Report Pflanzenschutz

Die Palette im Pflanzenschutz wird immer kleiner


Rapsknospe ohne Glanzkäfer-Fraß: Bald ein Bild der Vergangenheit?
Foto: Hogrefe
Rapsknospe ohne Glanzkäfer-Fraß: Bald ein Bild der Vergangenheit?

Der Pflanzenschutz wird für Landwirte zunehmend anspruchsvoller. Die Auswahl an bewährten Mitteln schwindet. Alternativen mit gleicher Wirksamkeit sind nicht immer vorhanden.

In den vergangenen Monaten wurden zahlreiche Zulassungen von Pflanzenschutzmitteln widerrufen. Viele dieser Entscheidungen entfalten allerdings noch keine unmittelbare Wirksamkeit, da häufig noch Abverkaufs- und Aufbrauchfristen gelten. Trotzdem gilt es die jeweiligen Termine zu kennen, um etwaige Restmengen rechtzeitig auszubringen (siehe Übersicht).

Nur noch Kombinationen gegen Ramularia möglich

In einzelnen Fällen fehlen aber auch Produkte, die im Vorjahr noch verfügbar waren. Dies gilt beispielsweise für den Wirkstoff Picoxystrobin. Aufgrund zahlreicher Strobilurin-Alternativen wie die Wirkstoffe Azoxystrobin, Fluoxastrobin, Dimoxytrobin und andere ist dieser Verlust zu verschmerzen. Leider fällt mit dem Picoxystrobin auch das Produkt Credo weg, das sich aufgrund des darin ebenfalls enthaltenen Wirkstoffs Chlorthalonil großer Beliebtheit in der Abschlussbehandlung von Gerste erfreute. Chlorthalonil ist wegen seiner sehr guten Wirkung gegen Ramularia in diesem Segment unersetzlich. Fortan werden hier ausschließlich Kombinationen aus Azoxystrobin und Chlorthalonil in den Produkten Amistar Opti und Zakeo Opti zum Einsatz kommen müssen, da Alternativen fehlen. Azoxystrobin hat im Vergleich zum Picoxystrobin eine deutlich intensivere „Greening-Wirkung“. Das kann auf Standorten mit abrupter, hitzebedingter Abreife nachteilig sein, wenn dadurch die Umlagerung der Assimilate vom Blatt ins Korn verzögert wird.

Die Auswirkungen des Neonicotinoidverbotes für den Zuckerrübenanbau werden intensiv diskutiert. Die größte Gefahr durch den fehlenden systemischen Beizschutz geht von virusübertragenden Läusen aus. Potentester Vektor ist die Grüne Pfirsichblattlaus. Das bisherige, milde Winterwetter hat noch zu keiner Dezimierung des lebendüberwinternden Teils der Population geführt. Das ist dramatisch, da diese Läuse im Zweifel bereits mit Vergilbungsviren beladen sind und im Frühjahr beim ersten Temperaturanstieg in die Bestände einfliegen könnten. Eine strenge Frostperiode würde die Mortalität erhöhen und wäre aus Sicht des Zuckerrübenanbaus besonders wünschenswert. Der holozyklische Teil der Population – also Überwinterung als Ei am Winterwirt – ist weniger gefährlich, da sich diese Läuse nach einer zeitaufwendigen Entwicklung auf dem Winterwirt auch noch mit dem Virus beladen müssen.

Eine Bekämpfung der einfliegenden Läuse durch Spritzapplikation ist beim derzeitigen Zulassungsstand nicht möglich. Gegen Pyrethroide und Carbamate haben sich Resistenzen etabliert, Neonicotinoide wie Thiacloprid und Acetamiprid oder Flonicamid haben (noch) keine (Notfall-)Zulassung.

Neben den Zuckerrüben sind aber auch Kartoffeln vom Verbot von Imidacloprid, Thiametoxam und Clothianidin betroffen. Dort durften die Letztgenannten sogar immer noch als Spritzapplikation in Form der Produkte Actara und Dantop eingesetzt werden. Die beiden Präparate waren vor allem für die Pflanzkartoffelproduzenten wichtige Bausteine bei der Bekämpfung von Virusvektoren – auch hier unter anderem die Grüne Pfirsichblattlaus. Als systemisch wirksame Alternativen stehen hier jetzt noch Teppeki mit dem Wirkstoff Flonicamid, Biscaya mit dem Wirkstoff Thiacloprid und Mospilan mit dem Wirkstoff Acetamiprid zur Verfügung. 2019 darf zudem letztmalig Plenum eingesetzt werden. Auch für den Wirkstoff Pymetrozin wurde die Zulassung widerrufen.

Im Raps schwinden ab 2020 die Mittel

Das betrifft auch Raps. Ohne Plenum bleibt ab 2020 im Vorblütenbereich, in dem die hochwirksamen B1-Mittel gegen den Rapsglanzkäfer eingesetzt werden dürfen, nur noch das Avaunt auf Basis von Indoxacarb. Insbesondere vor dem Hintergrund abnehmender Wirkungsgrade der Neonicotinoide eine unheilvolle Entwicklung. Plenum muss in dieser Saison aufgebraucht werden. Gleiches gilt für Thiram-gebeiztes Saatgut bei Raps und Rüben. Während in den Zuckerrüben mit Vibrance SB eine gute Alternative mit Zusatzwirkung auf Rhizoctonia ab der Aussaat 2018 zur Verfügung steht, ist für Raps nichts bekannt. Ohne wirksame fungizide Beize wäre frühen Wurzelinfektionen Tür und Tor geöffnet.

Alternativen gegen Kartoffelkraut haben Nachteile

Nach dem Widerruf des Wirkstoffs Deiquat darf das Kartoffelkraut in diesem Jahr zum letzten Mal mit Reglone abgetötet werden. In der Branche werden bereits viele Alternativen diskutiert wie Krautschläger, Abflammen oder andere Wirkstoffe, die aber alle ihre spezifischen Nachteile aufweisen. Neben den Kartoffelbauern sind auch viele Anbauer kleinerer Kulturen betroffen, in denen Reglone zur Sikkation verunkrauteter Bestände verwendet wird.

Der Verlust des Wirkstoffs Propiconazols ist dagegen weniger problembehaftet. Zwar konnten bei rechtzeitiger Anwendung mit sehr geringen Mengen (und Kosten) Infektionen von Septoria, DTR oder Netzflecken effektiv gestoppt werden. Mit Prothioconazol und Epoxiconazol stehen allerdings potentere Azole, vor allem mit längerer Dauerwirkung zur Verfügung. Bedauerlicherweise verlassen uns mit dem Propiconazol auch die bewährten Produkte Agent und Gladio. Gerade Letzteres wird in diesem Jahr noch dringend gebraucht, um über das enthaltene Morpholin aus Basis von Fenpropidin den teilweise massiven Mehltau auszuräumen. Restbestände könnten bei frühem Vegetationsbeginn theoretisch auch noch im Jahr 2020 eingesetzt werden. Das Weizen-Ährenfungizid Taspa hingegen muss 2019 aufgebraucht werden. Alternativen mit deutlich besserer Fusariumwirkung stehen genug zur Verfügung.

Gerrit Hogrefe,
N.U. Agrar GmbH

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