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Der Druck auf den Wirkstoff Glyphosat wächst: Österreich hat ein nationales Verbot beschlossen, Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigt eine Entscheidung für den September an. Landwirte müssen gegen Unkräuter auf mechanische Bekämpfung ausweichen.

Neben dem Einsatz im Vorsaatverfahren wird Glyphosat vor allem im Rahmen der Stoppelbearbeitung angewendet. Im Vergleich mit anderen gängigen Nachernteverfahren zeigt sich, dass Glyphosat nur die grüne Pflanzenmasse beseitigt. Sollen weitere Ziele wie Strohverteilung, Rotteförderung oder Bekämpfung tierischer Schaderreger erreicht werden, bedarf es eines maschinellen Einsatzes (siehe Übersicht). Der Einsatz von Glyphosat nach der Ernte ist daher ein zu verschmerzender Verlust.

Bei der Bekämpfung von rhizombildenden Schadpflanzen wie Quecken bleibt das vollsystemische Glyphosat aber unersetzlich. Besonders effektiv war die Glyphosatanwendung, wenn die Rhizome zuvor zerkleinert wurden, da der Neuaustrieb auf weniger Reservestoffe zurückgreifen konnte und die Verlagerung des Wirkstoffs bis in die Spitzen der kurzen Rhizome erleichtert war. Ohne chemische Lösung ist das Zerkleinern von Rhizomen tabu, da es sonst zu einer massiven Vermehrung kommt. Erfolgversprechend ist nur das Heraufholen der Rhizome mit einem Tiefgrubber in der Hoffnung, dass sie in einer nachfolgenden Trockenperiode auf der Oberfläche vertrocknen.

Vielzahl an Möglichkeiten

Soll auch nach einem etwaigen Glyphosatverbot Mulchsaat betrieben werden – was aus Sicht des Erosionsschutzes unerlässlich ist –, müssen Unkräuter vor der Aussaat mechanisch beseitigt werden. Hierzu bedarf es Geräten, die den Boden flach und ganzflächig bearbeiten können. Auf den ersten Blick erfüllt eine Vielzahl von verfügbaren Maschinen diese Anforderungen. Allen voran die breite Palette der (Kurz-)Scheibeneggen. Insbesondere größere Unkräuter werden durch diese Geräte aber nicht entwurzelt oder abgeschnitten, sondern lediglich zugeschüttet. Die Folge ist eine rasche "Wiederbegrünung".

Die auf vielen Betrieben vorhandenen drei- oder vierbalkigen Tiefgrubber haben meist sehr weite Strichabstände (20 bis 30 cm), die Flügelschare notwendig machen, um ganzflächig arbeiten zu können. Bei vollem Eingriff der Flügel arbeitet die Spitze des Schares bereits 7 bis 8 cm tief, was insbesondere auf schweren Böden im Frühjahr unerwünscht ist. Auch für einen ersten Stoppelsturz wäre dieser Eingriff zu tief und birgt die Gefahr, bei Ausfallraps oder Ackerfuchsschwanz die sekundäre Dormanz auszulösen.

Flachgrubber mit geringem Strichabstand (circa 15 cm) und breiten (Gänsefuß-)Scharen schneiden den Boden ganzflächig ab. Die Bekämpfung aufgelaufener Unkräuter und Ausfallkulturen ist daher nachhaltig. Aber auch hier dürfen die Pflanzen nicht zu weit entwickelt sein. Große Rapspflanzen "schlängeln" sich vor allem unter trockenen Bedingungen durch die Zinkenreihen und werden nicht erfasst.

Durchgängige, geschlossene Walzen stellen den Bodenschluss wieder her und verhindern, dass aus dem Bearbeitungshorizont eine "tote Ascheschicht" wird. Stab- und Krümelwalzen haben an einem solchen Flachgrubber nichts verloren. Vielmehr ist das komplette Demontieren der Nachläufer eine interessante Option, wenn unter feuchten Bedingungen gearbeitet wird. Ein Wiederanwachsen von aus dem Boden gelösten kleinen Unkräutern wird durch die fehlende Rückverdichtung unterbunden.

Vorhandene Technik erweitern

Die durch ein Glyphosat-Verbot geschaffenen neuen Einsatzbereiche werden nur bedingt von auf den Betrieben vorhandener Technik abgedeckt werden können. Vielfach wird ein zusätzliches Gerät notwendig sein. Mit Ausweitung der technischen Möglichkeiten auf den Betrieben ergeben sich auch in anderen Bereichen wie der Stoppelbearbeitung oder der Einarbeitung organischer Dünger neue Möglichkeiten, die vormalige Kompromisslösungen ersetzen werden. Vor allem in Extremsituationen wie im Herbst 2017 oder 2018 finden Betriebe mit einer größeren Technik-Auswahl die passenderen Antworten.

Gerrit Hogrefe,

N.U. Agrar GmbH, Schackenthal

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