Report Pflanzenschutz

Holpriger Weg zu mehr Nachhaltigkeit


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Der Nationale Aktionsplan Pflanzenschutz (NAP) dokumentiert Fortschritte und Defizite in der nachhaltigen Anwendung der Mittel. Am gezieltesten kommen Herbizide auf den Acker, die größten Mängel gibt es bei Insektizidspritzungen.

Einmal jährlich kommen alle relevanten Zahlen auf den Tisch. Im 68-seitigen NAP-Jahresbericht 2018, der im Frühjahr veröffentlicht worden ist, sind die Kennzahlen zum deutschen Pflanzenschutz für das Jahr 2017 zusammengestellt. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) meldet, dass 2017 eine Wirkstoffmenge von 32 255 t verkauft worden ist. Nicht enthalten sind in dieser Zahl die inerten Gase, also die Anwendung von Kohlendioxid oder Stickstoff im Vorratsschutz. Die Absatzmenge ist um 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen und zeigt auch langfristig einen deutlichen Aufwärtstrend (siehe Grafik).

Die Pflanzenschutzexperten des Julius-Kühn-Instituts (JKI) in Kleinmachnow warnen jedoch davor, Absatzmengen mit der Anwendung gleichzusetzen. Das BVL erfasst lediglich die Mengen, die in dem jeweiligen Jahr verkauft worden sind. Sie sind nicht identisch mit den in diesem Jahr ausgebrachten Mengen, weil es immer zu Überlagerungen kommen kann. Außerdem lassen sich die Aufwandmengen der gängigen Wirkstoffe nicht vergleichen. Als ein Beispiel nennen die JKI-Fachleute Sulfonylharnstoffe, die mit 5 bis 50 g/ha ausgebracht werden – im Vergleich zu den Harnstoffherbiziden, bei denen 500 bis 3 500 g Wirkstoff/ha die Regel sind. Ein anderes Beispiel aus dem Bereich der Fungizide wären Conazole, die Aufwandmengen von rund 120 g/ha erfordern – im Gegensatz zu Schwefel, bei dem 3300 g/ha üblich sind. Als weitere mögliche Gründe für die Ausschläge der Verkaufsmengen über die Jahre nennt das JKI die aktuelle Witterung, das Auftreten neuer Schaderreger oder nachlassende Sortenresistenzen.

Kulturspezifische Betrachtung ist sinnvoller

Als treffendere Maßzahl für die Intensität des Pflanzenschutzes empfiehlt das JKI die Betrachtung der kulturspezifischen Behandlungsindizes (BI). Die zugelassene Aufwandmenge eines Mittels auf der ganzen Fläche ergibt einen BI von 1,0. Jedes Produkt wird einzeln gezählt, also bei Tankmischungen die Bestandteile addiert. Reduzierte Aufwandmengen oder Teilflächenbehandlungen senken den BI. Das JKI erhebt den Behandlungsindex bundesweit im "Panel Pflanzenschutzmittel-Anwendungen" (PAPA). Die Daten sind seit 2011 im Internet abrufbar. Im Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2017 liegen die Behandlungsindizes der Ackerbaukulturen zwischen 1,9 (Mais) und 12,2 (Kartoffeln). Für die flächenmäßig am häufigsten angebaute Kultur Winterweizen hat das JKI einen Mittelwert von 5,4 errechnet. Die größten Jahresausschläge weisen die Kartoffeln auf. In nassen Jahren steigt in dieser Kultur die Fungizidintensität.

Allerdings ermöglichen die PAPA-Erhebungen auch nicht immer einen Rückschluss auf die Pflanzenschutzintensität in Deutschland, weil sie die Ackerbaukulturen separat betrachten. Die Intensität der gesamten Fruchtfolge spiegeln sie ebenfalls nicht wider. Zugenommen hat im vergangenen Jahrzehnt der Anbau von Winterweizen, der hohe Pflanzenschutzanwendungen erfordert, wogegen extensiv geführte Sommergetreidearten oder Roggen Fläche verloren haben.

Erfolge und Defizite im Pflanzenschutz zeigen auch die Daten aus dem bundesweiten Netz Vergleichsbetriebe Pflanzenschutz, die ebenfalls vom JKI betreut werden. Hier werden in etwa 90 landwirtschaftlichen Betrieben jährlich Daten zur Ausbringung erhoben. Ein wichtiger Indikator ist die Einhaltung des notwendigen Maßes. Einige Landwirte spritzen entweder zu häufig oder zum falschen Zeitpunkt oder in der falschen Dosierung. Abzüge gibt es aber auch bei zu starker Verringerung der Aufwandmenge oder unterlassenen Behandlungen, wenn sie angezeigt gewesen wären. Im Jahr 2017 haben die Herbizidanwendungen am besten abgeschnitten. Hier entsprachen zwischen 92 und 94 Prozent der Spritzungen in Winterweizen, Wintergerste und Winterraps dem Optimum. Weniger zufrieden waren sie mit den Fungizidspritzungen, die mit 84 bis 86 Prozent dem notwendigen Maß entsprachen. Als durchweg kritisch bewerteten die Experten die Ausbringung von Insektiziden. Bei Winterweizen wurde sogar mehr als die Hälfte der Anwendungen beanstandet.

Ziel bei Rückstandshöchstgehalten ist noch nicht erreicht

Der Nationale Aktionsplan enthält noch weitere messbare Ziele. So soll bis zum Jahr 2021 die Quote der Überschreitungen von Rückstandshöchstgehalten (RHG) von Pflanzenschutzmitteln in allen Lebensmitteln auf unter 1 Prozent sinken. Das BVL führt dazu mehrjährige Monitorings durch, die 44 relevante Lebensmittelgruppen verschiedener Herkunftsländer unter die Lupe nehmen. Die bisherigen Ergebnisse haben gezeigt, dass in knapp einem Fünftel der Erzeugnisse deutscher Herkunft das Ziel noch nicht erreicht ist. Noch höher lagen die Beanstandungsraten bei importierten Produkten. Das BVL stellt fest, dass weitere Anstrengungen erforderlich sind, um die RHG-Werte auf unter 1 Prozent in jeder Produktgruppe zu senken.

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