogar nur das kleinere Problem. Sie schädigen vornehmlich durch das Saugen, sind aber vergleichsweise ineffektive Virusüberträger. Die größere Gefahr geht diesbezüglich von der Grünen Pfirsichblattlaus (Myzus persicae) aus. Insbesondere wenn die zunehmend milderen Winter eine Lebendüberwinterung dieser Art ermöglichen. In diesem Fall fliegt Myzus persicae bereits im zeitigen Frühjahr mit dem Virus aus dem vergangenen Herbst im Gepäck wieder die Sommerwirte an.

Resistenzen erschweren Bekämpfung

Eine Bekämpfung über Spritzapplikationen ist unsicher, da sich in vielen Pfirsichblattlaus-Populationen gleich gegen mehrere Wirkstoffgruppen Resistenzen etabliert haben. Kombinationen aus qualitativen und quantitativen Mechanismen lassen Pyrethroide, Organophosphate und Carbamate unwirksam werden. Aber auch Neonicotinoide wirken in südeuropäischen Populationen bereits nicht mehr sicher, sodass auch der Effektivität der Beize gegen die Grüne Pfirsichblattlaus mittelfristig ein Ende gesetzt gewesen wäre.

Die in anderen Kulturen zugelassenen Wirkstoffe Flonicamid (Teppeki) und Pymetrozin (Plenum) sind noch nicht von Resistenzentwicklungen betroffen. Ob es hier rechtzeitig zu einer (Notfall-)Zulassung in der Zuckerrübe kommt, bleibt fraglich.

Damit aber nicht genug. Ob die für die Unkrautbekämpfung elementaren Wirkstoffe Phenmedipham (PMP) und Desmedipham (DMP) über die Saison 2019 hinaus zur Verfügung stehen, ist derzeit ebenfalls offen.

Damoklesschwert PMP/DMP-Verbot

Beide Wirkstoffe tragen vor allem bei trockenen Bedingungen die Hauptlast bei der Bekämpfung der Leitunkräuter Weißer Gänsefuß und Windenknöterich. Während Knöterich-Arten auch durch Clopyralid (Lontrel) und Triflusulfuron (Debut) bekämpft werden könnten, sind die Alternativen beim Weißen Gänsefuß rar gesät. Die Bodenwirkstoffe Chloridazon und Metamitron benötigen für eine gute Wirkung ausreichend Bodenfeuchte, die im Frühjahr aber immer seltener gegeben ist. Weiterhin darf das Chloridazon auf leichten Standorten wegen der Verlagerungsgefahr nicht eingesetzt werden und das Metamitron ist zunehmend resistenzgefährdet.

Der Zuckerrübenanbau wird aufwendiger

Der Zuckerrübenanbau steht damit nicht nur pflanzenbaulich, sondern auch betriebswirtschaftlich vor schwierigen Zeiten. Denn erforderliche, frühe Insektizidmaßnahmen lassen sich nur bedingt mit der Ausbringung von Herbiziden kombinieren und werden deshalb zu zusätzlichen Überfahrten führen. Die Bekämpfungslücken durch einen etwaigen Wegfall von PMP und DMP dürften zudem die Kosten für die Unkrautbekämpfung erhöhen. Dann wären eine intensivere Handbereinigung, der Einsatz von Maschinenhacke und Dochtstreichgerät notwendig. Berücksichtigt man ferner das derzeitige Preisniveau, so büßt die Rübe damit deutlich an Anbauwürdigkeit ein. Eine Konzentration des Anbaus bei spezialisierten Rübenbetrieben ist zu erwarten.

Gerrit Hogrefe, N.U. Agrar, Schackenthal

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